Wären die Krankenhäuser leer, wenn jeder Sport treiben würde? Auf welche Bereiche der Gesundheit wirkt sich das aus? Antwort darauf gibt Dr. Lothar Jahn, ärztlicher Direktor im Diakonie-­Klinikum.

Welchen Sport machen Sie, Herr Dr. Jahn?

Dr. Lothar Jahn: Also, ich versuche, meine sportlichen Aktivitäten in den Alltag zu integrieren. Ich bin nicht mehr im Sportverein aktiv – das war ich früher mal, da habe ich Tischtennis gespielt. Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit, wenn es die Witterung zulässt. Durchs Kochertal, rauf und runter.

Wie lange fahren Sie da?

Her geht’s schneller, 20, 25 Minuten. Zurück muss ich den Berg ganz hoch. Da brauche ich eine halbe Stunde bis zur Hagenbach-Siedlung.

Tischtennis haben Sie früher aus reiner Freude gespielt? Da spielten medizinische Gründe nie eine Rolle?

Das war Spaß. Ich finde, das ist auch wichtig, Sport muss auch Spaß machen. Deshalb kann man auch die Bedeutung der Sportvereine gar nicht hoch genug einschätzen. Auch die Zunahme von Diabetes unter der Weltbevölkerung hat mit der Abnahme an Bewegung zu tun. Wenn Kinder und Jugendliche bereits in jungen Jahren geprägt werden, regelmäßig Sport zu treiben, dann bleiben viele auch später dabei. Das Soziale kommt dann noch dazu.

Sie sind als Arzt auch tagsüber viel auf den Beinen. Dennoch: Reicht die halbe Stunde morgens und abends aus?

Ich versuche im Alltag immer, Bewegung einzuplanen. Ich parke so, dass ich ein Stück gehen kann. Ich laufe auch mal Umwege.

Da entdeckt man ja auch vieles, wenn man Umwege macht.

Ja, das ist wirklich so. Der kürzeste Weg ist nicht immer der beste.

Was schätzen Sie, wie viel Prozent der Patienten, die bei Ihnen im Haus behandelt werden, könnten gesund sein, wenn sie mehr oder überhaupt Sport treiben würden? Viele Studien sagen, Bewegungsmangel und Krankheit hängen zusammen.

Also der Zusammenhang ist sicher. Ansonsten muss man sich im Klaren sein: Wir leben länger, wir verschieben vieles auf später. Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen tendenziell eher ab. Wir werden immer älter. Deshalb nehmen Tumor-Erkrankungen immer mehr zu. Wir dürfen nicht die Illusion haben, zu glauben, wir könnten das ewige Leben erreichen. Wir schieben Krankheit und Tod nach hinten raus. Aber länger bei guter Gesundheit aktiv sein zu können und erst später krank zu werden, ist ein gutes Ziel.

Auf welche Bereiche der Gesundheit wirkt sich Sport aus?

Am besten untersucht und auch belegt ist es im Herz-Kreislauf-Bereich. Herzinfarkte lassen sich vermeiden oder auf einen sehr viel späteren Zeitpunkt verschieben. Bereits in den 1980er-Jahren gab es Untersuchungen mit Menschen, deren Herzkranzgefäße mäßig verengt waren. Untersucht wurde, was besser wirkt: diese aufzudehnen oder mit viel Sport zu behandeln. Es zeigte sich, dass beide Behandlungsformen gleich wirksam waren.

Auch bei anderen Krankheitsbildern ist eine Besserung nachgewiesen: bei Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel, bei Depressionen, bei Diabetes.

Es gibt noch mehr. Das Senken des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels lässt sich gut messen. Dies führt dazu, dass auch die Gefahr eines Schlaganfalls sinkt. Es gibt auch Hinweise, dass Sport Tumor-Erkrankungen verhindern oder hi­nauszögern kann.

Hängt das vielleicht mit dem Schwitzen zusammen?

Also mir fällt keine Erklärung ein, die mir plausibel erscheint. Da gibt es einiges, was wir immer noch nicht verstehen.

Das heißt, man weiß vielfach nicht, warum Sport vielen Krankheiten vorbeugt?

Vieles nicht, manches kann man erklären. Wer Sport macht, baut Muskeln auf. Zucker und Fettsäuren werden verbrannt. Das kann das Übergewicht senken. Übergewicht hängt ja auch mit Diabetes, hohem Blutdruck und anderem zusammen. Symptome, die dazu führen, dass wir insgesamt kränker werden. Sport greift hier ein. Sie können mit Bewegung Ihr Risikoprofil für Herz-Kreislauf-Krankheiten senken. Es kommt aber noch ein weicher Faktor hinzu: Es geht einem besser.

Warum geht’s einem besser?

Schwierige Frage. Laufen wirkt bei mir nicht. Aber wenn ich mich viel bewegt habe, etwa bei der Gartenarbeit, dann fühle ich mich besser.

Wie viel Bewegung ist nötig?

Je mehr, desto besser. Die meisten Fachgesellschaften sagen, als Untergrenze zwei bis drei Mal die Woche eine halbe Stunde Bewegung, bei der der Puls schon nach oben geht.

Und wie ist’s, wenn man älter wird? Manche Menschen sagen: Jetzt plage ich mich nicht mehr.

Plagen ist nicht erforderlich. Lieber sich mehrfach bewegen, aber nicht die Leistungsgrenze ausloten. Wenn man sich beim Sport noch unterhalten kann, ist man im grünen Bereich.

Info-Vorträge zur Aktion Lauf geht’s


Lauf geht’s gibt es an den Standorten Schwäbisch Hall, Crailsheim und Gaildorf. Gemeinsam trainiert wird jeweils zum Abschluss einer Trainingswoche im Lauftreff (in Schwäbisch Hall und Crailsheim) beziehungsweise im Walkingtreff (in Gaildorf). Beim Vortrag „Lauf geht’s – gesund und mit Freude in sechs Monaten zum Halbmarathon“ erklärt Erfinder Wolfgang Grandjean das Programm. Zudem stellen sich die Trainer und das Organisationsteam vor: in Crailsheim am 17. Februar um 19 Uhr im HT-Forum (Ludwigstraße 6–10), in Schwäbisch Hall am 18. Februar um 19 Uhr in der Hospitalkirche (Am Spitalbach 8), in Gaildorf am 4. März um 19 Uhr in der Limpurghalle (Schloss-Straße 11). Fragen beantwortet Christine Hofmann (c.hofmann@swp.de oder 0 79 51 / 40 93 16).

Info


Lothar Jahn (64) ist seit 2004 ärztlicher Direktor am Diakonie-Klinikum in Schwäbisch Hall. Zuvor arbeitete er am Universitätsklinikum Heidelberg und am Beth Israel Hospital in Boston. Mit seiner Frau Petra hat er drei Kinder: Alina, Lea und Timo.