Oberrot Literarische Schätze laden zur Reise durch Jahrhunderte

Oberrot / BRIGITTE HOFMANN 14.05.2013
Möbel, Bilder, Puppen, Wäsche - feine Kostbarkeiten aller Art aus vielen Jahrhunderten beherbergt der ehemalige Freie Adelssitz Oberrot. Ganz neu ist die Sammlung literarischer Meisterwerke.

Am Internationalen Museumstag herrschte reger Betrieb in der Rottalstraße 62 in Oberrot. Maria Fassbender, die in diesem Haus geboren und aufgewachsen ist, hat das Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert mit kunstgeschichtlichem Verstand, enormem Kostenaufwand und viel Liebe zu einem wahren Schmuckstück hergerichtet.

2000 Jahre Geschichte mit Schwerpunkt Gesundheit sind hier dokumentiert. Das sogenannte Aesculap-Info-Zentrum hält vielfältige Schriftstücke und Exponate bereit. Die neueste Errungenschaft des Privatmuseums sind kostbare Bücher, literarische Meisterwerke, teils Originale, teils aufbereitet vom früheren Faksimile-Verlag Luzern. Der Rundgang durch das mehrstöckige Gebäude ließ die Besucher nur so staunen.

Maria Fassbender hat verschiedene Quellen im Bekanntenkreis, nutzt aber auch das Internet, um immer wieder an neue Kunst- und Bücherschätze zu gelangen. Kosten und Mühen scheut sie nicht, und notfalls werden ein paar Urlaube gestrichen. "Das ist mein Leben", sagt sie dazu. Und das ist noch längst nicht alles, was die quirrlige Frau so umtreibt.

Sie ist Limes-Cicerone und Gästeführerin an ihrem Wohnort Schwäbisch Gmünd. Sie hegt und pflegt nicht nur das Museum, sondern auch den neu angelegten Kräutergarten hinter dem Gebäude. Außerdem ist sie eine prima Kuchenbäckerin, was die Museumsbesucher sehr zu schätzen wissen. An jedem zweiten Sonntag im Monat zwischen 13 und 17 Uhr ist die Besitzerin für ihre Gäste da und führt sie gern durchs Haus.

"Die schönsten und interessantesten Bücher der Welt" ist die neue Sonderausstellung im ersten Stock überschrieben. Zu den Schätzen zählen beispielsweise die Ernestinische Kurfürstenbibel, eine Widmung für Königin Christine von Schweden mit Weimarer Bibelwerk, gedruckt in Nürnberg, Ernster 1649, im Original. Oder das prächtigste Tierbuch des Mittelalters mit 104 vollendeten Miniaturen, "Das Bestiarium aus Peterborough" (Physiologus), als Faksimile-Originalblätter. Oder das Kräuterbuch von Leonhard Fuchs mit Ziegenledereinband, das Jagdbuch "Die Bedord-Meister" oder das Manesse-Liederhandbuch, das aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Eines der Bücher zeigt über viele Seiten hinweg den gestickten Teppich von Bayeux, der im Original rund 68 Meter lang und um die 50 Zentimeter breit ist. Einige Meter dieses Originals zieren auch ein Stück Wand im Eingangsbereich.

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