Abwasser Mikroben machen in der Hitze schlapp

Die Kläranlage in Wiesenbach schaffte es nicht mehr, die Schmutzfracht im Abwasser zu reinigen – und kippte am vergangenen Wochenende um.
Die Kläranlage in Wiesenbach schaffte es nicht mehr, die Schmutzfracht im Abwasser zu reinigen – und kippte am vergangenen Wochenende um. © Foto: Zigan
Blaufelden / Harald Zigan 04.08.2018
Die seit Jahren überlastete Kläranlage in Wiesenbach kippt um: Wasserproben weisen hohe Ammoniumwerte auf.Der Störfall dürfte auch für ein Fischsterben verantwortlich ein.

Schon seit Jahren bereitet die marode Kläranlage im Teilort Wiesenbach dem Rathaus in Blaufelden und den einschlägigen Fachbehörden heftige Kopfschmerzen. In puncto Kapazität hat das Klärwerk schon längst das Ende der Fahnenstange erreicht – und jetzt auch deutlich überschritten: Die ohnehin überlastete Kläranlage erhielt in der regenlosen Gluthitze kein Frischwasser mehr und kippte um.

Die Folge: Eine unbekannte Menge an Abwasser, das nur unzureichend gereinigt war, ergoss sich in den Wiesenbach und löste wohl auch ein Fischsterben aus.

Die biologisch-mechanische Kläranlage in Wiesenbach ist seit 45 Jahren in Betrieb und auf 1000 Einwohnergleichwerte ausgerichtet – eine Kapazität, die heutzutage längst nicht mehr ausreicht. Dass die Kläranlage ein Problem sein könnte, musste am vergangenen Sonntag auch der Pächter von Fischteichen bei Engelhardshausen sehr zu seinem Leidwesen erfahren: 300 Forellen und Saiblinge schwammen kieloben.

300 Fische verendet

Dass die umgekippte Kläranlage für den urplötzlichen Tod der Fische verantwortlich ist, steht noch nicht mit 100-prozentiger Sicherheit fest, dürfte aber sehr wahrscheinlich sein. Der Wiesenbach versickert derzeit wie so oft unterhalb des Kläranlagenablaufs, speist im Untergrund aber womöglich eine Quelle, die wiederum das Frischwasser für die Fischteiche liefert.

Die Wasserproben, die ein Mitarbeiter des Umweltamtes im Landratsamt in Hall am Montag gezogen hat, erhärten jedenfalls diesen Verdacht: Es zeigten sich wie schon zuvor bei der regulären Beprobung durch den Klärwärter hohe Ammoniumwerte – ein Stoff, der für Fische extrem gefährlich ist, wie die Jagstkatastrophe im August 2015 zeigte. Noch am gleichen Tag wurde der Ablauf geschlossen und das Abwasser zu anderen Kläranlagen transportiert.

Zu den Ursachen für die Störung schreibt das Landratsamt in einer Pressemitteilung: „Die Kläranlage Wiesenbach arbeitet an der Auslastungsgrenze. Eine hohe organische Belastung aus dem Gewerbe im Einzugsgebiet, in Kombination mit ungünstigen klimatischen Bedingungen (Trockenheit, hohe Temperaturen), führte zu einer Überlastung der Anlage.“

Tankwagen im Einsatz

Seit Donnerstag ist das Klärwerk wieder in Betrieb und hält nach Angaben des Landratsamtes „alle wasserrechtlich festgesetzten Einleitungsgrenzwerte ein“. Gewerbliches Abwasser werde derzeit noch abgefahren. Betroffen ist auch die Firma Bosch Tiernahrung in Wiesenbach: „Wir bringen das Abwasser aus der Produktion mit einem Tankwagen zur Kläranlage in Hall“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Heim dem HT. Die Firma hat im Vorjahr einen separaten Abwasserkanal zum Vorfluter der Kläranlage legen lassen, um üble Gerüche aus der Kanalisation in der Ort­schaft zu mindern.

Das gewerbliche Abwasser von Bosch wird mit einem Fettabscheider vorbehandelt, demnächst sollen auch noch Siebe eingesetzt werden. Wolfgang Heim ist sich bewusst, dass die Kläranlage auch für die Firma mit mittlerweile 450 Mitarbeitern ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat – und befürwortet deshalb den Plan der Kommune, das Abwasser möglichst bald über eine Druckleitung in die Kläranlage nach Blaufelden zu leiten und den maroden „Veteranen“ in Wiesenbach stillzulegen.

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