Aktion Alexa: Hunderte neue mögliche Helden

Mund auf: Drei Minuten – mehr braucht es nicht, um Lebensretter zu werden. In der Gerabronner Stadthalle wurden gestern die Speichelproben für die Typisierung bei der DKMS  wie am Fließband genommen.
Mund auf: Drei Minuten – mehr braucht es nicht, um Lebensretter zu werden. In der Gerabronner Stadthalle wurden gestern die Speichelproben für die Typisierung bei der DKMS  wie am Fließband genommen. © Foto: Julia Vogelmann
Gerabronn / Julia Vogelmann 25.06.2018
Die Suche nach einem Stammzellenspender für das Baby Alexa aus Gerabronn übertrifft alle Erwartungen: Zur Typisierung in der Stadthalle strömen die Menschen in Scharen.

Auf riesige Resonanz stieß am Sonntag die Typisierungsaktion für die fünf Monate alte Alexa in der Stadthalle Gerabronn. Unter dem Motto „Alexa sucht ihren Helden“, nahmen viele ehrenamtliche Helfer den ganzen Tag über Speichelproben und Geldspenden entgegen.

Bereits zehn Minuten nach dem Beginn der Aktion waren sämtliche Parkplätze rings um die Stadthalle belegt. Und an allen Tischen herrschte großer Andrang. Dort saßen die Helfer, um Speichelproben zu nehmen und das Registrierungsverfahren bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu erklären – unter ihnen auch Evelyn Melzer aus Weikersheim.

Ihre Freundin ist mit der kleinen Alexa verwandt und als Helfer gesucht wurden, hat sich die junge Frau sofort gemeldet. „Ich bin selbst bereits als Stammzellenspender registriert und deshalb möchte ich auf eine andere Art mithelfen“, erklärte sie. Aus einem ähnlichen Grund saß ihre Partnerin am Tisch. „Ich habe eine chronische Krankheit und darf mich nicht registrieren lassen. So kann ich trotzdem helfen“, sagt Annette Raab.

Botschaft auf T-Shirt

Beide Frauen trugen wie alle Helfer ein leuchtend rotes Shirt mit der Aufschrift „Alexa sucht ihren Helden“ – auch Volker Beck und Wolfgang Welk, die als Ansprechpartner und Koordinatoren für die DKMS vor Ort fungierten. Beide kennen den Papa von Alexa persönlich, von der Arbeit und aus dem Sportverein, und standen sofort zur Verfügung, als der junge Vater um Hilfe bat. „Ich bin selbst schon registriert und ich habe das in die Hand genommen, bei der DKMS in Köln anzurufen, von da an war es ein Selbstläufer“, erklärt Volker Beck, wie die Aktion unter der Schirmherrschaft des Gerabronner Bürgermeisters Christian Mauch zustande kam.

Doch ganz von selbst ging es dann doch nicht, auch wenn Beck und Welk einhellig bestätigen: „Wir sind überall auf offene Ohren gestoßen.“ Unter der Anleitung der DKMS mussten rund 100 freiwillige Helfer gefunden werden, um den Aktionstag zu gestalten.

Was sie dabei erlebten, versetzte sie sichtlich ins Staunen. „Mein Telefon hat nicht mehr stillgestanden. Die Helferlisten waren voll, kaum dass sie aufgehängt waren“, sagt Wolfgang Welk, der freiwillige Helfer bei der Firma Bürkert suchte, die intern schon seit Jahren immer wieder Registrierungsaktionen durchführt. Auch Volker Beck war positiv überrascht: „Es war Wahnsinn. Meine Whatsapp-Kontakte haben um rund 200 Namen zugenommen, weil so viele helfen wollten.“

Beeindruckt von dem starken Zusammenhalt und der großen Hilfsbereitschaft in Gerabronn zeigte sich auch Bettina Steinbauer von der DKMS. „Die haben hier vor Ort Sensationelles geleistet“, lobte sie. Aus Erfahrung weiß sie, wie emotional aufgeladen solche Aktionen sind – vor allem, wenn der Anlass ein kleines Kind wie Alexa ist.

Helden für alle Betroffenen

Steinbauer weiß aber auch, wie groß die Hilfsbereitschaft ist, wenn hinter solch einer Aktion ein konkreter Fall steckt. „Gerade junge Leute kommen, weil jeder denkt, es könnte auch das eigene Kind treffen“, sagt sie und erklärt, dass die Stammzellenspender nicht nur Helden für Alexa werden können, sondern für jeden, der in der Situation ist, dass er eine Spende braucht.

Auch die Fußballer des TSV Schrozberg waren im Mannschaftstrikot nach Gerabronn gekommen. „Wir haben das auf Facebook gesehen und uns gesagt, da machen wir mit“, sagt Steffen Hefke und sein Teamkollege Michael Feuerlein ergänzte: „Das war relativ spontan.“

Völlig überwältigt von der Resonanz zeigten sich die Eltern der kleinen Alexa. „Wir haben mit großem Andrang gerechnet, aber zu sehen, woher und wie viele Leute kommen und wie sehr sich alle engagieren, das ist der Wahnsinn. Ich könnte den ganzen Tag heulen“, gab Mutter Maria Gelrod zu und Vater Denis Heckmann ergänzte: „Ich bin nicht der Fan von Öffentlichkeit und es hat mich Überwindung gekostet, die Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten. Ich habe das für unsere Tochter gemacht und es freut mich sehr, wie viele heute gekommen sind.“ Die kleine Alexa schlief derweil ganz entspannt in den Armen von Mama, Onkel oder Tante und ließ sich von all dem Trubel in der Gerabronner Stadthalle überhaupt nicht stressen. Vor allem Mutter Maria suchte währenddessen immer wieder das Gespräch mit den Menschen, denn sie sagt: „Unwissenheit ist es, was die Leute hemmt, sich registrieren zu lassen. Dagegen möchte ich etwas tun.“

Bundesweite Reaktionen

Auf ihrer Facebookseite wird Maria Gelrod inzwischen von Müttern aus ganz Deutschland und auch aus dem deutschsprachigen Ausland angeschrieben und sie verspricht voller Hoffnung: „Ich erhalte die Facebook-Seite aufrecht, bis ich positive Nachrichten vermelden kann.“

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