Internet Mit Vollgas in die Zukunft? Frankenhardter wollen schnelleres Internet

Die Gemeinde Frankenhardt liegt bisher weit abseits der schnellen Datenautobahnen.
Die Gemeinde Frankenhardt liegt bisher weit abseits der schnellen Datenautobahnen. © Foto: Getty Images/Nadla
Honhardt / SEBASTIAN UNBEHAUEN 21.05.2015
Beginnt in Frankenhardt schon bald die digitale Zukunft? Bürgermeister Schmidt hofft's. Eine Erdgaserschließung der Gemeinde durch die ENBW könnte eine günstige Gelegenheit bieten - so sie denn kommt.

Man soll in Artikeln ja auf Allgemeinplätze verzichten. Dieser hier sei aber doch vorweggeschickt, falls jemand es nicht mitbekommen hat: Schnelles Internet ist heute "einer der wichtigsten Standortfaktoren". Diese Botschaft hat die Frankenhardter Gemeindeverwaltung ihren Räten jetzt noch einmal per Sitzungsvorlage mit auf den Weg gegeben. Und Heinz Kastenholz von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schwäbisch Hall, der in der montäglichen Sitzung in Honhardt über das Thema referierte, sagte gar: "Man muss das als öffentliche Daseinsvorsorge sehen." So wie man früher in den Aufbau eines Wasserleitungsnetzes investiert habe, müsse man sich nun eben Gedanken über den Anschluss ans schnelle Glasfasernetz machen.

Dass Frankenhardt da einigen Nachholbedarf hat, weiß jeder, der zum Beispiel in Oberspeltach versucht hat, sich die Segnungen der digitalen Welt ins Wohnzimmer zu holen: Error statt "Entertain". Der Haller Ingenieur Marcus Eissing zeigte den Gemeinderäten am Montag verschiedene Karten. Darauf war zu sehen, dass schon eine Übertragungsrate bis 16 Megabit pro Sekunde nur in Teilen Gründelhardts gegeben ist. Anderswo im Gemeindegebiet sieht es noch viel düsterer aus. Zum Hintergrund: Experten gehen davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft Bandbreiten von 300 Megabit und mehr erforderlich sein werden. "In Frankenhardt ist die Versorgung mit schnellem Internet in keinster Weise gegeben", stellte Eissing deshalb klar.

Das soll sich auf jeden Fall ändern. Und da tut sich eine Chance auf: Die ENBW ODR hat der Gemeinde eine Erdgaserschließung innerhalb von vier Jahren angeboten. Dabei könnten auch Glasfaserkabel in die Frankenhardter Häuser verlegt werden. Die Idealvorstellung aus Sicht der Verwaltung: Die ENBW übernimmt das alles selbst und ist hernach Gas- und Internetanbieter. Bis jetzt allerdings will das Unternehmen eine kommunale Kostenbeteiligung von mehr als 1,7 Millionen Euro. Zu viel, findet Bürgermeister Jörg Schmidt. Derzeit wird verhandelt.

Denkbar ist auch, dass die ENBW für die Gaserschließung sorgt und die Gemeinde die Gunst der Stunde nutzt, um dabei Leerrohre mitzuverlegen. Danach müsste ein Anbieter gefunden werden, der Kabel in diese Rohre einschießt. Derlei kommunale Initiativen sind förderfähig. Sowohl Bund als auch Land stellen Geld bereit. Eine doppelte Unterstützung ist denkbar. "Wir bräuchten als finanzschwache Kommune schon einen hohen Förderanteil", sagt Schmidt.

Jetzt stellt sich aber erst einmal die Frage, ob der Gemeinderat überhaupt eine Erdgaserschließung will. Darüber soll in der nächsten Sitzung beraten werden. Es gibt durchaus Skepsis. "Ich bin mir sicher, dass der Bedarf für Gas nicht da ist", sagte Gemeinderat Steffen Messerschmidt. Die ENBW kalkuliere mit einer Anschlussquote von 80 Prozent, entgegnete Schmidt. Kommt kein Gasnetz, soll das Internet natürlich trotzdem auf Dauer deutlich schneller werden. Es gilt, ein Konzept zu erstellen: Wo verlaufen Glasfasertrassen? Sind diese anzapfbar? Wo liegen bereits Leerrohre? Bei welchen Bauarbeiten können welche mitverlegt werden? Die Sanierung der Ortsdurchfahrt Gründelhardt ist eine solche Gelegenheit, die auf jeden Fall genutzt werden soll.

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