Asyl Lebensmittel für Asylbewerber: Freundeskreise begrüßen Kompromiss

Schild am Wohnheim: In Ilshofen leben 42 Asylbewerber. Foto: Ufuk Arslan
Schild am Wohnheim: In Ilshofen leben 42 Asylbewerber. Foto: Ufuk Arslan
KARSTEN DYBA 23.07.2013
Politische Agitation wollen sich die Freundeskreise Asyl nicht vorwerfen lassen. Die Entscheidung des Landratsamts, Asylbewerber künftig anders mit Lebensmitteln zu versorgen, begrüßen sie als Minimalkonsens.

"Ich bin letztendlich froh, dass wir jetzt diesen Minimalkonsens haben", sagt Michaela Garimort vom Freundeskreis Asyl Ilshofen-Crailsheim. Nun könnten die Asylbewerber menschenwürdig selbst entscheiden, was sie einkaufen möchten.

Die Freundeskreise hatten Missstände bei der Lebensmittelversorgung angeprangert. Dagegen wehrte sich der Lieferant. Seine Lebensmittel, beteuert er, seien stets von guter Qualität gewesen. Den Freundeskreisen warf er Agitation vor, um politische Ziele durchzusetzen. "Die mangelhafte Qualität haben wir über Jahre beanstandet", betont Garimort, die für die Freie Liste im Ilshofener Gemeinderat sitzt. Auch sie habe vergammelte Lebensmittel fotografiert - sogar in den Unterkünften der Asylbewerber. Ein Fotografierverbot sei ihr seitens des Landratsamts nie auferlegt worden. "Als Bürger dieses Landkreises muss ich auch in der Lage sein, Missstände anzuprangern", betont Garimort. Danach sei die Situation stets eine Zeitlang besser gewesen. Das bestätigt Oliver Raschke, Leiter des Amtes für Migration. "Es gab in der Vergangenheit von Zeit zu Zeit Beschwerden über verdorbene Lebensmittel", so Raschke. Diesen Beschwerden sei das Landratsamt stets sofort nachgegangen. Bei berechtigten Beschwerden habe der Lieferant aber reagiert und Änderungen veranlasst.

Vor einigen Wochen kündigte das Landratsamt dennoch an, die Versorgung umzustellen. Ab 1. Oktober sollen die Asylbewerber mit Gutscheinen im örtlichen Einzelhandel einkaufen können. Dessen Mitarbeiter müssten noch geschult werden, so Raschke. Bestreben der Freundeskreise Asyl sei es aber, "dass die Asylbewerber das Geld in bar bekommen, das ihnen zusteht", erklärt Garimort. Bislang werden die Lebensmittel jeden Dienstag angeliefert und gegen Punktekarten ausgegeben. Als Ladengeschäft dient dabei ein 14 Quadratmeter großes Zimmer in der Unterkunft. Ein Problem ist laut Garimort derzeit noch die Lagerung. "Die Familien haben einen Kühlschrank und ein kleines Gefrierfach und müssen dort die Vorräte für eine ganze Woche lagern."

Leistungen für Asylbewerber

Nach Auskunft des Amtes für Migration erhalten alleinstehende Flüchtlinge derzeit monatlich 152,70 Euro, Ehepaare (pro Kopf) 137,22 Euro, volljährige Angehörige 121,74. Jugendliche erhalten 137,61 Euro, Kinder bis 14 Jahren 107,15 Euro und Kinder bis 7 Jahren 89,60 Euro. Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts stehen Asylbewerbern die selben Leistungen zu wie Hartz-IV-Empfängern.