Der dürftige Lohn für ihre Arbeit schreit zum Himmel: Milchbauern sind von einer kostendeckenden Produktion des zu Billigstpreisen verramschten "weißen Goldes" meilenweit entfernt. Viele Landwirte fürchten derzeit um ihre Existenz - seit dem Wegfall der Milchquote im April stehen auch hohenlohische Erzeuger erst recht im rauen Wind eines entfesselten Weltmarktes, auf dem derzeit im fernen Neuseeland der Preis diktiert wird. Dass "dieses ausweglose Hamsterrad nicht einfach so weiterlaufen kann", steht auch für Wolfgang Reimer, Ministerialdirektor und Amtschef im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium, gänzlich außer Frage.

Der gebürtige Creglinger und gelernte Landwirt machte sich bei der BDM-Kundgebung in der Muswiesenwirtschaft "Hofburg" für ein agrarpolitisches Instrumentarium stark, mit dessen Hilfe eine völlig aus den Fugen geratene Marktwirtschaft und ihre nicht nur für Milchbauern verheerenden Folgen gebändigt werden könnte.

"Wer wie der Bauernverband und das Bundeslandwirtschaftsministerium darauf vertraut, dass es der freie Markt schon richten wird, darf dann aber in Tiefstpreisphasen nicht jammern und nölen, sondern muss schnell Alternativen aufzeigen", sagte Wolfgang Reimer.

Die Agrarproduktion regulieren und die überschüssigen Mengen zeitweise aus dem Markt herausnehmen - diese Forderung von Wolfgang Reimer hat sich auch der BDM schon längst auf seine Fahnen geschrieben.

Der Bundesvorsitzende Romuald Schaber gab sich in der "Hofburg" allerdings keinen Illusionen hin: "Anreize dafür, bei drohenden Krisen auf dem Milchmarkt vorübergehend die Milchproduktion deutlich zu drosseln, müssen von Brüssel ausgehen. Appelle an die Erzeuger, dies auf freiwilliger Basis zu tun, genügen nicht, das muss organisiert werden - und alle Fäden hierfür müssen bei der EU zusammenlaufen."

Romuald Schaber (er bewirtschaftet in Petersthal im Allgäu einen Betrieb mit 40 Kühen) befürchtet, dass erst im Sommer 2016 eine leidliche Besserung bei den Milchpreisen in Sicht ist. Zudem wäre es "fatal, wenn jetzt auch noch der Biomarkt für Milch, auf dem rund 20 Cent mehr für den Liter bezahlt wird, durch viele Umsteiger ebenfalls unter Druck gerät." Allein schon aus diesem Grund "muss auch der Preis für konventionell erzeugte Milch steigen", sagte Schaber.