Mutig und richtig“ nannte der Stadtplaner Professor Dr. Gerd Baldauf am Mittwoch in der Kirchberger Festhalle das Ansinnen der Kommune, eine große innerstädtische Fläche aktiv neu zu gestalten. „Sehr zufrieden“ zeigte sich Bürgermeister Stefan Ohr mit den Vorschlägen, die Baldaufs Büro dafür gemacht hatte. „Überrascht von der großen Bandbreite“ von Ideen für das Quartier, die vier verschiedene Architekturbüros eingereicht hatten, war der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Sebastian Zoeppritz. Und auch die traditionell nicht unkritischen Kirchberger, die zahlreich in die Halle gekommen waren, spendeten freundlichen Beifall für das, was sie sahen.

Es hat sich gelohnt

Es scheint sich also gelohnt zu haben, dass sich Stadt und Gemeinderat im Sommer auf einen bisher ganz und gar nicht ausgetretenen Pfad begaben und einen Städtebau-Wettbewerb starteten. Das Sanierungsgebiet an Lindenstraße und Eschenstraße südlich des Stadtzentrums – hier liegen das Häsele-Gelände, der Gartenbaubetrieb Stapf, die „fabrik“ der Schloss-Schule und der Edeka-Markt – soll zum modernen, gemeinschaftsstiftenden, aber auch vermarkt- und bezahlbaren Wohnquartier werden. Die Kirchberger konnten in einem Bürgercafé ihre Ideen einbringen, ein Bürger-Planer-Dialog wurde angeboten, es gab Quartiersbegehungen.

Bildergalerie Ein modernes Wohnquartier für Kirchberg

Am Mittwoch wurde das Ergebnis des Wettbewerbs verkündet. Das Preisgericht mit Stadträten und Fachleuten hatte am Samstag zuvor nicht öffentlich getagt und – einstimmig – entschieden: Das Stuttgarter Büro Baldauf überzeugte mit seinem Entwurf.

Dass es die entwicklungsfähige Fläche im Ortskern gebe und ein großer Teil der Grundstücke bereits in städtischem Besitz sei, habe eine besondere Qualität, betonte Preisgerichtsvorsitzender Zoeppritz. Es eröffne die Chance, „einen etwas anderen Wohnungsbau anzugehen“. Eine markante Eingangssituation zum Viertel sei der Jury unter anderem wichtig gewesen, berichtete er, außerdem die Beziehung des Neuen zum Bestand in der Nachbarschaft, die Realisierbarkeit in Abschnitten und die Erschließung: Der öffentliche Raum solle so gestaltet sein, „dass er eine Erschließung sicherstellt, aber auch Aufenthaltsqualität bietet“.

Repräsentativer Stadteingang

Das Konzept des Büros Baldauf hat vieles davon berücksichtigt. Die Stuttgarter betrachteten die Abzweigung von der Haller Straße ins neue Quartier als repräsentativen Stadteingang. Hier soll ein kräftiges Gebäude entstehen, außerdem eine Art Bastion, von der aus man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt hat sowie ein offener, großzügiger, leicht angehobener „Generationenplatz“.

In diesem vorderen Bereich soll Mehrgenerationenwohnen möglich sein, ein Café ist angedacht, außerdem betreutes Wohnen. Auf dem Weg ins Quartier ist die Bebauung zunächst verdichtet, es gibt eine Tiefgarage für die Bewohner.

Es folgen zwei Areale mit verschiedenen Wohnformen, also etwa Reihenhäuser und Einfamilienhäuser, die um gemeinschaftlich genutzte Wohnhöfe angeordnet sind. Die Eschenstraße könnte teilweise frei von Autoverkehr gehalten werden, auch die Lindenstraße soll einen Aufenthaltscharakter bekommen.

Wie geht es jetzt weiter? Der Gemeinderat wird einen Bebauungsplan für das Gebiet aufstellen, anschließend soll der Markt sondiert werden. Die große Frage ist: Finden sich Investoren, die Baldaufs Ideen zum Leben erwecken? Stadt und Planer stünden diesen jedenfalls beratend zur Seite.

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