Untermünkheim Letzte Telefonzelle verschwindet

Das einzige noch bestehende öffentliche Münztelefon in der Gemeinde Untermünkheim soll abgebaut werden.
Das einzige noch bestehende öffentliche Münztelefon in der Gemeinde Untermünkheim soll abgebaut werden. © Foto: Ufuk Arslan
Untermünkheim / ELISABETH SCHWEIKERT 28.03.2013
Das Ende der Telefonzellen in Untermünkheim ist eingeläutet: Bei acht Ja- und vier Nein-Stimmen votierte der Gemeinderat mehrheitlich für den Abbau der drei öffentlichen Fernsprecheinrichtungen.

Wann das erste Telefon in Untermünkheim installiert wurde, ist nicht bekannt. Wohl aber, wann das erste Telefon in Hall angeschlossen wurde: Die "allgemeine Telephonanstalt" in Schwäbisch Hall im Postgebäude wurde am Dienstag, 20. September 1892 in Betrieb genommen, heißt es in der Broschüre "Das Telefon in Schwäbisch Hall", das vom Hohenloher Freilandmuseum herausgegeben wurde. Zuvor mussten aufwändig Telefonleitungen erstellt werden. Im Haller Tagblatt vom 17. September 1892 heißt es, dass die Sprechversuche zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefallen waren.

Nur wenige Jahre später dürfte auch in Untermünkheim ein Telefon geklingelt haben. Untermünkheim hatte nach Aufforderung durch das Oberamt am 4. Mai 1899 beschlossen, um die Errichtung einer Telegraphenanstalt mit Telefonbetrieb zu bitten. Dazu bot die Gemeinde einen Beitrag von 350 Mark an, teilt Kreisarchivarin Monika Kolb mit. Im Staatshandbuch des Königreichs Württemberg von 1901 wird angegeben, dass in Untermünkheim eine Postagentur und ein Telegraph vorhanden sind - ob ein Telefon dabei war, ist heute nicht bekannt.

Inzwischen ist die Situation eine andere - Handys sind ständige Begleiter fast jedes Bürgers geworden. Die kleinen Geräte können mittlerweile weit mehr als Gespräche übertragen. Sie speichern Musik und Fotos, sie weisen per Satelit den richtigen Weg, sie ersetzen teilweise sogar den Computer. Die öffentlichen Telefonzellen - vor 40 Jahren zu manchen Zeitpunkten umlagerte Infrastruktureinrichtungen - werden heute meist nur noch im Notfall benutzt, wenn der Akku des Handys leer ist oder kein Netzempfang besteht.

Im ganzen Kreis befassen sich in diesen Wochen die Gemeinderäte damit, ob sie die Telefonzellen abbauen sollen. In Oberrot ist jetzt das Ende des letzten öffentlichen Telefons beschlossen worden, in Schwäbisch Hall werden in diesen Tagen fünf von 20 Telefonzellen abgebaut, und in Untermünkheim haben jetzt die Gemeinderäte beschlossen, das Münztelefon in der Hohenloher Straße aufzugeben sowie die beiden Kartentelefone im Enslinger Klingenweg und in der Straße Siebeneich in Übrigshausen. Damit folgt der Gemeinderat dem Wunsch der Telekom, die unwirtschaftlichen öffentlichen Fernsprecher abbauen zu dürfen. In Untermünkheim lag der Jahresumsatz 2012 bei elf Euro, in Enslingen bei 5,02 Euro, in Übrigshausen bei 2,40 Euro.

Keine Mehrheit fand Gemeinderat Helmut Bleher dafür, das Münztelefon in der Hohenloher Straße zu erhalten. Sein Argument: Diese Telefone funktionieren auch dann, wenn ein Stromausfall alle Festnetzanschlüsse lahmlegt. Denn die Telefonzellen werden über das telekomeigene Schwachstromnetz betrieben. Und: Münzen hat jeder zur Hand, Telefonkarten nicht. "Das ist eine Diskriminierung", meinte daraufhin der Enslinger Gemeinderat Rainer Kircher schmunzelnd. Wenn Untermünkheim das Telefon behalte, solle auch das Enslinger bleiben. Seinen Antrag, alle drei abzubauen, unterstützte die Mehrheit.

Übrigens: Nicht überall folgen die Gemeinderäte dem Wunsch der Telekom. In Crailsheim hat der Stadtrat im Oktober beschlossen, den Abbau der Münztelefone abzulehnen. Die Folge: Die Telefone müssen bleiben. Die Telekom hat jedoch das Recht, die Fernsprecher durch Basistelefone zu ersetzen. Die Basistelefone funktionieren nicht mit Münzgeld sondern mit Telefonkarte oder einer Kreditkarte.