Der Red-Dot-Award für Designer ist so etwas wie der Oscar für Schauspieler: eine höchst erstrebenswerte Auszeichnung und zugleich die Anerkennung einer herausragenden Leistung. Eine unabhängige Jury vergibt den Preis (mit seinen Vorläufern) seit 1955, seit 2000 heißt er tatsächlich Red-Dot-Award. Der Langenburger Diplom-Designer Uwe Thamm hat ihn heuer zum zweiten Mal gewonnen – diesmal für eine Signalwarnanlage der Firmengruppe Hänsch Holding GmbH in Herzlake. Überreicht wurde er dieser Tage in der Aalto-Halle in Essen.

Montagefreundlich und vielseitig

„Das Dachbalkensystem DBS 5000 überzeugt mit seiner Montagefreundlichkeit und der Vielfalt an Funktionen“, hieß es in der Erklärung der Jury. Mehr als zwei Jahre hat es gedauert, bis Uwe Thamm zusammen mit den Technikern von Hänsch sein „Blaulicht“ von der Idee zur Produktionsreife gebracht hat. Demnächst dürfte das Produkt mehr und mehr auf den Dächern von Polizei-, Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen auszumachen sein.

Verwendet wird eine neue Lichttechnologie mit einer Spiegeleinheit, die über extrem helle LED-Module nicht nur auf Fahrzeuge im Einsatz aufmerksam macht, sondern der Besatzung zugleich Arbeitslicht beschafft. „Die Flachkonstruktion sorgt für weniger Gewicht und für eine bessere Aerodynamik“, ergänzt Uwe Thamm. „Es ist jetzt halt kein Riesen-Knochen mehr wie das Blaulicht früherer Tage.“

In seinem kreativen Output hat sich der 55-jährige Langenburger seit Jahren auf die Rettungs-Branche mit all ihren Einsatz- und Sonderfahrzeugen eingeschworen. Für das Unternehmen Ambulanz-Mobile in Schönebeck in Sachsen-Anhalt etwa hat er in den vergangenen Jahren zahllose Fahrzeugaufbauten gestaltet – innen und außen übrigens.

Seinen ersten „Roten Punkt“, so die Übersetzung von „Red Dot“, bekam Uwe Thamm vor vier Jahren für die Gestaltung von handbedienten Geräten in Fahrzeugen für behinderte Menschen. Auftraggeber war hier die Veigel Automotive GmbH + Co. KG in Öhringen, mit der der Designer seit 2003 kooperiert.

Sein Geschäft gelernt hat Uwe Thamm von 1983 bis 1987 beim Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, wo er bei der Gelegenheit auch seine Frau Petra kennengelernt hat. 1993 haben sich die beiden in der Galerie am Tor in Langenburg niedergelassen – Uwe Thamm als Industrie-Designer, seine Frau als Goldschmiedin und Schmuckgestalterin.

Bei beiden gilt der Grundsatz, dass gutes Design bewertet und an bestimmten Kriterien festgemacht werden kann. „Geschmack ist vielfältig und verschieden, doch gutes Design ist durchdacht, hat einen Nutzen, ist ästhetisch und funktional zugleich und besitzt einen nachhaltigen Mehrwert“, ist Uwe Thamm überzeugt. Keine Frage: L’art pour l’art, also Kunst um ihrer selbst Willen, ist seine Sache nicht. „Es geht mir immer darum, Dinge nicht nur einfach anders, sondern besser zu machen, und das möglichst auch noch ressourcenschonend.“ Wichtig sei dabei, in größeren zeitlichen Dimensionen zu denken, „denn so was wie eine Signalanlage auf einem Polizeiauto soll ja langlebig und auch in zehn Jahren noch einsatzfähig sein“.

Derzeit arbeitet der Design-Profi an einem Aufstelldach für einen Camping-Van und an einem speziellen Rettungswagen-Blaulicht für VW. Wer weiß: Vielleicht ist Uwe Thamm nicht das letzte Mal bei der Red-Dot- Preisverleihung in Essen gewesen – im Übrigen ein eindrückliches, aber langwieriges Ereignis. Ideen hat er genug. Zum Beispiel plant er gerade einen neuartigen Muldenkipper. Mit dem könnte man immerhin gleich einen ganzen Berg an Preisen abräumen.

Info www.thamm-design.com;
www.veigel-automotive.de;
www.fg-haensch.de.