Mathias Schlumberger, Hartmut Köberer und ihren Landwirtskollegen reicht’s. „Für alles in der Umwelt werden wir verantwortlich gemacht“, regt sich Köberer auf. Gleichzeitig gebe es immer neue Vorschriften und Forderungen, die sie bei ihrer Arbeit einschränkten.

Mit dem großen Feuer, das am Samstagabend bei Schrozberg am Kreisverkehr Richtung Rothenburg flackert, wollen sie auf ihr Dilemma aufmerksam machen, die Bevölkerung und damit die Konsumenten ihrer Produkte informieren. Schon beim letzten Mahnfeuer in Gerabronn waren Landwirte und deren Familien mit über 50 Bulldogs dabei – diesmal sind es noch mehr Traktoren, die mit eingeschalteten Scheinwerfern rund um die Flammen stehen. „Auch einige Interessierte, die nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben, sind heute gekommen“, so Schlumberger. Die Landwirte freut es, dass sie immer mehr Unterstützer finden – und dass viele Leute bei der Aktion an sie herantreten, um mehr zu erfahren.

Mahnfeuer in Schwäbisch Hall Bauern sehen sich am Pranger

Schwäbisch Hall

Sie hören in den Reden, dass die Bauern vor allem auf Politiker sauer sind. Die seien es nämlich, die immer stärkere Beschränkungen erließen. Oft handle es sich dabei um Vorschriften, die hiesige Landwirte gegenüber der Konkurrenz im Ausland deutlich benachteiligten. Als Beispiel nennt Schlumberger den Vorwurf, die Bauern seien für den hohen Nitratgehalt des Grundwassers verantwortlich, den es in anderen Ländern so nicht gebe.

Das Beispiel Nitrat

„Deutschland hat aber er auch nur die Messstellen gemeldet, die einen erhöhten Nitratgehalt aufweisen“, so der Landwirt. So sei in der Europäischen Union der Eindruck entstanden, in Deutschland sei jegliches Wasser stark belastet. „Andere haben 50 oder 60 Messstationen auf derselben Fläche, auf der es in Deutschland nur zwei gibt und melden auch die Werte aller Stationen weiter. Das gibt schon ein ganz anderes Bild“, meint Schlumberger.

Auffällig sei auch, dass der Nitratgehalt im Norden Deutschlands höher sei, man in Hohenlohe dieses Problem nicht habe. „Und hier wird genauso gewirtschaftet. An der Landwirtschaft kann’s also nicht liegen“, sagt er. Die Politik reagiere derweil mit Vorschriften. Das sei nur ein Beispiel von vielen.

Mahnfeuer der Bauern

Landwirtschaft Mahnfeuer der Bauern

Auch die Bevölkerung und Verbraucher stellten immer mehr Forderungen. „Es geht alles. Wir können auch nur Blumenwiesen pflegen“, gibt sich Schlumberger offen. Aber dann müsse man darüber reden, wie sich das finanziere. Denn ein Landwirt müsse weiter von seinem Job eine Familie ernähren können. Was viele bei der Diskussion nicht sähen: Die deutschen Landwirte brächten qualitativ hochwertige Produkte auf den Tisch.

„Wenn eines Tages hinten kein Laster damit mehr in den Supermarkt hineinfährt, dann kann man vorne auch nichts mehr heraustragen“, wird er deutlich. Wenn es so gewollt sei, dass Bauern hierzulande aufhörten und ihr von Generation zu Generation weitergegebenes Fachwissen verloren gehe, werde man eines Tages sehen, wie stark man abhängig vom Ausland sei.

Landwirte werfen Politikern Praxisferne vor

Und dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird: Schlumberger ist selbst nach Argentinien gereist, hat dort einen Hof gesehen, der Weiderind nach Europa liefere. „Das sind dort Mastbetriebe, auf denen die Tiere auf purem Boden stehen“, schildert er sein Erlebnis. In Deutschland würden solche Verkaufsstrategien überwacht und bei Zuwiderhandlung bestraft. Im konkurrierenden Ausland gebe es Kontrollen nicht oder nur eingeschränkt – beziehungsweise schon gleich die Vorschriften nicht, die deutsche Bauern erfüllen müssten.

Das sähen Politiker in Berlin aber meist nicht. „Es sind Berufspolitiker. Die Praxis fehlt“, meint Köberer. Selbst den selbsternannten Beratungsfirmen, die bei Entscheidungen und für Untersuchungen eingeschaltet werden, fehle es allzu oft an fundamentalem Wissen im Bereich Landwirtschaft.

Nicht nur in Schrozberg wird an diesem Samstagabend demonstriert, sondern unter anderem auch in Rot am See und auf dem Einkorn. Deutschlandweit sind 6000 Feuer angekündigt gewesen.