Kirchberg / HARTMUT VOLK  Uhr
Zum 17. "Tag der Artenvielfalt" hatte das Geo-Magazin gestern bundesweit aufgerufen. Dabei sollten in einem selbst festgelegten Gebiet möglichst viele Tier- und Pflanzenarten entdeckt werden.

Als Veranstaltungsort hatte das kreisweit tätige Umweltzentrum in Hall diesmal das Gelände um die Kirchberger Erlebnisherberge ausgewählt. Von hier aus konnten die Teilnehmer auf sechs über den Tag verteilten und von ausgewiesenen Experten angeleiteten Exkursionen zu verschiedenen Themengebieten die Vielfalt von Biotopen mit ihrem Artenreichtum erkunden, die in diesem Teil des mittleren Jagsttals noch zu Hause ist.

Hier können Pflanzenarten entdeckt werden, die andernorts längst verschwunden sind, wie etwa die Gemeine Hundszunge oder der Natternkopf. Beide gehörten zur Familie der Borretschgewächse und seien auf nährstoffarme und sonnige Standorte angewiesen, erläutert Diplom-Biologe Martin Zorzi. Hier am Steilhang bei der Jugendherberge finden sie diese Standortbedingungen vor, aber nur, weil der Hang bis heute beweidet wird. Seit der letzte Schäfer vor ein paar Jahren die Beweidung eingestellt hat, übernimmt die vom Kirchberger Nabu-Vorsitzenden Bruno Fischer betreute Schafherde diese Aufgabe, um das Gelände vor der Verbuschung zu bewahren. Das wäre sonst das Aus für viele seltene Pflanzen und Insektenarten.

Unten an der Jagst ist derweil Detlef Wucherpfennig vom Vorstand des Crailsheimer Nabu mit seiner Truppe unterwegs. Seit 30 Jahren beobachtet er in seiner Freizeit Vögel und kann sie auch bestens an ihren Stimmen unterscheiden. Die laute, schnelle Folge wohltönender Zwitscher- und Trillerlaute, die aus dem Schilf- und Brennnesseldickicht am Sauerbrunnen ertönt, erkennt er sofort als den Gesang des Schilfrohrsängers. Heutzutage sei es viel einfacher, die Vogelstimmen kennenzulernen, sagt Wucherpfennig. Als App könne man sie inzwischen auf sein Smartphone herunterladen, sodass man sie zur Kontrolle immer dabeihaben könne, sagt er und zückt sein Handy, um den Schilfrohrsänger noch mal von Nahem ertönen zu lassen. Allerdings sei es strengstens verboten, die Vögel ohne verantwortbaren Grund damit anzulocken.

Am Nachmittag war Gelegenheit, mit dem Pilzsachverständigen Michael Hauser die Pflanzenwelt des Waldes zu erkunden, mit den Tagfalter-Experten Uwe Knorr und Jörg Köhlich auf Schmetterlingspirsch zu gehen, oder mit dem Crailsheimer Mitarbeiter im staatlichen Artenschutzprogramm und Wildbienenexperten Rainer Prosi die heimische Insektenwelt näher kennenzulernen.

Seit 2014 ist die KfW-Stiftung der neue Hauptförderer des Geo-Tags der Artenvielfalt. Mit ihrem Engagement möchte die Stiftung durch die gezielte Förderung von lokalen, nationalen und internationalen Projekten zur Erhaltung von Biodiversität sensibilisieren und anregen, Verantwortung zu übernehmen.