Feier LBV Schrozberg: Die Not in Erfolg verwandelt

Schrozberg / HARALD ZIGAN 18.03.2013
Alles, was Rang und Namen in Hohenlohe hat, kannte am Samstag nur ein Ziel - die Hallen in Schrozberg und hier die 100-Jahr-Feier der LBV. 1300 Gäste feierten die Erfolgsgeschichte der Genossenschaft.

Von dem klassischen (und köstlichen) "gemischten Braten", den die LBV ihren Gästen auftischte, dürften etliche Gründerväter der Genossenschaft vor 100 Jahren nur geträumt haben: Auf vielen Bauernhöfen in Hohenlohe herrschte damals die blanke Not.

Billiges, vor allem aus den USA importiertes Getreide drückte die Preise ins Bodenlose und eine katastrophale Missernte beflügelte im Januar 1913 zeitgleich in Blaufelden und in Schrozberg den Plan, mit Genossenschaften für den Getreideverkauf aus der Agrar-Misere zu kommen (das HT berichtete).

Damit war das Fundament für die GEOGE in Blaufelden und die LBV in Schrozberg gelegt, die bei der Fusion im Jahr 2004 eine Vernunftehe schlossen, die sich bestens bewährt hat.

Auf welchen fruchtbaren Boden die Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen zur Selbsthilfe in beiden Kommunen gefallen ist, zeichneten der Vorstandsvorsitzende Walter Markert (diesen Posten hatte übrigens schon sein Großvater und Vater inne) sowie Geschäftsführer Wilhelm Thierauch nach.

Neben den Meilensteinen in der Geschichte beider Genossenschaften kolportierte das Duo interessante historische Details: So galt noch bis in die 20er-Jahre hinein ein striktes Frauenverbot bei den Generalversammlungen - und am Kriegsende im April 1945 bewachten die Bauern sieben Tage und Nächte lang das Lagerhaus in Schrozberg, um es vor dem zerstörerischen "Nero-Befehl" der NS-Machthaber zu schützen.

Für die künftige Entwicklung der LBV, die 2012 mit 300 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 67 Millionen Euro erwirtschaftet hat, gab Geschäftsführer Wilhelm Thierauch eine selbstbewusste Parole aus: "Es gibt keine Hindernisse, sondern nur Herausforderungen."

In die Gründerzeit ging auch der Schrozberger Bürgermeister Klemens Izsak zurück und zitierte zwei Leserbriefe aus dem "Vaterlandsfreund", die beiden Genossenschaften den "baldigen Ruin" voraussagten. . .

Die Arbeit der LBV würdigten auch Landrat Gerhard Bauer, Präsident Dr. Roman Glaser vom Genossenschaftsverband Baden-Württemberg und (in pfiffiger Reimform) Pfarrer Georg Leiberich. Den Schlusspunkt setzte der Aufsichtsratsvorsitzende Karlheinz Bauer: "Fordern Sie die LBV auch künftig."