Kirchberg Musikraritäten und Bravourstücke

Kirchberg / Ralf Snurawa 18.08.2018
Das Konzert des Hohenloher Kultursommers in der Jugendstilkirche in Gaggstatt ist zu einer festen Größe geworden.

Traditionell ist beim Konzert des Hohenloher Kultursommers am Mittwochnachmittag das von Professor Petru Munteanu einstudierte Concertino Ensemble in der Jugendstilkirche von Gaggstatt zu erleben. Dieses Jahr hatten die Musikstudenten ein zweigeteiltes Programm vorgestellt.

Da waren zunächst einmal selten zu hörende musikalische Kostbarkeiten zu vernehmen. Dazu gehörten im Konzert Werke mit Orgel oder Cembalo. Verantwortlich für die Auswahl war Petru Munteanus Sohn Georgij. Er hatte sich für die Orgel Werke von zwei Komponisten ausgesucht: Antonio Vivaldi und Wolfgang A. Mozart.

Etwas mehr Orgel

Vivaldis Konzert für Violine, Orgel und Streicher in F-Dur RV 554 ist kein Werk, das den Musikern große Virtuosität abverlangt. Aber gern hätte man etwas mehr von der Orgel gehört. Die ist aber schwierig zu handhaben. Entweder sie übertönt die anderen Instrumente oder ist schlicht kaum zu hören.

Georgij Munteanu hatte sich lieber für die leisere Variante entschieden. Federico Mechelli-Uhl gestaltete seinen Solopart auf der Violine zurückhaltender, was einzelne duettierende Momente zwischen Violine und Orgel noch nachvollziehbar werden ließ, besonders im langsamen Mittelsatz, der wie ein kleines Vogelkonzert von der Empore herunterklang.

Der finale Satz des Werkes erklang frisch und zupackend, ähnlich wie später die F-Dur-Kirchensonate KV 224 von Mozart. Die drei einsätzigen Kirchensonaten von Mozart musizierten die Musiker auf der Empore, was der Orgel etwas mehr Durchhörbarkeit verschaffte. Doch für die C-Dur-Sonate KV 336, und die darin mehr in den Mittelpunkt gestellte Orgel, reichte das Klangvolumen nicht ganz aus.

Höhepunkt bei schnellen Sätzen

Sein Können konnte Georgij Munteanu aber danach zu Johann Sebastian Bachs Gambensonate auf dem Cembalo unter Beweis stellen. Dabei harmonierte er mit Bratschist Aleksandar Jordanovski sehr eindrücklich und ausdrucksstark.

Das begann mit den tastend wiedergegebenen Tönen des einleitenden ersten Satzes, setzte sich im wunderbaren Atmen des Andante-Satzes später fort, und fand seinen Höhepunkt im Pulsieren der beiden schnellen Sätze mit ihren schön hervorgehobenen, verwobenen Stimmen.

Schön gelang der Übergang dann mit Bachs d-Moll-Doppelkonzert, bei dem Shihan Wang und Zhengyi Qiu in ihren Soloparts brillieren konnten. Ersterer war dabei entschiedener in der Tongebung zu hören. Der langsame Satz wurde zum innigen Duettieren.

Bravorufe und viel Applaus

Am Ende ernteten die beiden jungen chinesischen Violinspieler sogar Bravorufe. Radu Barabancea gestaltete Camille Saint-Saëns‘ „Introduction et Rondo capriccioso“ in der Einleitung zwischen flehendem und energisch großem Ton. Der Rondo-Teil wurde dann zum virtuosen Feuerwerk: Sprühende Vitalität bei den irrsinnig schnell gespielten Figurationen und wunderbare Akzentsetzungen bestimmten sein Spiel.

Vom virtuosen Aspekt her ist Pablo de Sarasates Carmen-Fantasie noch eine Steigerung. Carolin Lindner nahm sich des Werkes mit großer Sicherheit an: Schnelle Flageoletttonfolgen gelangen ihr ebenso selbstverständlich wie klar zu hörende Töne in höchster Lage. Ihre stupende Technik bestimmte besonders den sehr schnellen Schlussteil. Das Publikum in der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche war hingerissen.

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