Zwei Moorhühner stapfen auf das Bürgerhaus zu – sie tun sich etwas schwer, mit den großen Hühnerfüßen aus Schaumstoff. Über ihre Gesichter haben sie Strumpfhosen gezogen, an die Augen, Schnabel und roter Hahnenkamm angenäht sind. Wer sich darunter verbirgt, ist nicht zu erkennen. Am Einlass sagen sie kein Wort, sodass nicht einmal die Stimmen Hinweise geben. „Das möchte ich auch mal“, sagt „Astro-Karin“ Ziegler in ihrem weißen Raumanzug. „Hier mal unerkannt durchgehen.“

Zurzeit geht das nicht, da hat sie zu viele Aufgaben. Sie steht mit ihrem Mann „Astro-Klaus-­Dieter“ Ziegler, ebenfalls mit Raumanzug und schicker Astrobrille, an der gefühlt längsten Bierbar Hohenlohes, verkauft 20 Sorten Bier und war am Vortag mit Gisela Spieler für die Hallendeko zuständig: Am Tag vor der Faschingssause hängten die beiden acht Stunden lang spacige Folienbahnen und silberne Planeten auf. „Weltall“ oder besser gesagt „Raumstation Ecki“ ist ganz offensichtlich das Motto.

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Mit Kennerblick mustert Karin Ziegler jetzt die beiden Moorhühner, die gerade den Saal betreten. Im Geist macht sie sich Notizen, denn sie ist Mitglied der Jury für die Kostümprämierung. „Idee und Kreativität sind uns wichtig und ob das Kostüm selbst gemacht ist.“ Sie findet es auch schön, wenn die Kostümierten in ihre Rolle schlüpfen – wie zum Beispiel die nette Mitarbeiterin vom TÜV Eckartshausen, die die Verkleidungen der Neuankömmlinge gründlich prüft und dann die Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellt. Der Flamingo, mit dem sie unterwegs ist, wird die Plakette aber bekommen, so pink und federig, wie er aussieht.

„Assigäng“ aus Eckartshausen

Für viel Aufsehen sorgt auch die „Assigäng“, 16 junge Leute, die einen auf Proll und Schlampe machen: Vokuhila, Adiletten, enge Leggins. „Diese Goldkette“, prahlt einer und zeigt die dicke Plastikkette auf der Heldenbrust, „ein Schnäppchen in der Türkei. Ich hab den Verkäufer so was von runtergehandelt.“ Sein Kumpel rempelt rüde die Besucher an. Ganz der ungehobelte Flegel eben, erzählt dann aber doch, dass die Assigäng ein Freundeskreis aus Eckartshausen ist.

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Karin Ziegler sagt: „Was mich immer fasziniert, sind die Kostüme, die die Leute haben. Viele treffen sich vorher mehrmals, um sie zusammenzustellen.“ Denn das ist das Besondere an der Eckartshäuser Faschingsfeier: „Die Leute freuen sich schon lange darauf und bereiten sich entsprechend vor.“

Nun kann man nicht gerade sagen, dass Eckartshausen eine Faschingshochburg wie etwa Stimpfach ist. „Doch es gab früher eine ganze Reihe von Faschingsfeiern in den Gasthäusern“, erinnert sich Ortsvorsteher Klaus-Dieter Ziegler. Mit den Gasthäusern schlief aber auch der Fasching ein. Doch Bedarf war offenbar da. „Beim ersten Mal vor zehn Jahren kamen gleich 80 Leute“, erinnert sich Ziegler an die Neuauflage im Bürgerhaus, „es wurden immer mehr.“ Allerdings wollen die Organisatoren nicht den ganzen Landkreis beglücken, meint Tobias Kern, Leiter der örtlichen Feuerwehrabteilung. Der Fasching gilt den Eckartshäusern, und die kommen auch.

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Dies sind die Gewinner der Kostümprämierung


Bestes Einzelkostüm (Platz zweimal vergeben): Engel Amelie und Flamingo Janin.

Beste Gruppe Platz 1 Assigäng, Platz 2 Strichmännchen, Platz 3 Barschipper/Alle 11 Minuten verliebe ich mich in ein neues Getränk. uts