Fichtenau Legehennen sorgen für Aufruhr

Landwirt Maximilian Ludwig (rechts) stellte sich den Fragen der rund 130 Bürger.
Landwirt Maximilian Ludwig (rechts) stellte sich den Fragen der rund 130 Bürger. © Foto: Luca Schmidt
Fichtenau / Luca Schmidt 15.08.2018
In Großenhub möchte ein Jungbauer einen Stall für rund 15.000 Hühner bauen, die Bevölkerung ist dagegen. Bei einem Infoabend stellte der Landwirt sein Projekt vor.

Ein Landwirt, der seine Zukunft plant, eine Gemeinde, die zu spät informierte, und Bürger, die Angst um die Dorfidylle haben – das sind die Zutaten für den Aufruhr, der momentan im Fichtenauer Teilort Großenhub für Unruhe sorgt. Bei einer Informationsveranstaltung im Landgasthof Rose trafen sich nun alle Parteien, um sich auszutauschen – die Fronten blieben nach einer teilweise hitzigen Debatte aber verhärtet.

Pläne für 1700 Quadratmeter

Grund für den Aufruhr ist der geplante Bau eines Legehennenstalls. Den möchte Landwirt Maximilian Ludwig aufstellen, rund 300 Meter außerhalb von Großenhub in Richtung Zankhof. Der 24-Jährige will damit den Grundstein für seine Zukunft als Landwirt legen. Das Grundstück, auf dem gebaut werden soll, gehört ihm. 14.990 Legehennen sollen hier einmal auf rund 1700 Quadratmeter leben. Doch dagegen regte sich bei den Anwohnern seit Bekanntgabe der Pläne Widerstand.

130 gegen einen

Nachdem Ludwig sein Projekt am Infoabend vorgestellt hatte, machten die rund 130 anwesenden Bürger aus den Orten Großenhub, Wäldershub und Gerbertshofen keinen Hehl daraus, dass es ihnen am liebsten wäre, Ludwig würde woanders bauen. Die Hauptgründe, die aus Sicht der Bürger gegen den Stall sprechen: Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe, Parasiten und Schädlinge, Lärm- und Geruchsbelästigung für die Bewohner, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und das Tierwohl.

Ludwig argumentierte, dass die knapp 15.000 Legehennen umgerechnet rund 50 Großvieheinheiten entsprächen; deshalb verstehe er die Aufregung nicht. Die Gülle werde nach Ulm gebracht und die Lkw für den Legehennenstall kämen seltener als der Milchwagen durch Großenhub. Von den Erträgen des Hofes könne nur er leben. Er sei zudem der Erste, der durch den Geruch und den Lärm belästigt werde – denn er habe vor, selbst in Großenhub zu wohnen – am Ortsausgang, in Richtung des Stalls. Kompromisse wolle Ludwig auch auf Nachfrage Wagemanns aber keine eingehen – was viele Bürger und die Bürgermeisterin enttäuschte. Auch eine freiwillige Umweltverträglichkeitsprüfung gebe es keine – die wäre ab 15.000 Hühnern Pflicht.

Doch auch Wagemann musste Kritik einstecken. Der Vorwurf: Das Vorhaben wurde einfach durch den Gemeinderat gewunken, die Bürger nicht informiert. Das läge daran, dass die Gemeinde anfangs nicht mit einem so großen Interesse der Anwohner gerechnet hatte, sagt Wagemann. „Am 5. Juli ist das Baugesuch bei uns eingegangen, wurde dann geprüft und in der nächsten Gemeinderatssitzung auf die Tagesordnung gesetzt“, sagt sie. Dort wurde am 23. Juli das Einvernehmen für das Projekt „Neubau eines Legehennenstalls mit Wintergarten sowie Futtersilos und Neubau einer Bergehalle“ erteilt. Anschließend wurden die Anlieger informiert, damit sie, falls gewünscht, ihre Stellungnahme abgeben können.

Interesse größer als vermutet

Das sei der normale Gang, sagt Bürgermeisterin Wagemann. Für sie war es „ein Baugesuch wie jedes andere“ – bis die Bürger zu ihr in die Fragestunde kamen. Es zeigte sich, dass das Interesse am Projekt doch größer ist, als zunächst von der Gemeinde vermutet – und so nahm sie den Vorschlag von Gregor Lachs, einem Bewohner Großenhubs, an, dass sich bei einem Infoabend alle austauschen sollten.

Jetzt liegt es am Landratsamt, das Bauvorhaben zu genehmigen – aufgeben wollen die Bürger aber nicht: Bis 20. August können sie Stellungnahmen beim Landratsamt einreichen, eine gemeinsame Erklärung mit rund 300 Unterschriften ist bereits verfasst – dabei hat Großenhub nur rund 120 Einwohner. Aber auch aus den Nachbarorten gab es Unterstützung für den Kampf gegen das Projekt. Und: Bürgermeisterin Wagemann machte sich für eine Petition stark, die noch in dieser Woche ins Rollen gebracht werden soll.

Immerhin: Am Ende gab es für den Mut von Ludwig, sich den Bürgern zu stellen, Applaus.

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