Bildung Mehr Raum für Entfaltung

„Ein Traum wird Wirklichkeit. Wir bauen eine neue Schule“: Michael Selig und Eika Bindgen gehören zum Projektteam.
„Ein Traum wird Wirklichkeit. Wir bauen eine neue Schule“: Michael Selig und Eika Bindgen gehören zum Projektteam. © Foto: xx
Kreßberg / Jens Sitarek 15.03.2018

Im November 2013 eröffnete in Tempelhof in der Gemeinde Kreßberg die Schule für freie Entfaltung, eine staatlich genehmigte, private Grund- und Werkrealschule. „Unser Schulkonzept orientiert sich am natürlichen Lernen von Kindern, die gar nicht anders können, als ihr Potenzial in der Auseinandersetzung mit der Umwelt zu entwickeln, wenn sie darin nicht gestört oder manipuliert werden“, so steht es im Programm, und weiter: „Für die Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf.“

Anfangs waren es 24 Schüler auf 120 Quadratmetern, seitdem wächst deren Zahl stetig. Mittlerweile sind es 62, ein Drittel kommt aus dem Umland. Das Dorf Tempelhof hat rund 150 Einwohner. Jetzt ist kein Platz mehr für Schüler, dabei sollen es mehr werden. Von 80 in den nächsten Jahren ist die Rede. „Es ziehen sogar Familien wegen der Schule in den Speckgürtel von Tempelhof“, sagt Eika Bindgen vom Schulträger, dem Verein Schloss Tempelhof.

Um dem Bedarf gerecht zu werden, baut die Gemeinschaft für ihre Schule die Turnhalle und die Kantine des Dorfes um. Weil auch das noch nicht reicht, gibt es nebenan einen zweigeschossigen Neubau. Das bisherige Raum­angebot wird fast verdoppelt. Es wird eine Schule für alle Kinder, Barrierefreiheit ist selbstverständlich.

Die Entscheidung für die Schule und den Standort wurde im Dorfplenum getroffen. Sie fiel nicht allen leicht, wurde am Ende aber von allen getragen. Eika Bindgen spricht von einem „Prozess“.

„Ein Traum wird Wirklichkeit. Wir bauen eine neue Schule“, heißt es in dem Video, mit dem die Schule auf ihrer Homepage um private Spenden und Darlehen wirbt, und am Ende dann: „Wir bauen für die Zukunft unserer Kinder. Wir bauen auf Sie!“

„Wir bauen für die Zukunft“

In dem Video fassen sich die Schüler an den Händen. Die Drohne steigt nach oben und man sieht, dass die Schüler genau da stehen, wo einmal die neue Schule stehen wird. Das Grundstück und das Gebäude mit Kantine und Turnhalle kaufte der Verein für 818 000 Euro gemäß Erbbaurecht. Für Umbau und Neubau sind weitere 2,1 Millionen Euro eingeplant. Baubeginn ist April, Fertigstellung im Herbst/Winter, wenn alles gutgeht.

Das Land fördert das Projekt mit 830 000 Euro. Aber auch kleine Summen tragen zum großen Ganzen bei: Ein Benefizkonzert des Hohenloher Streichquartetts Ende Januar in Tempelhof spielte 1000 Euro ein.

Für Michael Selig, der neben Eika Bindgen, Stefan Mothes, Axel Schumacher und Bernd Pulling zum Projektteam für den Schulneubau gehört, entsteht „der optimale Platz für Kinder, wo sie sich ausbreiten können – sowohl drinnen als auch draußen“. Wunderschön sei der Blick den Hang hoch in den Wald, findet Selig, „das tut was mit den Kindern“.

„Wo hört die Schule auf?“

„Es tut den Schülern gut, mehr Raum zu haben“, so sagt es Eika Bindgen. Mehr Raum für Entfaltung, im doppelten Wortsinn. „Wir müssen aktiv Plätze schaffen für junge Menschen“, findet sie. Und die Räume könnten ja am Nachmittag und am Abend auch vom Dorf genutzt werden.

Bei Michael Selig heißt das „Synergieeffekte“. Wo hört die Schule auf?, fragt er sich. Wo fängt die Erwachsenenbildung an? Er sieht da „fließende Übergänge“, und was ganz wichtig ist: Man müsse sich das Seminarhaus hinzudenken. Es steht übrigens gleich nebenan.

Seminarhaus plus Schule: Michael Selig spricht von Campus, und die Begeisterung spricht in seiner Stimme mit. Das Ganze sei „einzigartig in ein Dorf eingebettet. Die Dynamik ist irre.“ Und die Idee dahinter: lebenslanges Lernen.

Die Idee übrigens, an dieser wunderschönen Stelle in Tempelhof etwas zu bauen, sei nicht neu, sagt Eika Bindgen noch. Die Diakonie habe in den 1970er-Jahren dort, wo jetzt die neue Schule hinkommt, mal einen Kindergarten geplant.