Das Unheil kündigte sich nach dem Brand in der Nacht zum Sonntag bei Sonnenaufgang an: Ein Kirchberger Feuerwehrmann, der sich auch als Gewässerwart engagiert, entdeckte unweit der Mühle tote Fische.

Stunde um Stunde breitete sich das Fischsterben weiter aus. Am Sonntag dümpelten zahllose Kadaver an der Kläranlage in Kirchberg und gestern Vormittag wütete der Fischtod schon in Diembot. Am Nachmittag machte sich die Schadstoffe-Fahne bereits in Elpershofen bemerkbar. Dort war am Montag die Gerabronner Feuerwehr im Einsatz. Sie pumpte das Flusswasser am Wehr um und belüftete es mit einem Kompressor, um die Belastung der Jagst zu verringern.

Sämtliche Fische sind verendet

Von einer "ökologischen Katastrophe ersten Ranges" spricht Bruno Fischer, Vorsitzender der Kirchberger Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) und selbst ein passionierter Angler: "Die Jagst in diesem Abschnitt ist vollkommen tot, sämtliche Fische sind verendet, auch die Jungtiere." Es werde wohl Jahre dauern, "bis hier wieder der ursprüngliche Zustand herrscht."

Geschockt von dem Fischsterben war auch Hans-Hermann Maunz, Vorsitzender des Fischereivereins Kirchberg: "Unsere Mitglieder und weitere Helfer haben schon jetzt tonnenweise tote Fische aus der Jagst geholt und in Containern gesammelt." Der Kirchberger Angelverein will zudem einen Experten des Landesfischereiverbandes einschalten, der den Schaden begutachten soll.

Verseuchtes Löschwasser sickert in die Jagst

Der Stoff, aus dem die Alpträume der Angler sind, lagerte als Düngemittel in der Lobenhausener Mühle. Obwohl die Feuerwehr das Löschwasser aus einem für solche Fälle gesetzlich vorgeschriebenen Rückhaltebecken auf dem Mühlengelände abpumpte und einen Überlauf in den Mühlkanal verschloss, sickerte das verseuchte Löschwasser auf noch unbekannten Wegen durch einen Damm in den Mühlkanal und weiter in die Jagst.

Das für Fische ab einer Konzentration von 0,5 bis ein Milligramm je Liter tödlich wirkende Ammoniumnitrat überstieg im Mühlkanal bis zu 200-fach den kritischen Wert, wie eine Messung des Landratsamtes ergab. Der Stoff bindet den Sauerstoff im Wasser, die Tiere ersticken.

Auf Geheiß von Michael Knaus, Erster Landesbeamter im Landratsamt, wurde der Mühlkanal von der Jagst getrennt und das Rückhaltebecken in der Mühle noch am Sonntag leergepumpt, um weitere Einsickerungen zu vermeiden.

Die flussabwärts liegenden Kommunen und Landkreise informierte die Behörde in Hall bereits am Sonntag über das Fischsterben. Auch in diesem Fall ermittelt die Polizei, die derzeit in Sachen Brandursache noch keine Erkenntnisse hat.