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Crailsheim
Fichtenau / Jens Sitarek  Uhr
Fichtenau sucht Ersatz für die bisherige VHS-Außenstellenleiterin Elke Wenk. Deren Kündigung sorgt bei der Gemeinde für ein Nachdenken. Jetzt soll die Wochenarbeitszeit aufgestockt werden.

Es ist schön, dass wir eine so gut funktionierende VHS haben“, sagt Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Wagemann in der Dezember-Sitzung des Gemeinderates. Aber: „So können wir nicht weitermachen.“ Maßgeblichen Anteil da­ran, dass die größte Außenstelle der Volkshochschule Crailsheim Land so gut funktionierte, hatte Elke Wenk. Zwei Jahre leitete sie die Einrichtung. Doch zum 31. Dezember vergangenen Jahres kündigte sie. Bis eine Nachfolgerin gefunden ist oder ein Nachfolger, wirkt Wenk im Hintergrund weiter mit. Auch bei der Einarbeitung will sie helfen.

Sie hätten „die Kündigung zum Anlass genommen, über diese Stelle nachzudenken“, sagt Hauptamtsleiter Jochen Trollmann. In der Sitzungsvorlage heißt es: „Die Verwaltung kommt zu dem Schluss, dass die mit der VHS zusammenhängenden Arbeiten nicht mit elf Wochenstunden zu meistern sind.“ Diese Stundenzahl wurde vor zwei Jahren einfach angenommen, vor Wenk lief die VHS Fichtenau nämlich auf 450-Euro-Basis.

Nun wird die Stelle mit einem Anteil von elf Wochenstunden ausgeschrieben, für die Dauer eines Jahres kann diese Arbeitszeit auf 15,5 Wochenstunden aufgestockt werden, das beschließt der Gemeinderat. In spätestens einem Jahr entscheidet er über den weiteren Stundenumfang.

Dass die VHS Fichtenau viel mehr bietet als Koch-, Rücken- und Sprachkurse, wird im Bericht von Wenk in der Sitzung deutlich. 25 Kursleiter würden für „ein bunt gefächertes Programm“ sorgen. Eine Zahl, die zudem aufhorchen lässt: 32 Kinder haben im vergangenen Jahr über die VHS das Schwimmen gelernt. Eine Mutter aus Crailsheim, es war wohl im Kalligrafie-Kurs, sagte zu Wenk: „Euer VHS-Programm ist so toll, da muss man sich fast überlegen, ob man nach Fichtenau zieht.“ Ein besseres Lob kann es wohl kaum geben.

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Ohne Vertretung

So ein Lob macht vielleicht auch den Stress erträglicher. Für Wenk waren die zwei Jahre belastend, wie sie sagt: „Ich konnte nie abschalten, ich war immer VHS.“ Eine Vertretung hatte sie nicht, was den Urlaub erschwerte. Auch auf zweimalige Nachfrage hin, wie viele Stunden es bräuchte, will Wenk sich im Gemeinderat nicht auf eine Stundenzahl festlegen. Zuletzt hatte sie mit „drei Baustellen“ gehörig zu tun: neuer Bildungsplan, neues Verwaltungsprogramm und Datenschutz-Grundverordnung. Brauchen wir so viele Kurse? Die Frage steht immer mal wieder im Raum. Ihre Antwort: „Jeder Kurs hat Sinn. Wem soll ich sagen, du darfst deinen nicht mehr machen?“

„So wie das klingt, ist es mit 4,5 Stunden nicht getan“, findet Gemeinderat Martin Köhler. Der Bericht von Wenk sei allerdings auch „der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für 16.000 Euro Zuschussbedarf“. Denn einen Tagesordnungspunkt vorher ging es um den Haushalt 2019, der eine Neuverschuldung von rund 1,9 Millionen Euro vorsieht.

Ob Wenk unter den neuen Gegebenheiten nicht weitermachen will – diese Frage stellt ihr niemand. Dabei habe sie eigentlich damit gerechnet, verrät sie später am Telefon. Die Antwort wäre gewesen: „Ich bin schon in einem anderen Arbeitsverhältnis.

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Unterricht für 50 000 Einwohner

Die Volkshochschule Crailsheim Land ist eine Einrichtung der zwölf Umlandgemeinden des Altkreises Crailsheim. Die Außenstellenleiter sind ehrenamtlich, auf geringfügig entlohnter Basis oder, wenn es sich um eine Angestellte der Gemeinde handelt, neben ihren sonstigen Aufgaben tätig. Das Programm richtet sich an rund 50 000 Einwohner und bietet jährlich rund 8800 Unterrichtsstunden. Die VHS Fichtenau war 2018 mit 137 durchgeführten Kursen und 657 Teilnehmern die größte Außenstelle. js