Die eindrucksvolle Bestätigung mit mehr als 90 Prozent für Amtsinhaber Martin Piott hat deutlich gemacht, dass offenbar die überwältigende Mehrheit der Fichtenauer mit der Amtsführung ihres ersten Bürgers einverstanden ist.

Weniger als zehn Prozent für die übrigen drei Bewerber, darunter zwei ernsthafte, sind nicht nur ein klarer Auftrag für Piott. Sie sind zugleich ein Fingerzeig darauf, dass ätzende Kommentare in Internetforen nicht nur Begeisterung hervorrufen, mögen sie - laut Eigeneinschätzung - auch noch so "kritisch, kompetent und konstruktiv" daherkommen.

Konsequenz: Der Betreiber des "Fichtenauer Forums", Wolfgang Moser, hat auf seiner Internetseite gestern seinen vor dreieinhalb Jahren gestarteten Versuch beendet, "mit den Mitteln moderner Informationstechnologie ein Medium . . . der Aufklärung und des Gehörtwerdens im ländlichen Raum zu etablieren".

Moser notiert weiter: "Dies, wie sich jetzt am Fichtenauer Wahlergebnis eindrucksvoll zeigt, falsch eingeschätzt zu haben, müssen wir uns als Fehler anrechnen lassen." Der alte und neue Bürgermeister indes wertet das Bürger-Votum als Beleg dafür, dass die ohne Zweifel stilistisch brillanten, doch vom Inhalt her meist übers Ziel hinausschießenden Kommentare in der Gemeinde kritisch gesehen worden seien. "Vor allem die anonymen Beiträge", so Piott, "haben die Leute abgestoßen."

Die Wähler hätten ein deutliches Signal gesetzt, sagte Martin Piott gestern im Gespräch mit dem HT. Er selber stelle sich auch in Zukunft gern jeder Diskussion, "doch sie muss sachlich vorgetragen werden". In der Vergangenheit seien im Forum häufig Behauptungen als wahr verkauft worden, die sich bei näherer Betrachtung als zweifelhaft erwiesen hätten.

Martin Piott, der gestern seinen freien Tag nach den Wahlanstrengungen genoss, setzt aber durchaus auf "Denkanstöße von außen". Beim Thema Windkraft etwa spürt er eine starke Polarisierung pro und kontra in der Bevölkerung, die kanalisiert werden müsse. "Der richtige Weg für Fichtenau muss erst noch gefunden werden", sagte er gestern.

Wie stark der Wind der Unterstützung in seiner Kommune ist, machte nicht nur das Wahlresultat klar. Bestimmt mehr als 300 Bürgerinnen und Bürger wohnten der Verkündung des Ergebnisses bei. Die Wahlbeteiligung allerdings, die mit 66,15 Prozent im Vergleich zu anderen Bürgermeisterwahlen erfreulich hoch erscheint, muss speziell für Fichtenau relativiert werden. Vor acht Jahren, bei Piotts erster Wahl, traten immerhin rund 74 Prozent an die Urnen.

Allerdings waren damals die Fronten quer durch den Ort sicher verhärteter als diesmal - "Forum" hin oder her. Damals ging es um einen Neustart oder um ein "Weiter so" im Stil von Alt-Bürgermeister Wolf. Mit seinerzeit 73 Prozent der Stimmen entschied Piott den ersten Wahlgang klar für sich. Heute will er durchstarten, kündigte er an. Die nächsten Schwerpunktthemen warteten - Kanalsanierung und Breitbandkonzeption in der Gesamtgemeinde.

Info Zu seiner zweiten Amtsperiode wird Martin Piott am Samstag, 4. Mai, in Matzenbach verpflichtet. Zugleich feiert die Gemeinde Fichtenau an diesem Tag ihr 40-jähriges Bestehen.