Satteldorf Mühlenbauer gesucht

Die Hammerschmiede Gröningen liegt im vorwinterlichen Dornröschenschlaf. Sie soll im kommenden Jahr saniert werden – was kein einfaches Unterfangen weden dürfte.
Die Hammerschmiede Gröningen liegt im vorwinterlichen Dornröschenschlaf. Sie soll im kommenden Jahr saniert werden – was kein einfaches Unterfangen weden dürfte. © Foto: Ute Schäfer
Satteldorf / Ute Schäfer 04.12.2018
Die Hammerschmiede Gröningen muss saniert werden. Das ist leichter gesagt als getan. Denn wer kann heutzutage noch einen Wellbaum reparieren?

Der Wellbaum einer historischen Mühle ist ein Stamm, der gern aus stabiler Eiche besteht. Er ist die verlängerte Radachse des Wasserrads, dreht sich mit ihm und überträgt die Bewegung – sprich: die Energie – auf diese Weise vom Wasserrad in den Mühlraum. Dort wird die Bewegung dann in Kraft umgewandelt, sei es, um einen Mahlstein zu bewegen oder wie in Gröningen, um die Hammer zu betreiben.

Der Gröninger Wellbaum ist in die Jahre gekommen und das Mühlrad dazu. Auch das Backhäuschen, die Fenster und verschiedenes anderes haben schon eindeutig bessere Zeiten gesehen. Deshalb steht eine Sanierung an. 200.000 Euro hat die Gemeinde dafür im Haushalt eingestellt, und die sollen auch verbraucht werden. Schließlich sind mittlerweile sogar Fördergelder aus dem Leader-Programm genehmigt worden, 76.000 Euro insgesamt.

Viel Geld also, doch diese EU-Förderung bringt Sand ins Getriebe. Denn eine Förderung ist unweigerlich mit Förderrichtlinien verbunden. Im Fall des Leader-Programms heißt das: Geld gibt es nur nach öffentlicher Ausschreibung, berichtete Bürgermeister Kurt Wackler den Gemeinderäten in deren jüngster Sitzung. Die nahmen zur Kenntnis, dass die Sanierung von Wellbaum und Wasserrad gar nicht so einfach ist.

Denn allein schon die Formulierung der Ausschreibung ist ein Unterfangen für sich. Es sei kaum möglich, genau zu beschreiben, was konkret bei solchen historischen Anlagen zu sanieren sei, erklärte Wackler. Doch genau das wäre nötig, um bei einer Ausschreibung zu vergleichbaren Angeboten zu kommen.

Selbst Holzfachleute winken ab

Wer also kennt sich so gut mit historischen Mühlen aus, um eine normgerechte Ausschreibung zu formulieren? Die Mitarbeiter der Satteldorfer Verwaltung jedenfalls nicht. Selbst Holzfachleute, die von der Verwaltung zu Rat gezogen wurden, winkten ab. „Der Tenor war: Wir brauchen einen Mühlenbauer“, sagte Wackler.

Die schwierige Suche begann. „Es gibt nicht mehr viele“, so Wackler. Im Schwäbischen Wald habe es wohl einen gegeben, der auch an den Mühlen im Freilichtmuseum Wackershofen gearbeitet habe. „Aber der kommt altersmäßig nicht in Frage.“ Heute arbeitet Wackershofen mit einem Mühlenbauer aus dem Allgäu zusammen. „Mit dem sind wir im Gespräch. Mit ihm haben wir den Antrag zur Förderung ausgearbeitet.“ Der Fachmann wäre auch in der Lage, die Mühle in der Hammerschmiede zu reparieren, so Wackler, doch hier kommen die Förderrichtlinien ins Spiel. Das Projekt muss ausgeschrieben werden. Ob es nun Mühlenbauer gibt oder nicht. „Wir haben deshalb mit der Bauprüfung Gespräche geführt“, berichtete der Bürgermeister. Die Vorgaben sollten ja eingehalten werden. „Es steht schließlich der öffentliche Zuschuss in Frage. Das ist schon wesentlich bei der Summe.“

Das Ergebnis der Gespräche: Die Gemeinde darf nun mit Zustimmung der Bauprüfung eine Ausschreibung in Form eines Teilnahmewettbewerbs anstoßen, was das Procedere etwas vereinfacht. Teilnehmen können die Firmen, die sich fachlich und personell in der Lage sehen, die Gröninger Hammerschmiede auf Vordermann zu bringen, „unter Vorlage der entsprechenden Referenzen“, so Wackler

Müssen öffentlichen Weg gehen

Jetzt heißt es abwarten, was an Bewerbungen eingeht. „Diesen öffentlichen Weg müssen wir halt gehen“, sagte Wackler. Ziel ist es, die Arbeiten im kommenden Jahr auszuführen. Das gilt auch für die Fenster, die im Bestand saniert werden müssen. „Das ist die Vorgabe des Denkmalamts.“

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