Auto Mein neues Auto

Oliver Bauer ist Redaktionsleiter der Tauber-Zeitung in Bad Mergentheim. Archivfoto
Oliver Bauer ist Redaktionsleiter der Tauber-Zeitung in Bad Mergentheim. Archivfoto
Bad Mergentheim / OLIVER BAUER 27.03.2013
Der Zauber des Neuen wohnt vielen Dingen inne - auch ganz profanen, wie dem Auto. Der ganz eigene Geruch des Kunststoffs, blitzsaubere Ecken und Winkelchen im Innenraum (in denen sich schon nach wenigen Tagen unweigerlich Steinchen, Haare und Krümel sammeln, die sich weder mit dem Sauger, gelenkigen Schlangenmenschen oder chinesischen Essstäbchen herausangeln lassen) und und und.

Ja, einmal sollte es so ein Auto sein. Nicht eins, das schon Tausende auf dem Buckel hatte. Einmal sollte es eins nur für mich sein: Nach den eigenen Wünschen zusammengestellt, tapfer mit dem Autohaus um jeden Cent (damals noch Pfennig) Rabatt gerungen und dann ein Vierteljahr länger gewartet als vereinbart.

Dafür aber gab es keine Kompromisse: Wunschfarbe und Klimaanlage statt Fensterkurbel und Albtraumgelb und so weiter. Geradezu einem Staatsakt kam die Fahrzeugübergabe gleich. Erklärungen über Erklärungen, die rechts rein und links gleich wieder raus huschten, ein Strauß Blumen und höchstens ein Sprudelglas Kraftstoff im Tank - so begann eine lange Liaison mit Freud und Leid. Ich freute mich über ein auf dem Parkplatz gehörtes Zwiegespräch "das ist doch der neue Soundso" und drückte aus ein paar Metern Entfernung auf die Fernbedienung, was mein Autochen mit einem kurzen Hupen quittierte und die beiden schauenden Herren kurz aufschreckte.

Jeden Samstag (spätestens) gings zur Wagenwäsche. Ich litt regelrecht persönlich, als ein neidvoller Zeitgenosse mit einem "spitzen Gegenstand" seine Duftmarke auf die Motorhaube kratzte. Ich habs verschmerzt, denn irgendwann normalisierte sich das Verhältnis und als Linksabbieger übersah ich alsbald einmal den Gegenverkehr, da war die Motorhaube eh fällig. Treu rollte mich das Auto umgerechnet mehr als fünfmal um den Globus, rund 18 000 Liter Benzin hat es dafür geschluckt. Mit mehreren Tausend Stunden war mir der Platz am Lenkrad so vertraut wies heimische Wohnzimmer, ehe sich unsere Wege nach mehr als 13 Jahren trennten. Mit Wehmut.