Mainhardt Lurche sind im Landkreis spät dran

Wenn es jetzt wieder mit der Krötenwanderung losgeht, sollten Autofahrer im Landkreis auf der Hut sein und den Fuß vom Gas nehmen. Foto: Ufuk Arslan
Wenn es jetzt wieder mit der Krötenwanderung losgeht, sollten Autofahrer im Landkreis auf der Hut sein und den Fuß vom Gas nehmen. Foto: Ufuk Arslan © Foto: Ufuk Arslan
Mainhardt / SWP 03.04.2013
Damit Amphibien ihre jährliche Wanderung möglichst risikofrei antreten können, sind schon viele Kreuzungspunkte im Landkreis mit Absperrschildern ausgestattet. Doch zurzeit ist es noch zu kalt für Kröten und Co.

Wie fast in jedem Jahr war es Ende Januar ein paar Tage warm und hat kräftig geregnet, sagt Renate Fischer von der Mainhardter Ortsgruppe im Schwäbischen Albverein. "Ich habe vom 29. Januar bis 1. Februar jeden Abend bei Anbruch der Dunkelheit kontrolliert und keine Amphibien gesehen." Später sei dem Verein jedoch berichtet worden, dass am 1. Februar etwa gegen 22 Uhr Grasfrösche auf der Straße gesehen wurden. Vermutlich sei der Grasfrosch schon Ende Januar unterwegs gewesen. "Aber da war ja auch noch gar nicht abgesperrt", berichtet Fischer.

Am 8., 9. und 10. März, als es wärmer wurde, habe der Verein insgesamt 111 Amphibien gesammelt, überwiegend Erdkröten. Seit es wieder kalt ist, laufe jedoch gar nichts. "Wir denken, wenn es jetzt wärmer und vor allem nass wird, werden die Amphibien auf einen Schlag kommen", hofft Fischer.

Willi Ockert, Vorsitzender des Naturschutzbundes in Ilshofen, verlässt sich dabei auf eine Faustregel: "Bei Nachttemperaturen ab fünf Grad plus wandern die Amphibien." Im Moment liegen diese aber noch deutlich drunter. "Genau können wir derzeit nicht sagen, wann es mit der Amphibienwanderung losgeht, aber es muss auf jeden Fall deutlich wärmer werden", sagt Ockert. Wenn es dann jedoch soweit ist, bittet das Landratsamt Hall Autofahrer um Rücksichtnahme.

Mit dem Eimer über die Straße

Von den 21 in Deutschland heimischen Amphibienarten kommen elf im Landkreis Schwäbisch Hall vor. Vor allem Erdkröten und Grasfrösche queren in oft großer Zahl im zeitigen Frühjahr die Straßen. Nicht überall stehen Amphibienleitsysteme als technische Schutzmaßnahmen zur Verfügung. "Vielfach werden mobile Amphibienzäune aufgebaut, um an Schwerpunkten der Krötenwanderung das Kollisionsrisiko zu senken", sagt Kreisökologe André Hohmann. Zu den im Frühjahr wandernden Amphibien gehören neben den Fröschen und Kröten auch die Unken, Molche und Salamander. "Gerade unsere vier Molcharten werden von den Autofahrern nur selten wahrgenommen - sie fallen wegen ihrer geringen Größe kaum auf", verdeutlicht André Hohmann. Nur die ehrenamtlichen Amphibienhelfer, die jedes Jahr unter großem Einsatz die Tiere in Eimern über die Straße tragen, bemerken die große Zahl an Molchen, die zu ihren Laichgewässern wandern. Sehr farbenprächtige Vertreter der Amphibien sind die Gelbbauchunke und der Feuersalamander.

Zu den wahren Raritäten im Landkreis gehört der heute sehr seltene Laubfrosch. Der Anblick eines auf den Stängeln oder Blättern von Pflanzen sitzenden Laubfrosches ist eher der älteren Generation bekannt. Heute ist die Begegnung mit dem kleinen grasgrünen Frosch eine Seltenheit und seine Stillgewässer-Lebensräume bedürfen der Schonung.

Auch in diesem Jahr werden deshalb wieder Schilder und Amphibienzäune an Straßenrändern aufgestellt. Etliche Kreuzungspunkte im Landkreis sind mittlerweile mit festen Leiteinrichtungen und Tunnelsystemen ausgestattet, auch im letzten Jahr konnten weitere Gefahrenpunkte auf diese Weise beseitigt werden.

Die zahlreichen übrigen Kreuzungspunkte müssen jedoch sehr aufwendig betreut werden. Ehrenamtliche Helfergruppen und Naturschutzverbände engagieren sich vor Ort für den Fortbestand der Amphibienpopulationen. Damit den Helfern an kurvenreichen Strecken keine Gefahr droht und die Amphibien bessere Querungschancen haben, wird an den meisten Kreuzungsstrecken die Geschwindigkeit auf 30 km/h reduziert.