Lendsiedel Lara macht das Zugpferd

Lendsiedel / ANNA BERGER 13.09.2013
"Wozu braucht man denn ein Hausaufgabenheft?" Diese Frage haben diese Woche

vermutlich viele Sechsjährige zu hören bekommen - in der Grundschule in Lendsiedel wurde sie jedenfalls gestellt.

Es ist trüb an diesem Donnerstagmorgen. Ein grauer Wolkenbrei schiebt sich über den Himmel. Feiner Nieselregen tropft den Kindern und ihren Eltern vor der Stephanuskirche ins Gesicht. Doch es scheint sie nicht sonderlich zu stören. "Bist du schon aufgeregt", fragt ein Vater seinen Sohn. "Ja", antwortet der. Der Vater nickt - und wirkt dabei beinahe aufgeregter als sein Sprössling. 38 Kinder aus Kirchberg und Umgebung wurden gestern in Lendsiedel eingeschult. Am Eingang zur Kirche begrüßt Schulleiter Michael Szutta die Erstklässler persönlich. "Na, wie gehts dir?", fragt er ein blondes Mädchen. Das Mädchen lächelt schüchtern. "Gut", antwortet es und drückt sich an seine Mutter.

"Der Regenbogenfisch" steht auf den Faltblättern, die vor dem Einschulungsgottesdienst in der Kirche verteilt werden. Die Geschichte von dem Fisch mit den Silberschuppen ist das Thema der Einschulung. "Deshalb regnet es heute auch, weil Fische Wasser brauchen", erklärt der Kirchberger Pfarrer Alfred Holbein das Regenwetter. Mit Werner Funk, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde in Großallmerspann, führt er durch den ökumenischen Gottesdienst.

Anschließend werden die Erstklässler von ihren Klassenkameraden zur Schule geführt. An der Kirchberger August-Ludwig-Schlözer-Schule, zu der die Grundschule in Lendsiedel gehört, werden Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine Reaktion auf die sinkenden Schülerzahlen in Deutschland, gehört zum pädagogischen Programm der Schule. Jedem Zweitklässler wird ein Erstklässler zugeteilt, um den er sich im ersten Schuljahr kümmern soll. "Die Erstklässler lernen von den Großen", erklärt Lehrerin Karin Weigelmeier.

Die Maxis, wie die Zweitklässler hier genannt werden, haben sichtlich Spaß daran, den Erstklässlern, also den Minis, zu zeigen, wo es langgeht. Xenia hat ihrem Schützling Lara gleich ein Seil um die Hüfte geschnürt. "Damit sie nicht wegläuft", erklärt die Zweitklässlerin die Maßnahme. Die Mädchen spielen Reiter und Pferd. Lara scheint es nicht zu stören, das Zugpferd zu spielen. Nur eine kann an ihrer Rolle als "Maxi" nicht so viel Freude finden: "Man muss denen alles zeigen", klagt Mary. Generell gefällt es ihr in der Schule nicht so gut: "Kindi ist besser. Da muss man keine Hausaufgaben machen."

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