Müll Müll gefriert in Tonnen fest: Stornierung nur auf Kulanz

Der Abfall ist festgefroren: Das steht auf dem Hinweiszettel. Foto: Arslan
Der Abfall ist festgefroren: Das steht auf dem Hinweiszettel. Foto: Arslan
SIGRID BAUER 22.01.2013
Die volle Biomülltonne steht am Straßenrand, ein Zettel hängt dran: Weil der Inhalt in der Tonne festgefroren ist, konnte sie nicht geleert werden. Zahlen muss der Eigentümer der Tonne aber trotzdem.

Während der Kälteperiode Mitte Dezember hat Manfred Rein diese Erfahrung gemacht. Obwohl er feuchte Küchenreste in Zeitungspapier eingewickelt hat, ist der Biomüll bei den Minusgraden angefroren. Auf das Müllauto ist die braune Tonne trotzdem gehoben worden.

Der Sulzdorfer hat deshalb beim Abfallwirtschaftsamt in Hall angerufen, weil er befürchtet, dass das Müllfahrzeug automatisch eine Leerung seiner Tonne quittiert hat. So ist es auch: Das System unterscheidet nicht, ob die Tonne geleert wird oder nicht. "Aber warum soll ich für eine Leistung zahlen, die nicht erbracht wurde?", fragt sich Rein.

Eine Mitarbeiterin des Landratsamts habe ihm erklärt, dass die Leerungsstation am Müllauto die Buchung nicht rückgängig machen kann und auch das Amt sei dazu nicht verpflichtet. So stehe es in der Satzung. Sie könne die Buchung nur auf Kulanz stornieren. "Das finde ich ganz schön frech", schimpft Rein. Wer sich nicht mit dem Amt in Verbindung setzt, der müsse zahlen, auch wenn die Tonne noch voll ist. "Das ist doch nicht richtig", meint er. Vor einigen Jahren ist ihm das schon einmal passiert. Aber damals gab es noch die Banderolen, mit der die Leerung bezahlt wurde. Jetzt hofft der Sulzdorfer, dass sich möglichst viele Bürger beschweren. "Wenn genug anrufen, müssen sie auch reagieren", ist er zuversichtlich.

Werner Schmidt, Dezernent für Verwaltung und Finanzen des Haller Landratsamts, bestätigt, dass normalerweise auch für eingefrorene Biotonnen Gebühren für die Leerung anfallen. Seine Mitarbeiter würden Anrufer darüber informieren, wie sie verhindern können, dass der Biomüll im Winter in der Tonne festfriert. Wenn eine Tonne nicht geleert werden konnte, würden sie dem Anrufer auf Kulanz einmalig eine Leerung gutschreiben.

Vermeiden möchte das Amt aber laut Auskunft der Pressestelle, dass zukünftig mehr Bürger anrufen oder das Angebot des Abfallamts missbraucht wird. Es verweist auch auf die Tipps im Müllkalender und in einer Mitteilung vom Dezember, wie das Festfrieren des Abfalls verhindert werden kann: "Feuchten Bioabfall abtrocknen lassen und in Zeitungspapier einwickeln." Außerdem heißt es, dass in solchen Fällen von höherer Gewalt kein Anspruch bestehe, dass die Leerung später nachgeholt wird.

Wie oft es im Winter vorkommt, dass die Müllabfuhr Tonnen nicht leeren kann und wie viele Bürger anrufen, können die Mitarbeiter im Amt nicht sagen. Eine statistische Erhebung dazu gebe es nicht.