Schienenverkehr Nürnberg-Stuttgart: Verbindung wird Bahnstrecke mit vordringlichem Bedarf

Gaildorf / Klaus Rieder 08.11.2018
Die Murrbahn Stuttgart-Nürnberg wird als Teil der Ausbaustrecke Stuttgart-Backang-Nürnberg im den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen.

Das am 30. Dezember 2016 in Kraft getretene Dritte Gesetz zur Änderung des Bundesschienenwegeausbaugesetzes (BSWAG) enthielt neben 21 Projekten des „vordringlichen Bedarfs“ auch 44 Projekte in der Kategorie „potenzieller Bedarf“. Unter diesen 44 waren die Strecke von Stuttgart über Backnang und Hessental (Murrbahn) sowie jene über Aalen (Remsbahn) nach Nürnberg. Beschlossen wurde damals: Die Strecken aus dem „potenziellen Bedarf“ steigen in den „vordringlichen Bedarf“ auf – sobald eine positive gesamtwirtschaftliche Bewertung erfolgt ist.

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Die Bewertung geschah auch vor dem Hintergrund des vor Kurzem vom Bundesverkehrsministerium vorgestellten Deutschland-Takts. Dieser vertaktete Zugfahrplan für ganz Deutschland wird zum Jahr 2030 angestrebt. Auf allen Hauptachsen soll dann alle 30 Minuten ein Zug fahren, die Anschlüsse sollen optimiert werden. Daraus ergeben sich kürzere Reisezeiten.

Von den 44 unter die Lupe genommen Projekten steigen nun 29 in den „vordringlichen Bedarf“ (die höchste Dringlichkeitsstufe) des Bundesverkehrswegeplans auf. Dabei ist die Verbindung Stuttgart-Nürnberg. Untersucht wurden alternativ die Strecke Stuttgart-Backnang-Hessental-­Nürnberg oder über Aalen, also Murr- und Remsbahn. „Im Variantenvergleich erwies sich die Streckenführung über Backnang als gesamtwirtschaftlich vorteilhafter.“

In der kurzen Projektbeschreibung heißt es weiter: „Ausbau der Strecke für den Betrieb mit Neigetechnikzügen bei einer Geschwindigkeit von 160 km/h.“ Doch auch die Remsbahn wird wohl nicht leer ausgehen. In dem Bericht heißt es weiter: „Der zusätzliche Ausbau der Strecke über Gmünd-Aalen ist im Gutachtervorschlag Deutschland-Takt enthalten.“

Die Freude bei Politikern in der Region über die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums ist groß. Der Gmünder Bundestagsabgeordnete Christian Lange (SPD) hebt hervor, dass durch einen Ausbau der Murrbahn das Angebot im Nahverkehr stabilisiert werde. „Durch die verbesserte Verknüpfung der Achsen Zürich-Stuttgart und München-Berlin verbessert sich die Verbindung von Stuttgart in Richtung Berlin, da die Führung über Nürnberg dann die schnellste Route darstellt.“ Die Aufnahme der Murrbahn in den „vordringlichen Bedarf“ ist für den Bundestagsabgeordneten Norbert Barthle (CDU) „ein Gewinn für das gesamte Schienennetz und die Regionen“. Damit „beseitigen wir Engpässe, schaffen mehr Kapazitäten und stellen die Infrastruktur für den Deutschland-Takt bereit“.

Für die Grünen-Politiker Jutta Niemann und Harald Ebner kann „die Neigetechnik allerdings nur der erste Schritt sein“. Deshalb mahnt der Bundestagsabgeordnete Ebner vor zu viel Euphorie. „Unser Ziel ist und bleibt eine durchgehend zweigleisige Bahnstrecke von Crailsheim bis nach Stuttgart“, so die Landtagsabgeordnete Niemann. Auch Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann begrüßt die Ausbaupläne. „Damit wird die internatio-
nale Verbindung von Nürnberg über die Murrbahn und die Gäubahn bis nach Zürich gestärkt. Hierzu ist auch eine partielle Zweigleisigkeit auf der teilweise eingleisigen Strecke erforderlich.“

So bleibt nach dem derzeitigen Informationsstand doch noch etwas unklar, ob und in welchem Umfang das zweite Gleis zwischen Hessental und Backnang auch Bestandteil des nunmehr beschlossenen Ausbaus ist. Dies wird sich wohl erst zeigen, wenn auch die detaillierten Angaben zu den Bewertungen der Schienenprojekte und die dazugehörende Kostenermittlung veröffentlicht werden.

Die Murrbahn Stuttgart-Hessental-Crailsheim im Bundesverkehrswegeplan

1985 Die Murrbahn steht unter Ausbaustrecke (ABS) als Teil der Querverbindung Saarbrücken-Mannheim- Nürnberg in der Dringlichkeitsstufe „Planungen“. Elektrifizierung des Abschnittes Backnang-Crailsheim und Erhöhung der Streckengeschwindigkeit zwischen Hessental und Nürnberg bis auf 200 km/h.

1992 Als 1. Stufe der ABS Karlsruhe-Stuttgart-Nürnberg-Leipzig/Dresden als neues Vorhaben im vordringlichen Bedarf. Priorität liegt auf Dresden-Nürnberg.

2003 Als ABS Karlsruhe-­Stuttgart-Nürnberg-Leipzig/Dresden für Neigetechnik unter „laufende und fest disponierte Vorhaben“.

2015 (neu 2030) Das Land meldet die Murrbahn in der Gruppe 2 „Achsen zwischen Oberzentren“ zum zweigleisigen Ausbau als „ABS Stuttgart-Crailsheim“ an.

2016 ABS Stuttgart-Backnang-Nürnberg steht unter „potenzieller Bedarf“, die in den vordringlichen Bedarf (VB) aufsteigen kann.

2018 Die ABS Stuttgart-­Backnang-Nürnberg wird in den VB aufgenommen. Darin heißt es es: Die Variante über Backnang erwies sich (im Vergleich gegenüber Aalen) als „gesamtwirtschaftlich vorteilhafter“. Das Projekt umfasst den Ausbau der Strecke für den Betrieb mit Neigetechnikzügen auf 160 km/h. jjs

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