Löwenstein Literarische Straße

Rolf Jeblick, Marion und Herwarth Röttgen (von links). Foto: Guido Sawatzki
Rolf Jeblick, Marion und Herwarth Röttgen (von links). Foto: Guido Sawatzki
Löwenstein / ANGELA GROSS 11.01.2014
Ob Kunstgeschichte oder Apartheid: Löwensteiner Schriftsteller haben schon diverse Bücher veröffentlicht. Die Landschaft regt ihre Fantasie an.

Es sind nur neun Häuser, dafür haben die Menschen der Löwensteiner Straße Seemühle einen wunderschönen See direkt vor ihrer Haustüre, inmitten einer fantastischen Landschaft. Unter den 34 Bewohnern dieser Straße sind drei Autoren.

Marion Hermann-Röttgen und ihr Mann Herwarth (82) haben sich hier einen Traum erfüllt, ein Refugium neben Bad Cannstatt aufgebaut. Sie, eine Hamburgerin, kam als Professorin, Logopädin und Literaturwissenschaftlerin mit viel Leben in Berührung. Er lacht gerne, ist ein passionierter Kunsthistoriker, lebte in Rom und war zuletzt zwei Jahrzehnte Ordinarius am Institut für Kunstgeschichte in Stuttgart. Das Ehepaar kann tief schöpfen, wenn es darum geht, wissenschaftliche Texte zu verfassen, schön bebilderte Kunstbände herauszugeben oder aber Kurzgeschichten zu schreiben.

Dass auch Rolf Jeblick angefangen hat zu schreiben und jetzt mit "Tunakler" die Geschichte eines Besatzungskindes veröffentlicht hat, daran ist das rührige Paar nicht unschuldig. Jeblick hat nicht weniger interessante, aber andere Dinge erlebt. Etwa in seiner Kindheit, als er als Sohn eines französischen Soldaten tunesischer Herkunft bei Pflegeeltern aufwuchs und es immer wieder Prügel setzte. Oder später, als er aus beruflichen Gründen durch ganz Europa und bis nach Südafrika zog, auf Baustellen und Raffinerien arbeitete, wo er hautnah die Apartheid mitbekam. Parkbänke für Weiße und Schwarze, Züge für Weiße und Schwarze: "Ich habe das alles erlebt", sagt er und schüttelt den Kopf. Mit 58 Jahren ging er in den Vorruhestand und machte sich selbstständig. Auf der Suche nach einem schönen Haus wurde er in der Seemühle fündig. Als Nachbarn haben sich Röttgens und Jeblicks sofort verstanden, waren sich sympathisch. Dem 67-Jährigen haben die Stuttgarter immer gerne zugehört. Als Rolf Jeblick den beiden sein Leben erzählte, rieten sie ihm es aufzuschreiben. Er könne es nicht, hat Jeblick geantwortet. Heute sagt er: "Ich habe nicht gewusst, dass mir das liegt."

"Schreiben macht Vergnügen. Man kann sich von sich selbst distanzieren", sagt Marion Röttgen. Ihr Mann Herwarth hat nun den zweiten und dritten Band über Maler Giuseppe Cesari DArpino vorgelegt. "1500 Seiten in seinem Alter", sagt seine Frau lachend und schaut ihn von der Seite an.