Der Himmel freut sich offenbar über die Christusträger-Schwestern vom Hergershof und ihre Autobahnkirche an der Kochertalbrücke. Der 16. Mai 2013 sei ein regnerischer Tag gewesen, erzählt Schwester Inge ihren Gästen. Doch noch während der Unterzeichnung des Vertrags mit dem Regierungspräsidium, kurz vor dem symbolischen ersten Spatenstich, sei die Sonne herausgekommen. „Ein Zeichen von Gott, dass er zu der Kirche steht“, stellt die 54-Jährige vollkommen sachlich fest. Der Termin sei von der Behörde festgelegt worden. Was man dort nicht habe wissen können: „Die Losung für diesen Tag hieß: ‚Ich will Frieden geben an dieser Stätte, spricht der Herr Zebaoth.‘“ Das habe die Bestimmung des Orts klar gekennzeichnet.

Bei der Hocketse zum fünften Geburtstag der kleinen Kirche, die Anfang April 2014 eingeweiht wurde, haben die himmlischen Heerscharen erneut für beste Wetterverhältnisse gesorgt. Viele Freunde der Schwesternschaft und zahlreiche Besucher aus der Umgebung sind gekommen. Bürgermeister Frank Harsch musste seine Jubiläumsrede nicht vorbereiten, denn er war von Anfang an mit im Boot. „Es gab einige juristische Schwierigkeiten zu überwinden, was aber dank vieler Gönner und Freunde bewältigt werden konnte“, blickt er zurück. Die erste Anfrage der Schwesternschaft erreichte ihn im Herbst 2009. So gesehen ist die Feier rund um die Autobahn­kapelle sogar ein Zehn-Jahr-­Jubiläum.

Ebenfalls unter den Gästen sind eine Künstlerin und ein Künstler, die maßgeblich zur besonderen Atmosphäre in und vor der Kapelle beigetragen haben. Beide wurden den Schwestern vom Schicksal zugeführt oder, wem das lieber ist, vom Zufall. Stefanie Bahlinger aus Tübingen trafen sie bei der Abschiedsfeier eines Pfarrers. Die Textilmustergestalterin hat die bunten Glasfenster mit biblischen Motiven entworfen, die den Innenraum je nach Sonnenstand in immer neuen Farbenspielen leuchten lassen. In Deutschlands letzter Glashütte in Bayern wurden die Scheiben mundgeblasen, in Esslingen von einer Kunstglaserei in aufwendiger Arbeit zusammengefügt.

200 Stunden Arbeit

Die lebensgroße Christophorus-­Statue aus Douglasienholz vor dem Eingang am „Schwanz“ des fischförmigen Kirchengebäudes stammt aus der Werkstatt von Werner Arnold. Der 75-jährige Schwarzwälder war früher in der Metallindustrie tätig. Das Schnitzen habe er sich selbst beigebracht, sagt er. Schwester Inge drückt es anders aus: „Diese Gabe wurde ihm von Gott gegeben.“ Auch er machte die Bekanntschaft der Christusträger-Schwestern über gemeinsame Freunde. Den fröhlich zum Himmel blickenden Namenspatron der Kapelle hat er in 200 Stunden Arbeit hergestellt. Geld wollte er dafür nicht haben.

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Kreis Hall

Am Kuchenbüfett, für das Arnold höchstpersönlich eine Linzer Torte gebacken hat, am Grill sowie am Getränketisch darf sich jeder bedienen. Für die Musik, die zum Feiern dazugehört, sorgt zuerst die Veeh-Harfen-Gruppe Braunsbach mit schön gezupften Klängen. Zum Abschluss des Festes begleitet Eberhard Marstaller mit seinem transportablen Piano das gemeinschaftliche Singen von Taizé-Liedern. Wer noch nicht wusste, über welch bemerkenswerte Singstimme der Rektor der Grundschule Michelfeld verfügt, kann es an diesem Nachmittag erleben.

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