Langenburg Langenburger Flüchtlingsprojekt ist umgezogen - Angebot für alle und Treffpunkt

Langenburg / MANFRED MÜHLENSTEDT 12.04.2016
In den Räumen der Firma Farmbau (ehemals Schaeff) in Langenburg gibt es seit Samstag ein richtiges Secondhand-Kaufhaus für jedermann. Die Gerabronner "Offenbar" hat eine Schwester: die "Brauchbar".

"Brauchbar" - der Name des neuen Ladens ist Programm. Auf gut 150 Quadratmetern wird von Bekleidung über Schuhe bis hin zu Geschirr ein breites Angebot vorgehalten. Eine einladende Begegnungsecke mit Couchgarnitur, Büchern, Spielecke und sogar einem Tisch-Kicker sorgt für zusätzliche Attraktivität. Zu verdanken haben die Langenburger diese Bereicherung letztlich den Flüchtlingen, denn aus der Aufgabe, den Neuankömmlingen Hilfe zu leisten, entstand der Freundeskreis Asyl, und aus dessen Ideen schließlich das neue Einkaufsangebot - nicht nur für Flüchtlinge.

Eine Schwester in Langenburg

Samstagmorgen im Souterrain des Bürokomplexes Innopark (Farmbau). Im Begegnungsraum der neuen "Brauchbar" wird schon Kaffee ausgeschenkt und Kuchen gereicht. Kinder wuseln um die Beine der zahlreichen Erwachsenen. Lilian (2) aus Syrien hat schon ihre Namenspatronin gefunden und lässt sich auf dem Arm hätscheln. Pfarrer Jürgen Hermann setzt zur Begrüßung an. Er zeichnete den Weg des Projektes noch einmal nach. Mitte letzten Jahres zogen erstmals Flüchtlingsfamilien in größerer Zahl in die Hauptstraße 141 in Langenburg. Schnell fand sich ein loser Freundeskreis zusammen, der die Neuankömmlinge unterstützte. Kontakte zur bestehenden "Offenbar" in Gerabronn wurden geknüpft, denn dort gab es eine Kleiderkammer und einen Tafelladen. Schnell zeigte sich, die "Offenbar" gelangte durch den Zuwachs an ihre Grenzen. Die Idee, eine Langenburger Schwester" zu gründen, drängte sich geradezu auf. "Brauchbar" sollte sie heißen. Am 26. September 2015 war es so weit, in einem ehemaligen Schuhgeschäft in der Hauptstraße eröffnete der Secondhand-Laden. Allerdings, von Anfang an beengt. Für eine angedachte Begegnungsecke war kein Platz. Und die Regale quollen über.

Zum Glück ist das Netzwerk der Hilfsbereitschaft in Langenburg engmaschig. Borgi Köhler, tragende Organisatorin der "Brauchbar", sprach mit Andrea Wolz, diese mit ihrer Kirchengemeinderatskollegin Sabine Groninger, diese wiederum fragte bei Farmbau-Chef Wolfgang Maier nach. Pfarrer Hermann engagierte sich genauso wie Gemeindereferent Nils Neudenberger und eine ganze Reihe weiterer Langenburger Bürger. Danach ging es schwuppdiwupp. Die ehemalige Kantine und den Aufenthaltsraum im Schaeff-Gebäude stellte Wolfgang Maier mietfrei zur Verfügung. Dieter Mayer managte pragmatisch notwendige Umbauten. Die Flüchtlinge putzten und werkelten mit Feuereifer. Die Bürger spendeten die Waren, von der Couchgarnitur bis zu Motorradjacken und Kinderschuhen. Die Firma "Kraft Lernen" trug großzügig Spielsachen für die Kinder bei. Der Freundeskreis kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Deshalb war es Pfarrer Hermann am Samstag ein großes Anliegen, alle Beteiligten in seinen Dank für das Engagement miteinzubeziehen. Das tat auch Bürgermeister Wolfgang Class in seinem Grußwort. Und Borgi Köhler, die sich plötzlich als "Kaufhauschefin" wiederfand, brachte es auf den Punkt: "Die ,Brauchbar' ist jetzt wunderbar." Danach öffnete sich die Tür zum "Brauchbar"-Laden und der Ansturm war nicht weit von einem Schlussverkauf-Event entfernt.

Team sucht Verstärkung

Die "Brauchbar" in Langenburg befindet sich im Schaeff-Bürogebäude, hinterer Eingang, Tiefparterre. Geöffnet: mittwochs 16 bis 18 Uhr, samstags 9.30 bis 11.30 Uhr. Das Team sucht Verstärkung, Kontakt über die evangelische Kirchengemeinde Langenburg, Telefon 0 79 05 / 230

MM

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