Kirchberg Musik verbindet Menschen

Vor der Musical-Aufführung morgen in der Kirchberger Stadtkirche wurde intensiv geprobt.
Vor der Musical-Aufführung morgen in der Kirchberger Stadtkirche wurde intensiv geprobt. © Foto: Foto: Ute Schäfer
Kirchberg / Ute Schäfer 22.06.2018
Integrativer Chor aus Kirchberg und der Haller Sonnenhof haben ein Musical eingeübt, das morgen in der Stadtkirche aufgeführt wird.

Johann Müller ist der erste, der da ist. Er ist zu Fuß von Weckelweiler nach Kirchberg gelaufen. Eine stramme Strecke, vor allem in der Mittagshitze! Aber er will pünktlich sein, denn kurz vor der Aufführung des Musicals „Musik und noch viel mehr“ steht eine wichtige Probe an. So langsam kommen die Mitsänger an, dazu die Organisatoren, die Betreuer, die Band, Kirchberger Chorsänger, die Solisten und nicht zuletzt Beate und Hannsjörg Scharr, die den Chor leiten.

Das gemeinsame Ziel ist eine Musical-Aufführung, gesungen von geübten und weniger geübten Sängern, mit Vorführungen von geübten und weniger geübten Tänzern samt Rollstuhlfahrern. All das soll klappen und klingen bei der Aufführung morgen in der Kirchberger Stadtkirche. Jetzt geht das Einsingen los. Erst werden die Lippen gelockert: „Wir sind zusammen da“, wird erst langsam und dann immer schneller gesprochen, „zusammen und gemeinsam. Nicht einsam und alleinsam.“

Grenzen überwinden

„Keimzelle des integrativen Chors ist der Schüler-Lehrer-Eltern-Chor der August-Ludwig-Schlözer-Schule“, erklärt Hannsjörg Scharr, der dort lange Musiklehrer war. „Unser Ziel war schon immer, Grenzen zu überschreiten, Neues zu integrieren.“ Und deshalb sagten Hannsjörg und Beate Scharr gerne zu, als vom Sonnenhof die Anfrage kam, gemeinsam ein Musical zum 50-jährigen Jubiläum der Behinderteneinrichtung aufzuführen. „Eine Einschränkung gab es: „Wir wollten aber nur loslegen, wenn sich genügend Sänger fanden.“ Das galt im Übrigen auch für die Offenen Hilfen des Sonnenhofs: „Wir fragten herum, wer mitsingen und -tanzen wollte“, erzählt Volker Balle. Johann Müller etwa wohnt im Crailsheimer Otto-Möbus-Haus und hat sofort zugesagt, als er von dem Projekt hörte. Vom Sonnenhof machen nun 20 Sänger und noch einmal so viel Tänzer mit, und vom Kirchberger Chor plus Band sind es etwa 60. Für die Offenen Hilfen gibt es einen positiven Nebeneffekt: „Wir wollen unseren Leuten Möglichkeiten geben, sich zu entscheiden, was sie in ihrer Freizeit tun. Da passen solche freiwilligen Angebote gut ins Konzept.“

In einem Nebenraum probt die Tanzgruppe gerade ihren Auftritt mit Gazellen-Figuren beim „König-der-Löwen-Lied“. Die Tänzer haben rote Bändchen am rechten und schwarze Bändchen am linken Arm befestigt. So kann jeder gut verstehen, was die angehende Heilerziehungspflegerin Viktoria Haag meint, wenn sie sagt: „Jetzt die Gazellen nach schwarz ablegen.“ Und das tun die gut 15 Tänzer dann auch – es klappt schon gut.

Der Fokus der Aufführung liegt auf dem Zusammenfinden der beiden Gruppen – der Sänger vom Haller Sonnenhof und der Sänger aus Kirchberg. Und natürlich hätten sich auch die behinderten Sänger gefragt: „Kann ich das?“, berichtet Balle. Und ja, „natürlich wussten auch die Chorsänger nicht, wie das jetzt wird, so Scharr. „Aber wir wissen jetzt: Es wird gut.“ Auch wenn nicht alle miteinander sprechen können – nicht jeder kann reden –, miteinander singen geht. Scharr: „Musik ist eine gemeinsame Sprache, die verbindet.“

„Die Begeisterung ist ansteckend“, berichtet Beate Scharr. „Wenn es den behinderten Sängern gefällt, klatschen sie und freuen sich laut. Das ist ansteckend für den ganzen Chor.“ Laut Chorleiter Scharr kommt es nicht darauf an, dass alle gut singen. Ihm ist wichtig, dass alle singen. Oder wenigstens, dass alle dabei sind, „auf der Welle surfen“, so Scharr, und merken: „Ich bin ein Teil des Ganzen.“

Dieses Gefühl ist es wohl, das Johann Müller dazu bringt zu sagen: „Singen ist schön.“ Er meint damit wohl genau den Augenblick, in dem der Chor eins wird, gemeinsam im Takt schwingt, in dem die starken Stimmen die schwachen unterstützen, kurz: in dem der große Gleichklang entsteht. Und deshalb passt auch der Titel des Projekts so gut. Er lautet: „Musik und noch viel mehr.“

Aufführungen in Kirchberg und Hall

Musik und noch viel mehr ist ein Projekt der Offenen Hilfen für den Landkreis Schwäbisch Hall (Sonnenhof) und des ehemaligen Eltern-Lehrer-Schüler-Chors der August-Ludwig-Schlözer-Schule

Die Sänger und Tänzer treten am morgigen Sonntag um 17 Uhr in der evangelischen Stadtkirche in Kirchberg auf und am Sonntag, 8. Juli, um 14.30 Uhr in der Arche in Schwäbisch Hall - an diesem Tag feiert der Sonnenhof Jubiläum. Der Eintritt zu beiden Aufführungen ist frei.

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