Kirchberg Mit Griffel und Gänsefeder

Dietrich Gonser schaut zu, wie die Kinder mit dem Griffel auf der Schiefertafel schreiben. Privatfoto
Dietrich Gonser schaut zu, wie die Kinder mit dem Griffel auf der Schiefertafel schreiben. Privatfoto
PM 10.09.2013
August-Ludwig-Schlözer-Schule in Kirchberg ist in diesem Jahr zum ersten Mal eine Ferienbetreuung angeboten worden.

In der Wenn beide Eltern berufstätig sind, ist es für sie oft unmöglich, ihre Kinder in den Sommerferien zu Hause zu betreuen. Deshalb haben Elternbeirat und Förderverein der August-Ludwig-Schlözer-Schule in Kirchberg eine Urlaubsbetreuung auf die Beine gestellt. Während der letzten zwei Ferienwochen betreuten Sozialpädagogin Sabine Göhrt und ihre Tochter Leonie (15) täglich von 7.30 bis 13.30 Uhr sechs Kinder - und erlebten viele Dinge, zu denen im regulären Schulunterricht oftmals die Zeit fehlt. Sie bastelten, gestalteten Holzblumen, tonten, spielten, machten einen Ausflug in den Tierpark, erlebten eine Führung durch die Weckelweiler Werkstätten, wanderten mit dem Förster durch den Wald, besuchten einen Bauernhof mit Mastbullen und lernten das Schreiben mit dem Griffel auf Schieferplatten.

Einer der Höhepunkte war für Colin, Selina, Luv, Katharina, Stella und Anna der Besuch im Schulzimmer des Sandelschen Museums in Kirchberg. Das Museumsgebäude in der Altstadt wurde im 18. Jahrhundert als Lateinschule errichtet und diente bis Ende der 1960er-Jahre als Volksschule. Im Schulzimmer des Museums berichtete der pensionierte Lehrer Dietrich Gonser, was in der Schule einst anders war. Der Unterricht sei damals immer mit einem Lied begonnen worden, erklärt er. Einer der wichtigsten Unterschiede zu heute war gewalttätiger Natur: Bis Anfang der 1970er-Jahre durften Lehrer ihre Schüler zur Strafe noch schlagen. Gonser zeigte, wie die "Schulmeister" früher mit fingerdicken Haselnuss-Stecken den Kindern auf den Hintern schlugen oder ihnen Tatzen auf die Handflächen verabreichten. "Gott sei Dank gibt es das heute nicht mehr", meint der 73-Jährige. Er selbst habe in seinen ersten Schuljahren in Kirchberg Glück gehabt. "Mit Frau Schaeff hatte ich eine freundliche Lehrerin, die uns nicht geschlagen hat", erzählt Gonser. Er erinnert sich noch gut an das Schreiben mit dem Griffel auf Schieferplatten. "Wenn man den zu steil hielt, hat es furchtbar gequietscht", erklärte er den lachenden Schülern. Erst in der zweiten Klasse durften die Kinder früher mit Gänsefedern oder mit Stahlfedern auf Papier schreiben. Damals musste man die Feder nach einigen Buchstaben immer wieder ins Tintenfass tunken.

Nach den guten Erfahrungen mit der Ferienbetreuung hoffen die Betreuerinnen im nächsten Jahr auf mehr Anmeldungen.