Rosengarten/Hall Manuela Kümmerer aus Westheim tritt heute in Hall ihre erste Lehrerstelle an

Manuela Kümmerer steht in ihrem frisch bezogenen Arbeitszimmer in ihrer Westheimer Wohnung. Sie packt Mathebuch sowie Literatur für Religions- und Naturwissenschaften in ihre Tasche. Foto: Ufuk Arslan
Manuela Kümmerer steht in ihrem frisch bezogenen Arbeitszimmer in ihrer Westheimer Wohnung. Sie packt Mathebuch sowie Literatur für Religions- und Naturwissenschaften in ihre Tasche. Foto: Ufuk Arslan
Rosengarten/Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 09.09.2013
120 neue Schüler erwarten die 26-Jährige, die frisch vom Referendariat ihre erste Anstellung an der Leonhard-Kern-Realschule beginnt. "Das Namenlernen wird eine echte Herausforderung werden", meint sie.

Vom Schreibtisch ihrer Wohnung in Westheim sieht man grüne Hohenloher Hügellandschaften. Neben dem Arbeitsplatz von Manuela Kümmerer stehen zwei lustige Blumentopfmännchen. "Ein Geschenk meines Bruders", sagt die 26-Jährige, "damit es nicht immer so ernst ist in meinem Arbeitszimmer".

Vor drei Wochen erst ist sie von Göppingen nach Westheim gezogen. Dort war sie eineinhalb Jahre im Referendariat. Zusammen mit ihrem Mann, auch Lehrer, kommt sie nun wieder in die Heimat zurück.

"Es ist gar nicht so einfach, als Lehrer eine Anstellung zu finden. Es herrscht zwar Lehrermangel, aber nur 40 Prozent der Absolventen werden eingestellt", sagt die Lehrerin für Mathe, Religion und Naturwissenschaftliches Arbeiten. Mit ihren Fächern hat sie es gut getroffen. "Gerade Physiklehrer werden immer gesucht."

Einen Tag vor Schulbeginn ist sie natürlich aufgeregt. "Ich werde an dem Tag nichts machen, was mit Schule zu tun hat, sondern mich meinem Mann und meiner Familie widmen", hat sie beschlossen. Sie freut sich auf ihre Klasse und ihre neuen Aufgaben als Klassenlehrerin. Das ist neu: Planen der Klassenfahrten und Organisationsaufgaben, Elternarbeit und das Erstellen von Verbalbeurteilungen kommt in ihrem Berufsleben hinzu.

Im Referendariat ist man ein halbes Jahr lang immer mit seinem Mentor zusammen. Man assistiert seinem Unterricht und wird bei eigenen Stunden von ihm betreut. Danach unterrichtet man ein Jahr lang alleine, wird aber hin und wieder vom Mentor besucht.

Im Studium lerne man eine Menge, an praktischer Pädagogik aber mangele es. "Schulmanagement würde das Fach heißen, dass es leider nicht gibt." Man müsse lernen wie man eine Atmosphäre schafft, in der man sich selber und in der sich die Schüler wohl fühlen. Während der Praktika neben dem Studium sei man zwar im Unterricht, aber das sei kein Vergleich zum tatsächlichen Unterrichten.

Zum Lehrersein gehört nicht nur der Unterricht. 28 Stunden wird Manuela Kümmerer vor der Klasse stehen. "Und zu jeder Stunde gehören noch mindestens 45 Minuten Vorbereitungszeit." Daheim im Arbeitszimmer findet der kreative Teil statt, "im Unterricht dann kommt die Kür." Schwierig sei beim Unterrichten, die Schüler bei der Stange zu halten. Sich konzentrieren falle den Schülern heute schwer.

In Göppingen hat sie ihre Schüler einmal gefragt, wie deren Tag so aussähe. "Sie stehen um 5 Uhr auf, spielen Computer, kurzes Frühstück, Schule, daheim wieder Computer und um 23 Uhr machen sie Hausaufgaben." Mathematik biete da einfach nicht so viel Animation für die Playstation-Kinder. Manuela Kümmerer hofft, dass es in Hall, wo es doch ländlicher ist als in Göppingen, anders sein wird. Dass die Kinder mehr draußen und weniger Zeit vor dem Computer verbringen.

Ein Eintrag in ein altes Steckbriefbuch beweist, dass Lehrerin Kümmerers Wunschberuf war. "Das kam wohl vor allem daher, dass mein Vater Lehrer war." Im Teenageralter verlor sich dieser Berufswunsch. Aber dann kam die Jugendarbeit in der Kirche, erst in Westheim und dann im EC, einem Jugendverband der Landeskirche in Michelfeld, hinzu. Kinderkirche mitzugestalten und Bibelstunden mit Jugendlichen zu halten, ließen den alten Berufswunsch erneut erwachen. Sie beschloss, Religionslehrerin zu werden. "Mathe kam dann als zweites Fach hinzu." Mathe und Religion, zwei gegensätzliche Fächer? "Es heißt, Mathe erkläre die Welt", zitiert die Lehrerin, "und Religion tut das auch. Beide Fächer haben ihre eigene Sichtweise auf ein und dieselbe Sache - die Welt."

Zur Person vom 9. September 2013
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