Landkreis / SIGRID BAUER Kimi, das heißt Kinder im Mittelpunkt. Das Projekt soll jungen unerfahrenen Eltern, alleinerziehenden Müttern und minderjährigen Schwangeren helfen, von Anfang an eine stabile Bindung zum Kind aufzubauen.

Mehr als die Hälfte der meist jungen Mütter, die an dem Projekt Kimi teilnehmen, sind alleinerziehend. "Oft hat sie der Partner während der Schwangerschaft verlassen. Diese Frauen sind besonders auf Unterstützung angewiesen", weiß Kimi-Mitarbeiterin Sonja Schwinn. Der Kontakt komme oft über Beratungsstellen etwa der Diakonie, der Arbeiterwohlfahrt, Pro Familia oder über das Jugendamt zustande, manchmal auch über Hebammen und Ärzte. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen Hilfe wollen. Beim ersten Gespräch zwischen der Mitarbeiterin und der hilfesuchenden Person ist immer auch derjenige dabei, der den Kontakt hergestellt hat. "Das gibt Sicherheit und ein Stück Vertrauen", erklärt Sonja Schwinn.

Typisch sei, dass sich junge Eltern und gerade auch minderjährige Mädchen unsicher fühlten im Umgang mit Kindern. Bei der Erziehung brauchten sie Unterstützung. Junge Frauen sollten sich möglichst schon während der Schwangerschaft um Hilfe bemühen.

"Wir schauen uns dann an, ob die werdenden Eltern eine Wohnung haben oder ob die Mutter mit dem Kind bei den Großeltern bleiben kann." Die Mitarbeiter kümmern sich auch darum, dass die Schwangere eine Hebamme hat und die Wohnung kindgerecht ausgestattet ist. Oft seien die jungen Eltern überfordert, die Unterlagen für das Eltern- und Kindergeld zusammenzustellen. "Wir geben ihnen einen Leitfaden, was sie schon vor der Geburt erledigen müssen", erklärt die Sozialpädagogin. Dass Hartz-IV-Empfänger einen Antrag auf eine kostenlose Erstausstattung für ihr Baby stellen können, sei vielen nicht bekannt.

Ein Plus des Projekts sei, dass die Betroffenen dafür keine Papiere ausfüllen müssen. "Das kommt gut an." Positiv überrascht habe sie, dass die jungen Leute gern zu Hause besucht werden wollen. Das zeuge von großem Vertrauen. In anderen Bereichen der Sozialarbeit sei das selten. In der Regel besuche sie ihre Klienten alle zwei Wochen, wenn nötig, auch häufiger. Dagegen sei das Angebot an Gruppenterminen nicht so beliebt. Das liege wohl daran, dass die Anfahrt zu den Treffen in Hall und Crailsheim für viele, die auf dem Land wohnen, sehr zeitraubend ist. Zum Teil hätten die Frauen keine Erfahrung mit Gruppen und und scheuen sich deshalb zu kommen.

Wenn junge Eltern im Haushalt und bei der Versorgung des Babys mehr Hilfe benötigen, organisiert die Sozialarbeiterin aus dem Umfeld Helfer oder Ehrenamtliche anderer sozialer Einrichtungen. Scheint das Kindeswohl gefährdet, könne auch eine Mutter-Kind-Einrichtung sinnvoll sein, wo die junge Mutter mehr Unterstützung erfährt. "Fühlt sie sich dann fit im Umgang mit dem Kind, zieht sie wieder zurück in den eigenen Haushalt", erklärt die AWO-Frau.

Dass Kimi tatsächlich Positives bewirkt, lasse sich daran erkennen, wie die drei Sozialarbeiterinnen am Anfang und am Ende der Begleitung etwa die Feinfühligkeit ihrer Klienten einschätzen. Eine Voraussetzung, um beispielsweise Signale des Kindes richtig zu deuten und entsprechend darauf zu reagieren. "Da sehen wir durchweg eine deutliche Besserung", so AWO-Chef Werner Hepp. Ein Vorteil von Kimi sei auch, dass sich verschiedene Einrichtungen mit vielfältigem Know-How beteiligen. "Ich habe selten ein Projekt erlebt, wo so wenig nachgebessert werden musste", ist sein Fazit nach drei Jahren.