Wenn Rektorin Erika Hönig ganz allein im Klassenzimmer ihrer letzten „Neuner“ sitzt, hat das Symbolcharakter. Nur noch vier Schüler hatte die Christoph-von-Pfeil-Schule in Unterdeufstetten zum Schuljahresende in der Sekundarstufe, und jetzt ist es endgültig vorbei mit der Haupt- und Werkrealschule. Für die Schule, die zwei Generationen Fichtenauer geprägt hat, beginnt eine neue Ära.

Als das Hauptschulgebäude 1984 eingeweiht wurde, hatte einer der ersten Schüler, Martin Bleicher, in der Festschrift von seinen Erwartungen an die neue Schule geschrieben. Bleicher hat längst seinen Weg gemacht, und als Gemeinderat ist er heute mitverantwortlich für die weitere Entwicklung der Schule. Die letzten Neuntklässler, Anna-Lena, Johannes, Philipp und Justin, schlossen nun den Kreis, griffen Bleichers Aktion vor 33 Jahren auf und formulierten ihrerseits Wünsche für die künftigen Nutzer ihrer Schule, die Grundschüler: Wohlfühlen sollten sie sich, die Räume sollten gut ausgestattet werden und der Pausenhof so sein, wie sie ihn sich wünschen.

Zweigeteilte Schule

Bis es so weit ist, wird Zeit vergehen. „Ein Jahr wäre gut, zwei sind wahrscheinlicher“, sagt Erika Hönig und lacht, wenn sie von ihrem täglichen Sportprogramm erzählt. Derzeit ist Rektorat, Sekretariat, Lehrerzimmer, PC-Raum und Schulküche im Gebäude der früheren Haupt- und Werkrealschule untergebracht, alle Klassenzimmer aber finden sich im Grundschulgebäude: „Das ist ein ziemliches Gerenne“, sagt die Herzblut-Pädagogin, die die Hälfte ihrer Zeit im Unterricht verbringt, und jede Lücke, jede Hohlstunde für andere Aufgaben nutzt.

Das Zusammenführen der beiden Schulen ist unumgänglich – wie jeder versteht, der durch die mittlerweile verlassenen Flure der alten Hauptschule geht. Lediglich im Untergeschoss sind einige Räume von der benachbarten Oberlinschule besetzt. Ansonsten ist es furchtbar still geworden in diesem Haus, das mal so voller Leben war.

Mit den Füßen abgestimmt

Insgesamt über 600 Schülerinnen und Schüler gab’s in Fichtenaus Hochphase, heute gerade mal ein Viertel. Die Grundschule spürt den Geburtenrückgang; die weiterführende Schule hat es nicht überstanden, dass die Eltern begannen, „mit den Füßen abzustimmen“, wie die Rektorin das landesweite Schulsterben ganz sachlich erklärt.

Mit dem Beschluss, die Haupt- und Werkrealschule aufzulösen, sobald keine fünfte Klasse mehr zustande kommen würde, ging das Versprechen einher, dass jeder Schüler, jede Schülerin das Recht hat, hier noch den Abschluss  zu machen. Immer mehr Kinder und Jugendliche auch der höheren Klassen verließen die Schule dennoch, bis nur noch vier junge Leute übrig blieben. Ein besserer Betreuungsschlüssel lässt sich kaum denken, aber es ist zum Schluss schon sehr einsam geworden im großen Schulhausneubau, im dem 1984 die Hauptschulen aus Krettenbach, Matzenbach, Wäldershub, Wildenstein, Bernhardsweiler, Lautenbach und Unterdeufstetten zusammengefasst wurden.

Dank an die Gemeinde

Der Blick zurück ist ein wehmütiger. Aber es gibt auch die Freude an einer glänzenden Zukunft. Lag bislang zwangsläufig der Fokus auf der Berufsfindung der Großen, rücken nun die Kleinen in den Fokus.

Bürgermeisterin Anja Wagemann, Ortsbaumeister Alfons Fischer und der Gemeinderat seien stolz auf ihre Schule und bereit, nicht nur in die dringend notwendige energetische Ertüchtigung des Hauptschulschulgebäudes zu investieren, sondern auch in den großen Rest: „Außen hui und innen pfui“, das passt nicht zusammen, sagt die Schulleiterin mit Blick auf zu kleine Räume oder auch uralte Teppichböden.

Ganz neue Möglichkeiten

Hinzu kommen ein Förderverein und ein engagierter Elternbeirat, sodass die Christoph-von-Pfeil-Schule sich insgesamt nicht über mangelnde Unterstützung beklagen kann. Und welche Grundschule verfügt schon über PC-Raum und Lehrschwimmbecken. Wenn das Obstfrühstück des Elternbeirats oder eine Aktion im Rahmen des „Ernährungsführerscheins“ der Grundschulen ansteht, muss künftig kein Klassenzimmer umgeräumt werden, dann geht’s einfach in die geräumige Schulküche. „Was für ein Schatz das ist“, sagt Erika Hönig. Irgendwann, bald, ist sie nicht länger allein im Klassenzimmer der ­letzten Neuner.