SPD-Abgeordneter schreibt an Minister Masterplan für die Murrbahn

Landkreis / KARSTEN DYBA 17.02.2012
Ein Masterplan für die Murrbahn muss her - das fordert der Haller SPD-Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou. Die neue Landesregierung müsse ein Zeichen setzen, schrieb er dem grünen Verkehrsminister.

Schlecht beheizte Uraltwaggons, deren Türen sich nicht öffnen lassen, schmuddelige Bahnhöfe, deren Toiletten verrammelt sind: Die Murrbahn ist "ein Daueranliegen". Daran erinnert Sakellariou nun den grünen Verkehrsminister Winfried Hermann. Die Murrbahn führe ein Schattendasein, "und wird, seit ich die Strecke nutze, immer wieder bei den Planungen übersehen". Doch auch unter der neuen Landesregierung scheint sich wenig zu rühren. Der Opposition passt das ins Bild von einer Regierung der Städter, die das Land nicht im Blick habe. Der Crailsheimer CDU-Abgeordnete Helmut Rüeck, der diese Meinung vertritt, war gestern nicht erreichbar. Und der FDP-Abgeordnete Friedrich Bullinger aus Rot am See klagt, zehn Jahre lang hätten SPD und Grüne in der Opposition erklärt, was alles falsch gemacht werde. Nun sind sie an der Regierung, und "jetzt ist Funkstille". Doch er habe immer noch Hoffnung, "dass den Sprüchen der Grünen endlich auch die Taten folgen."

Dabei hatten Grüne und Rote doch stets mehr Bahnverkehr im Land gewünscht. "Das ist unser gemeinsames Wahlversprechen", bestätigt Sakellariou. Dass sich auf der Murrbahn nichts tut, scheint ihn zu beunruhigen. Man müsse nun liefern, schreibt er dem grünen Verkehrsminister: "Wir müssen als neue Landesregierung gerade hier ein Zeichen setzen!" Doch bei seinem Besuch in Schwäbisch Hall vor der Volksabstimmung über Stuttgart 21 hatte Hermann immer wieder betont, dass er im Gegensatz zur Vorgängerregierung nichts mehr versprechen wolle.

Sakellariou ficht das nicht an. Jetzt, wo Stuttgart 21 entschieden sei, müsse man sich wieder um regionale Projekte kümmern. Er regt Verhandlungen mit der Nahverkehrsgesellschaft an, um zum nächsten Fahrplanwechsel Verbesserungen zu erreichen. In einen Masterplan sollten aber auch die Verbindungen nach Öhringen und Künzselsau, die Elektrifizierung der Hohenlohebahn und die Reaktivierung des Sulzdorfer Bahnhofs einbezogen werden.

Die Bahn verschanzte sich bisher hinter dem Verkehrsvertrag mit der Nahverkehrsgesellschaft des Landes, der erst 2016 ausläuft. Erst wenn es sicher sei, dass sie bei einer erneuten Ausschreibung die Strecke bedienen dürfe, könne sie in neue Züge investieren. Eine Zeitlang schien es so, als komme Bewegung in die Sache. Die alte CDU-geführte Regierung hatte geprüft, ob eine außerordentliche Vergabe für die Zeit des Stuttgarter Bahnhofsumbaus möglich wäre.

Davon ist nun keine Rede mehr. Nach der neuen Rechtslage sind solche Direktvergaben nicht mehr so leicht möglich. In Nordrhein-Westfalen seien Mitbewerber erfolgreich dagegen vorgegangen, berichtet Sakellariou. Er befürchtet nun, dass sich bis 2016 auf der Murrbahn gar nichts tut. "Das wäre die schlechteste Botschaft für die Region."

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