Die Musik als Herzenssache hat Martin Schirrmeister bereits als Kind mit auf den Weg bekommen. Sowohl sein Vater als auch die Mutter waren engagierte Musiker, die ihre Talente nach 1950 auf der Ilshofener Ebene entfalteten und Oberaspach zu einem "musikalischen Dorf" machten, sei es als Pädagoge, Gambenspielerin, Organist oder Chorleiter.

In eben jene Fußstapfen trat auch Martin Schirrmeister, der 1956 als eines von fünf musikalischen Kindern geboren wurde. Bereits während seines Studiums in Stuttgart und Basel (Schulmusik und Gambe) gründete er den Jugendchor Oberaspach, aus dem der Kammerchor hervorging. Zeitgleich übernahm er ebenfalls die Leitung des Kammerchores Bruchsal. Wenn er an den Anfang des Kammerchors Oberaspach zurückdenkt, kommt ihm die damalige jugendliche Spontaneität in den Sinn: "Ohne Wissen über die Zusammensetzung des Chores habe ich ein Programm zusammengestellt - zwei Bach-Kantaten -, und schon vor der ersten Probe den Konzerttermin festgelegt."

Auch nach Beginn seiner Berufstätigkeit als Leiter der Jugendmusikschule Bad Schönborn und Gambist in verschiedenen Ensembles setzte er die Chorarbeit kontinuierlich fort und baute beide Kammerchöre weiter auf. Obwohl ihm die Gegend um Bruchsal längst zur zweiten Heimat geworden ist, pflegt er den Kontakt nach Hohenlohe: "Hier liegen meine Wurzeln, sowohl persönlich als auch musikalisch. Noch heute habe ich eine enge Bindung zu Oberaspach."

"Ein Chor ist für mich wie eine Orgel"

Neben bekannten Werken der Chorliteratur suchte Schirrmeister immer wieder nahezu unbekannte oder selten aufgeführte Werke aus, von denen einige bis heute noch nicht verlegt sind. Dabei ist es ihm besonders wichtig, die Interpretation an der Aufführungspraxis der jeweiligen Stilepoche zu orientieren und dieser möglichst nahezukommen.

Die erarbeitete Bandbreite des Kammerchors Oberaspach ist groß und reicht von den sängerisch anspruchsvollen Werken Bachs (Johannespassion, h-moll-Messe, Magnificat, Motetten) und Zelenkas über Kompositionen von Strawinsky und Distler bis in die Neuzeit - wobei auch selbst ein schlichtes Abendlied die gleich hohe, gestalterische Intensität erfährt. "Ein Chor ist für mich wie eine Orgel: Man hat die Möglichkeit, einzelne Register zu ziehen, die alle einen eigenen Klangcharakter haben", erklärt Schirrmeister.

Konzertreisen führten den Kammerchor ins In- und Ausland: so etwa - gleich nach Öffnung der innerdeutschen Grenzen - in die sächsische Heimat seines Vaters Friedrich Schirrmeister bei Torgau oder nach Wolfsburg, ferner nach Göteborg, St. Petersburg und jüngst nach Lothringen.

Ein ganz besonderes Anliegen Martin Schirrmeisters sind die Diktion und Artikulation seiner Sängerinnen und Sänger. Wer Chor und Dirigenten einmal beim Einsingen vor einem Konzert beobachtete, konnte ein Stück weit die enorme Präzision dieser Übungen kennenlernen und im darauf folgenden Konzert das äußerst positive Ergebnis dieser mühevollen Detailarbeit erfahren.

Mit einem "Opus Magnum", nämlich der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, verabschiedet sich der Chorleiter Martin Schirrmeister nun nach über 30 Jahren ununterbrochenen Wirkens sowohl vom Kammerchor Oberaspach als auch vom Kammerchor Bruchsal. Die Entscheidung traf er nach langer Überlegung: "30 Jahre sind genug. Ich möchte die Chöre in schöner Erinnerung behalten." Trotzdem falle ihm der Abschied nicht leicht, weil teils wunderbare Freundschaften entstanden sind. Künftig möchte er mehr Zeit für die Familie und für Soziales haben. Er kann sich vorstellen, sich auch musikalisch um Flüchtlinge zu kümmern. Beide Chöre haben ihrem Chorleiter viel zu danken, vor allem dafür, dass er die Chorarbeit stets zur Herzenssache machte. Der junge Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb einmal an seine Schwester Fanny: "Unsere Zwecke müssen wir uns vom Herzen, die Mittel, sie zu erreichen, vom Verstande geben lassen."

Info Unter Schirrmeisters Leitung führen die Kammerchöre Oberaspach und Bruchsal mit dem Karlsruher Barockorchester sowie Vokalsolisten Bachs Matthäuspassion auf: am Samstag, 12. März, um 19 Uhr in der evangelischen Stadtkirche Ellwangen. Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse. Eine weitere Aufführung ist am Sonntag, 13. März, um 17 Uhr in der Lutherkirche in Bruchsal.

www.kammerchor-oberaspach.de

 

Zur Person

Martin Schirrmeister wurde im Februar 1956 in Hall geboren. Aufgewachsen ist er mit vier Geschwistern in Oberaspach. Sein Studium (Schulmusik und Gambe) absolvierte er in Stuttgart und Basel. Aus dem von ihm gegründeten Jugendchor Oberaspach ging 1985 der Kammerchor Oberaspach hervor. 1988 wurde er Zweigstellenleiter der Jugendmusikschule Bruchsal, 1992 dann Leiter der eigenständigen Musikschule Mehrklang Bad Schönborn. Schirrmeister hat drei Kinder, ist verheiratet und hat ein Enkelkind.