Wolpertshausen Medienpreis: Friedrich Braun hält Erinnerung an Männer von Brettheim wach

Der ehemalige Ortsvorsteher Friedrich Braun ist der geistige Vater der Erinnerungsstätte für die Männer von Brettheim. Foto: Andreas Harthan
Der ehemalige Ortsvorsteher Friedrich Braun ist der geistige Vater der Erinnerungsstätte für die Männer von Brettheim. Foto: Andreas Harthan
Wolpertshausen / ANDREAS HARTHAN 21.05.2015
Es ist eine Herzenssache", sagt der 84-jährige Friedrich Braun, wenn man ihn fragt, aus welchen Quellen sich sein jahrzehntelanges und bis heute anhaltendes Engagement für die Erinnerungsstätte für die Männer von Brettheim speist.

Es ist eine Herzenssache", sagt der 84-jährige Friedrich Braun, wenn man ihn fragt, aus welchen Quellen sich sein jahrzehntelanges und bis heute anhaltendes Engagement für die Erinnerungsstätte für die Männer von Brettheim speist. Friedrich Braun ist der geistige Vater der Erinnerungsstätte im ehemaligen Brettheimer Schulhaus, der Einrichtung also, die dafür sorgt, dass das Verbrechen vom 10. April 1945 nicht in Vergessenheit gerät.

In den letzten Wochen des letzten Kriegsjahres ist im deutschen Südwesten viel Unmenschliches geschehen. Obwohl der Krieg längst verloren war, gaben die Nazis Durchhalteparolen aus und schreckten bei deren Durchsetzung auch nicht davor zurück, den Terror ins eigene Volk zu tragen - etwa in Brettheim.

Dort werden am 7. April 1945 vier Hitlerjungen mit Panzerfäusten gesichtet. Bauer Friedrich Hanselmann und andere Dorfbewohner entwaffnen die Jugendlichen und jagen sie weg. Die Brettheimer wollen so Unheil von ihrem Ort abwenden. Doch aus diesem Akt der Zivilcourage entwickelt sich eine Tragödie, die drei Tage später als Katastrophe endet. An diesem Tag baumeln drei Leichen an den beiden mächtigen Linden vor dem Friedhof.

Was war geschehen? Die SS erfährt von dem Vorfall und setzt alles daran, ein abschreckendes Exempel zu statuieren. SS-Standgerichte verurteilen nicht nur den Bauern Hanselmann, sondern auch gleich noch Bürgermeister Leonhard Gackstatter und den NSDAP-Ortsgruppenleiter und Hauptlehrer Leonhard Wolfmeyer.

Was hatten Gackstatter und Wolfmeyer angestellt? Sie haben sich geweigert, das Todesurteil gegen Bauer Hanselmann zu unterschreiben. Sie haben auf ihr Gewissen gehört. Sie mussten ihre Standhaftigkeit mit ihrem Leben bezahlen, sie wurden zusammen mit Hanselmann am 10. April erhängt. Alle drei waren Familienväter, hatten jeweils mehrere Kinder. Es waren 15-jährige Hitlerjungen, die die Todesurteile vollstreckten.

Friedrich Braun konnte den Männern von Brettheim nicht helfen, er kam erst 1948 durch Heirat in das Dorf. Als er von den Hinrichtungen drei Jahre zuvor erfuhr, war er zutiefst betroffen. "Es ist großes Unrecht geschehen damals", sagt er und dieses Unrecht treibt ihn bis ins hohe Alter um. Rund 50 000 Menschen haben mittlerweile die Erinnerungsstätte besucht und Friedrich Braun lässt es sich bis heute nicht nehmen, Führungen zu machen. Er ist der Garant dafür, dass die Männer von Brettheim nicht vergessen werden.
 

Die Medienpreise

Die Redaktionen der Tageszeitungen im Kreis Hall - Haller Tagblatt, Hohenloher Tagblatt und Rundschau Gaildorf - zeichnen 2015 drei Persönlichkeiten aus der Region mit Medienpreisen aus. Gestern ging die 17. Festveranstaltung über die Bühne - beim Empfang der Wirtschaft in Wolpertshausen, den die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises organisiert. Als Preisträger wählen die Redaktionen engagierte Menschen aus, die ihnen in ihrer journalistischen Arbeit auffallen, die Mut beweisen, Besonderes geleistet haben oder auf ein bemerkenswertes Lebenswerk zurückblicken. Auf dieser Seite lesen Sie die Zusammenfassungen der Laudationes, die Dr. Marcus Haas (Haller Tagblatt), Andreas Harthan (Hohenloher Tagblatt) und Klaus Michael Oßwald (Rundschau Gaildorf) gehalten haben.