Kunst Magnifico: Crailsheim al lago

Crailsheim / ANDREAS HARTHAN 22.07.2013
Sie verzaubern uns immer wieder, die Männer und Frauen um Katrina und Moritz Keppler. Sie sorgen nicht nur seit fünf Jahren für Wasser im Eisweiher, sondern machen aus der unscheinbaren Wiesen einen Ort der Poesie. In diesem Jahr begeisterte die Installation "Seensucht".

Mitten im See eine Insel aus Sand samt einer (echten) Palme. Am jenseitigen Ufer ein Leuchtturm mit richtigem Drehfeuer. Auf dem See reger "Schiffsverkehr" nach venezianischem Vorbild. Wer vom Trubel in der Stadt genug hatte, konnte sich auch in diesem Jahr an den Eisweiher zurückziehen und die den Augen schmeichelnde Inszenierung genießen - oder, den nötigen Mut vorausgesetzt, eine Floßpartie wagen. Es war ein bisschen wie Urlaub in Oberitalien: See, Insel, Palme, Boote. Crailsheim al lago, oder, bezieht man den Leuchtturm in die italophilen Träumereien mit ein, Crailsheim al mare. Mille grazie!

Die Eisweiher-Truppe hatte auch den Besuch von mehr als 100 "Stadteroberern" organisiert. Diese dreibeinigen Wesen in den unterschiedlichsten Ausformungen und "Bekleidungen", die in vollkommen friedlicher Absicht gekommen waren, überraschten und erfreuten an vielen Stellen in der Stadt. Im Stadtgraben waren sie sogar beleuchtet und sorgten so nach Einbruch der Dunkelheit für ein besonderes Kunsterlebnis (mehr dazu morgen im HT).

Im Rahmen der Kulturwochenenden gibt es immer wieder anregende Aktionen der subversiven Art. Dieses Jahr war es wieder so weit: Schon im Vorfeld der Veranstaltung waren Postkarten in Crailsheim aufgetaucht, die sich mit der Stadthalle befassen. Auf der Vorderseite ist zu lesen: "Wir haben die Absicht, eine Stadthalle in Crailsheim zu errichten! Komm in unser Team!" Auf der Rückseite werden die Absender gefragt, wo die Halle stehen soll, was man ist und was man hat ("Baumaterial übrig", "zwei linke Hände", "Zeit"). Dann wird man aufgefordert, die Karten in den Briefkasten mit der Aufschrift "Stadthallen-Ideenshop" einzuwerfen. Nur: Der war auch während des Kulturwochenendes nicht zu finden. Bleibt ja noch die Möglichkeit, die Karten in das von Oberbürgermeister Michl im städtischen Bürgerbüro deponierte "Schatzkästlein" einzuwerfen. Allerdings droht dann vor dem Hintergrund des jüngsten Gemeinderatsbeschlusses, in Jagstheim eine Halle für mehrere Millionen Euro auf den Weg zu bringen, die Gefahr, dass aus dem "Schatzkästlein" ein Kummerkasten wird. Schließlich müssen in der Innenstadt und auf dem Kreuzberg noch mehr als 10 000 Bürger ohne Halle auskommen.

Wo wir schon den Oberbürgermeister ins Spiel gebracht haben: Der ließ bei der Eröffnung des Kulturwochenendes nicht nur durch seine Gesangseinlage aufhorchen, sondern auch mit einem Vorschlag: Nachdem das Kuwo erwachsen geworden ist, könne ihm doch ein Partner in Form eines "Kabarettwinters" an die Seite gestellt werden. Davon abgesehen, dass in diesem Bereich der Kleinkunst bislang die Kulturinitiative Kultic die Veranstaltungshoheit hat und diese Aufgabenverteilung nicht einfach so über den Haufen geworfen werden sollte, bleibt doch die Frage, ob man Kabarett nicht ins Kulturwochenende einbauen kann. Immerhin war der Poetry-Slam im vergangenen Jahr ja auch gut besucht.