Sommerserie: Autobahn 6 Lkw-Maut: Der Rubel rollt wie die Lastwagen

Die Mautkontrollbrücke kurz vor dem Reußenberg-Parkplatz sendet Daten an Toll Collect und an die Streifenwagen des Bundesamtes für Güterverkehr.
Die Mautkontrollbrücke kurz vor dem Reußenberg-Parkplatz sendet Daten an Toll Collect und an die Streifenwagen des Bundesamtes für Güterverkehr. © Foto: Erwin Zoll
Landkreis Hall / Erwin Zoll 08.08.2018
Mit einer komplizierten Technik überwacht Toll Collect, ob für alle Lastwagen die Maut entrichtet wird. An zwei Kontrollbrücken hat das Unternehmen ein Auge auf die Fahrzeuge.

Dass es in früheren Zeiten ein einfaches Geschäft war, eine Maut zu erheben, lässt sich an der Brücke über den Heppach bei Lendsiedel erahnen. Auf dem Weg von Schwäbisch Hall nach Rothenburg hatten Fuhrleute hier ein „kleines Wegegeld“ zu entrichten. Man kann sich einen Beamten der Grafen zu Hohenlohe-Kirchberg vorstellen, der hier für jedes Pferd, das einen schweren Wagen zog, zweieinhalb Kreuzer kassierte, von jedem Reiter einen Kreuzer und für Pferd, Kuh oder Ochs, die getrieben wurden, einen halben Kreuzer. Die Tarife aus dem Jahr 1755 sind noch heute an der Brücke in Stein gemeißelt.

Ganz anders sieht es heute mit der Lastwagenmaut aus, die auf der A 6 wie auf allen deutschen Autobahnen und Bundesstraßen erhoben wird. Seit die Maut vor einem Monat auf die Bundesstraßen ausgedehnt wurde, ist das Netz der gebührenpflichtigen Straße von 12.000 auf 52.000 Kilometer angewachsen. Um die Staatskasse mit der Lkw-Maut zu füllen, ist ein enormer technischer Aufwand erforderlich.

Brücken kontrollieren Lkw elektronisch

Damit sich keine Mautpreller auf den Autobahnen herumtreiben, hat Toll Collect, das Unternehmen, das die Maut im Auftrag des Bundes kassiert, 300 Kontrollbrücken installiert. Auf der A 6 befinden sich zwischen der Anschlussstelle Schwäbisch Hall und dem Kreuz Feuchtwangen-Crailsheim zwei von ihnen. In Fahrtrichtung Nürnberg steht eine Kontrollbrücke kurz nach Schnelldorf vor dem Parkplatz Rothensteig, in der Gegenrichtung ist eine Anlage nach der Anschlussstelle Satteldorf kurz vor dem Reußenberg-Parkplatz bei Triensbach installiert.

Die komplizierte Technik, die auf den Kontrollbrücken eingesetzt wird, dient zwei Zwecken: Zum einen überprüft die Anlage die Daten aus den sogenannten On Board.Units (OBU), mit denen viele Lastwagen ausgestattet sind. Diese Geräte nutzen Satelliten- und Mobilfunktechnik und übermitteln Fahrtstrecke und Fahrzeugdaten an die Rechenzentrale von Toll Collect.

Zum anderen erkennen Lesegeräte auf den Kontrollbrücken die Kennzeichen der Fahrzeuge ohne OBU. Dabei wird überprüft, ob der Fahrer die Fahrzeugdaten an einem Mautterminal eingegeben hat. Ist dies nicht der Fall, schaltet Toll Collect das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) ein, das unter Umständen ein Bußgeld verhängt.

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Das BAG spielt bei der Überwachung der Lkw-Maut eine besondere Rolle. Seine Streifenwagen, die auch zwischen der Kochertalbrücke und der Landesgrenze zu Bayern patrouillieren, sind mit einer ähnlichen Technik wie die Kontrollbrücken ausgestattet. Die Beamten erkennen während der Fahrt, ob für einen Lastwagen Maut entrichtet wird. Sie empfangen zudem Daten von den Kontrollbrücken und können Mautpreller an Ort und Stelle aus dem Verkehr ziehen.

Ob die Grafen und späteren Fürsten zu Hohenlohe-Kirchberg mit dem Wegezoll an der Heppachbrücke ein Vermögen verdient haben, lässt sich nicht ohne Weiteres sagen. Bedenkt man, dass ein Crailsheimer Schulmeister 1722 etwa vier Kreuzer am Tag verdient hat, dnn erscheint eine Maut von einem Kreuzer für einen Reiter jedenfalls nicht als eine Kleinigkeit, zumal die Kirchberger Maut ja nicht die einzige war, die weit und breit erhoben worden wäre.

Maut wird exakt berechnet

Was die Lkw-Maut heutzutage einbringt, steht dagegen auf Euro und Cent fest. Der Wegezoll der Gegenwart hängt nicht nur von der zurückgelegten Strecke ab, sondern auch von der Größe des Fahrzeugs und seiner Schadstoffklasse. Aus diesen Faktoren ergibt sich eine Gebühr von 8,1 bis 21,8 Cent je Kilometer.

2017 betrugen die Einnahmen des Bundes aus der Lkw-Maut rund 4,7 Milliarden Euro. Mit der Ausweitung der Maut auf die Bundesstraßen sollen die Einnahmen auf jährlich 7,2 Milliarden Euro anwachsen.

Dieses Geld müssen auch die heimischen Spediteure aufbringen, und auch das ist keineswegs eine Kleinigkeit. Eines dieser Unternehmen ist die Spedition Keller und Keller in Bergbronn. Wie Stefan Keller, einer der beiden Geschäftsführer, unserer Zeitung erklärte, muss das Unternehmen rund fünf Prozent seines Umsatzes für die Lkw-Maut aufwenden. „Wir können die Kosten der Lkw-Maut nicht selber tragen, sondern müssen sie an die Kunden weitergeben“, sagt Keller.

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