Konzert Musik aus der Steinzeit

Kirchberg / Hartmut Volk 10.01.2018
Steinzeitliche Flötentöne erklingen auf der Finissage zur Steinzeit-Ausstellung im Sandelschen Museum in Kirchberg. Musikerin reist aus Berlin an und beeindruckt die Zuhörer.

Mit einem Flötenkonzert der ganz besonderen Art beendete der Kirchberger Museums- und Kulturverein seine Jahresausstellung „Steinzeit – Anfang der menschlichen Kultur“. Geheimnisvolle Flötentöne entführten die zahlreichen Besucher im Sandel-Saal weit zurück zu den Anfängen der Musik. Meisterlich entlockt hat sie die Berliner Flötistin Anna Friederike Potengowski vier filigranen Knochenflöten, die auf paläolithische Höhlenfunde zurückgehen.

Vor etwa 40.000 Jahren, gegen Ende der letzten Eiszeit, wurde der obere Donauraum von Menschen besiedelt. Spuren ihres täglichen Lebens wurden an mehreren Höhlenplätzen im Süden des heutigen Deutschlands gefunden, darunter Fragmente perforierter Vogelknochen und bearbeiteter Mammutzähne. Diese prähistorischen Flöten aus den Höhlen am Geißenklösterle, eine vom Hohlen Felsen, und ein etwas späterer, besser erhaltener Fund aus der Isturitzhöhle in den französischen Pyrenäen wurden in der Neuzeit rekonstruiert.

Diese Rekonstruktionen wurden aus denselben Materialien hergestellt wie die Originale: Aus der Speiche eines Singschwanes, aus Mammut-Elfenbein und aus Elle und Speiche eines Gänsegeiers. Die altsteinzeitlichen Blasinstrumente wurden als Teil des ­europäischen Musikarchäologie-Projektes (EMAP) zum Leben erweckt und gelten unter Fachleuten als der früheste Nachweis von musizierenden Menschen. In der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der relativ jungen ­Disziplin Archäoakustik hat die Musikerin Potengowski die verborgenen Klangwelten jahr­tausendealter Fundstätten erforscht und gemeinsam mit einem Percussionisten das spannende Musikprogramm „The Edge of Time“ geschaffen, in dem mit prähistorischen Instrumenten ­zeitgenössische Ausdrucksmöglichkeiten von Echos aus dem „Rand der Zeit“ aufgenommen wurden.

Impressionen daraus vermittelte sie im Museumssaal, der eine höhlenartige Akustik zwar vermissen ließ, aber dennoch eindrucksvoll zum Ausdruck brachte, welches musikalische Spektrum dem frühen Homo sapiens zur Verfügung stand. Die geheimnisvollen gespaltenen Klänge der Flöten aus Vogelflügelknochen seien heute in der zeitgenössischen Musik wieder angesagt, berichtete die Expertin.

Nicht mehr genau zu rekonstruieren sei, wie die Flöten einst angespielt wurden. Abhängig von der Natur jedes Instrumentes wendete Potengowski zwei ­Anblasmethoden an: Zum einen hielt sie die Flöte im schrägen Winkel am Mund und entlockte ihr variationsreiche Vibrato-Melodien, zum anderen ließ sie das Instrument auf der Unterlippe ruhen und erzeugte so ausdrucksvolle Töne mit stabiler Klanggestaltung.

Info Das Sandelsche Museum in Kirchberg hat jetzt Winterpause bis Anfang April. Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die nächste Sonderausstellung. Sie behandelt die Geschichte des Schlosses und wird am 8. April eröffnet.

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