Die zwölf Rotoren im Brüchlinger Wald bei Langenburg drehen sich nun schon seit fast einem Jahr, im Juni wurde der größte ENBW-Windpark in Baden-Württemberg feierlich eingeweiht. Und noch immer herrscht nächtliches Dauerblinken im Forst – obwohl der Kompromiss zwischen Stadt, Gemeinderat und Energiekonzern neben einer Beschränkung der Zahl an Windrädern auch eine sogenannte bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung vorsah. Will heißen: Radartechnik soll dafür sorgen, dass die roten Blinklichter nur dann anspringen, wenn sich ein Flugobjekt nähert.

Radar-Technik ist einsatzbereit

Tatsächlich ist diese Technik längst installiert und könnte von heute auf morgen aktiviert werden. Die ENBW formuliert es auf Nachfrage unserer Zeitung so: „Die Inbetriebnahme könnte kurzfristig erfolgen.“

Braunsbach/Orlach

Allein: Die Genehmigung, die die ENBW im Dezember 2017 beantragt hat, fehlt. Immerhin, die Deutsche Flugsicherung hat die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung Mitte November zertifiziert. Für Bürgermeister Wolfgang Class ist das ein entscheidender Schritt. „Ich bin erleichtert“, sagt er. „Jetzt ist durch Befliegungen in verschiedenen Wetterlagen nachgewiesen, dass das System funktioniert. Es gibt also eigentlich keinen Grund, die Genehmigung nicht zu erteilen.“ Der Zertifizierungsprozess zog sich übrigens länger hin als geplant, weil es im Sommer einfach nicht regnen wollte, eine Befliegung bei Regen aber zwingend erforderlich ist.

Landkreis SChwäbisch Hall

Jetzt liegt das Zertifikat der Luftsicherung bei der Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium (RP) Stuttgart. Dieses ist seit dem 1. Januar 2017 für alle Luftverkehrsangelegenheiten in Baden-Württemberg zuständig, wobei einzelne Referate und Mitarbeiter noch immer auf ihre früheren Dienstsitze in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen verteilt sind. Über das Langenburger Vorhaben wird vom RP Stuttgart in Karlsruhe entschieden.

Zum ersten Mal diese Technik in Baden-Württemberg

Es liegt freilich nicht an dieser etwas komplizierten Konstellation, dass das Verfahren sich lange hinzieht. Ursache dürfte vielmehr sein, dass es noch nirgendwo im ganzen Land einen Windpark mit bedarfsgesteuerter Nachtkennzeichnung gibt. Langenburg ist ein Präzedenzfall. Vor diesem Hintergrund sagt Class: „Mit der Verfahrensdauer war fast zu rechnen.“ Nervös ist er nicht, er geht nach dem Okay der Flugsicherung vielmehr von einem weiteren Okay des Regierungspräsidiums aus, sobald dieses alle Unterlagen ausgewertet hat.

Nachfrage in Stuttgart: Wann ist mit einer Genehmigung zu rechnen? Die Unterlagen vom November 2018 würden derzeit geprüft, schreibt das RP, und: „Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, kann noch nicht abgesehen werden.

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