Landkreis Lehrer in unsicherer Lage

Etwa die Hälfte der Lehrer an Haupt- und Werkrealschulen muss sich nach Gewerkschaftsangaben darauf einstellen, an einem anderen Ort oder einer anderen Schulart zu unterrichten. Das Archivbild zeigt Schüler und Lehrer Florian von Spiegel an der Thomas-Schweicker-Werkrealschule. Diese Schule bereitet mit der Leonhard-Kern-Realschule die Umstellung auf eine Gemeinschaftsschule vor. Mit rund 1000 Schülern wäre das eine der größten Gemeinschaftsschulen im Land. Archivfoto: Marc Weigert
Etwa die Hälfte der Lehrer an Haupt- und Werkrealschulen muss sich nach Gewerkschaftsangaben darauf einstellen, an einem anderen Ort oder einer anderen Schulart zu unterrichten. Das Archivbild zeigt Schüler und Lehrer Florian von Spiegel an der Thomas-Schweicker-Werkrealschule. Diese Schule bereitet mit der Leonhard-Kern-Realschule die Umstellung auf eine Gemeinschaftsschule vor. Mit rund 1000 Schülern wäre das eine der größten Gemeinschaftsschulen im Land. Archivfoto: Marc Weigert
ELISABETH SCHWEIKERT 04.03.2014
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) - die größte Lehrergewerkschaft im Kreis - fordert von der Landesregierung ein Konzept, wie die Zukunft der Haupt- und Werkrealschullehrer aussehen soll.

Schließen Haupt- und Werkrealschulen, müssen deren Lehrer umziehen oder zumindest an eine andere Schule wechseln. Mit der Einführung der Hauptschulprüfung an Realschulen und der Einführung von Gemeinschaftsschulen unterrichten Hauptschullehrer auch künftig auch Schüler, die eine Realschul- oder Gymnasialempfehlung haben und bereiten die Schüler auf diese Abschlüsse vor. Hinzu kommt der veränderte Unterrichtsstil: Anstelle des Frontalunterrichts für eine Klasse vom Lehrerpult aus, sollen die Pädagogen individuell für jeden Schüler Stoff bereitstellen und erklären.

Diese Veränderungen werden von den Lehrern unterschiedlich aufgenommen, sagte vergangene Woche Barbara Hauser in Wolpertshausen. Im Anschluss an eine Personalversammlung informierte die stellvertretende GEW-Bezirksvorsitzende Nordwürttemberg mit anderen Gewerkschaftsvertretern über die Situation: Während die einen Lehrer sich mit Enthusiasmus auf die Gemeinschaftsschule einlassen, lehnen andere die Entwicklung ab oder fürchten gar, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.

Wegen der tiefgreifenden Veränderung des Berufsbildes und der Arbeitsbedingungen der Lehrer fordert die GEW von der Landesregierung schnell ein Konzept für die Lehrer an Haupt- und Werkrealschulen. "Wenn Klassen wegfallen und Schulen geschlossen werden, brauchen die Lehrer frühzeitig eine klare Arbeitsplatzperspektive - einschließlich entsprechender Begleitung, Unterstützung und Aufstiegsmöglichkeiten", sagte Jana Kolberg, Personalratsvorsitzende Hohenlohe/Main-Tauber.

Etwa die Hälfte der Haupt- und Werkrealschullehrer müsse damit rechnen, in den nächsten drei, vier Jahren an einer anderen Schule eingesetzt zu werden, sagt Doro Moritz, GEW-Landesvorsitzende. 1523 Lehrer unterrichten derzeit an den Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen im Kreis und 374 Lehrer an staatlichen Gymnasien sind in die Regionale Schulentwicklung eingebunden, die darüber entscheidet, welche Schulen mit welchem Profil wo erhalten bleiben sollen. Wie viele Lehrer an Haupt- und Werkrealschulen unterrichten, konnte das Schulamt kurzfristig nicht mitteilen. Auch Lehrer an Berufsschulen (463 im Kreis) müssen mit Veränderungen rechnen. "Bei den Beruflichen Schulen sinken die Schülerzahlen spürbar", so die GEW-Vertreter. Es sei absehbar, dass Standorte zusammengelegt oder in Landesfachklassen gebündelt werden. Dies wirke sich einerseits negativ auf Ausbildungsplätze aus, andererseits stünden für Lehrer Versetzungen an - meist liegen die Schulstandorte weit auseinander. Die GEW, die im Kreis Hall rund 800 Mitglieder hat, setzt bei der Durchsetzung ihrer Wünsche auf Verhandlungen mit dem Land. Streik sei grundsätzlich für angestellte Lehrer denkbar, aber in diesem Zusammenhang soll ein Streik nicht das Mittel der Wahl sein.

Das Staatliche Schulamt indes weist darauf hin, dass erst Ende März klar sei, wie viele Haupt- und Werkrealschullehrer betroffen sind. Erst nach der Anmeldung der Schüler für die künftigen 5. Klassen sei klar, an welchen Schulen eine fünfte Klasse gebildet werden könne. "Ob es - falls eine Klasse fünf nicht mehr gebildet werden kann - zu einem Lehrerüberhang kommt, werden wir genau beobachten", sagt Schulamtsdirektor Joachim Rimmele. Oft sei an solchen Schulen im selben Jahr eine Pensionierung fällig oder ein Lehrer nehme Elternzeit - dann sei der Überhang möglicherweise gleich wieder ausgeglichen. Dort, wo vor Ort kein Ausgleich gefunden wird, berate das Schulamt und suche mit dem Personalrat nach Lösungen. Zahlreiche Lehrer suchten zudem das Gespräch mit dem Schulamt.

Wie Rimmele sagt, sei eine Höhergruppierung von Haupt- und Werkrealschullehrern, die an Realschulen unterrichten, nicht geplant. Hauptschullehrer sind nach Landesbesoldungsgesetz nach A12 (zwischen 3241 und 4224 Euro brutto) eingruppiert, Realschullehrer nach A13 (zwischen 3801 und 4694 Euro).