Langenburg Langenburg als Fairtrade-Stadt ausgezeichnet - In einer Liga mit Metropolen

Langenburg / ERWIN ZOLL 31.03.2016
Langenburg spielt jetzt in einer Liga mit London, Paris, Kopenhagen oder München, denn alle diese Metropolen schmücken sich wie die kleine Stadt über der Jagst mit der Auszeichnung als Fairtrade-Stadt.

Wenn sich Bürgermeister Wolfgang Class in seiner Amtsstube einen Kaffee gönnt, dann kommt Hoffnung auf, denn seine Tasse ist mit "Esperanza" ("Hoffnung") gefüllt, einer Kaffeesorte aus fairem Handel. Die Bohnen stammen aus Mexico, Peru und Bolivien und werden dort von Kleinbauern-Genossenschaften erzeugt. Die Kaffeebauern erzielen dabei einen Preis, der ihnen und ihren Familien das Überleben sichert.

Mit der Verwendung von Kaffee aus fairem Handel leistet die Stadtverwaltung einen wichtigen Beitrag zum Status einer Fairtrade-Stadt, denn die Verwendung von fairen Produkten in öffentlichen Einrichtungen ist eine der Voraussetzungen für die Auszeichnung, die der Verein Transfair (siehe Infobox) Kommunen für zwei Jahre verleiht, um den fairen Handel zu fördern.

Im Mai vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat auf Initiative der Eine-Welt-Gruppe Langenburg beschlossen, dass sich die Stadt um den Titel "Fairtrade-Stadt" bewirbt und so dem Vorbild von Schwäbisch Hall und Künzelsau folgt. Zu den Kriterien, die eine Fairtrade-Stadt zu erfüllen hat, gehört, dass eine bestimmte Anzahl von Geschäften und gastronomischen Betrieben Produkte aus fairem Handel anbietet und dass diese Waren auch in Schulen, Vereinen und Kirchen verwendet werden.

Eine zehnköpfige Steuerungsgruppe hat die Aktionen in Langenburg koordiniert. Sie hat dabei keineswegs Neuland betreten, denn faire Produkte gab es in der Stadt bereits - beim Eine-Welt-Verkauf nach den Gottesdiensten, bei Aktionstagen an der Grundschule und natürlich im "Fairkauflädchen", das es seit einem Jahr in Bächlingen gibt. So ist es zu erklären, dass Langenburg schon nach zehn Monaten als 405. Kommune in Deutschland zur Fair-Trade-Stadt erhoben wurde. In der Regeln dauert es ein bis zwei Jahre, bis eine Stadt Transfair von sich überzeugen kann.

Außer dem Rathaus zieht eine Reihe von Einzelhandelsgeschäften mit - so die Bäckerei Hölzle, die Drogerie am Tor, Martinas Blumenlädle, der Lebensmittelladen "Ums Eck" und natürlich das "Fairkauflädchen" , außerdem das Café Genuss und die "Krone", die beiden Kirchengemeinden, der CVJM, der Geschichts- und Kulturverein sowie die Grundschule, die sich darüber hinaus um den Titel einer "Fairtrade-Schule" bewerben will.

In einer Feierstunde hat der Transfair-Ehrenbotschafter Manfred Holz kürzlich der Stadt die Auszeichnung überbracht. Der 69-Jährige aus Neuss, Bankkaufmann und Betriebswirt im Ruhestand, zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Stadt, die alle Kriterien mit Bravour erfüllt habe. "Als reichste Industrienation stehen wir in der Pflicht, unseren konkreten Beitrag gegen die Armut zu leisten", sagte Holz. Fairtrade sei der Versuch, Elend und somit Fluchtursachen zu bekämpfen. Nach Holz' Angaben betrug der Umsatz an fairen Produkten in Deutschland 2014 827 Millionen Euro. Kaffee ist mit mehr als 16 000 Tonnen das wichtigste Produkt, gefolgt von Bananen und Blumen.

Gabi Bystricky, Mitglied der Steuerungsgruppe und Inhaberin des "Fairkauflädchens", sagte, ihre Vision sei, dass der faire Handel irgendwann die normale Form des Handels ist. "Es wäre dann normal, dass die Menschen überall auf der Welt von ihrer Arbeit und von ihren Produkten leben könnten", betonte sie.

Bürgermeister Class erklärte, fairer Handel passe zu Langenburg, weil Nachhaltigkeit hier eine große Rolle spiele, etwa beim Langenburg-Forum oder beim Markt mit Hohenloher Produkten am Ostermontag. Der Begriff "fair" stehe jedoch nicht nur für die Unterstützung von Produzenten in der Dritten Welt, sondern auch für einen fairen Umgang miteinander - in den Vereinen, im Gemeinderat und beim Umgang mit Flüchtlingen.

Transfair hilft Produzenten

Der Verein Transfair wurde 1992 von 36 Organisationen gegründet, unter ihnen Brot für die Welt, Misereor, die Welthungerhilfe, Unicef und die Kindernothilfe. Das Ziel des gemeinnützigen Vereins ist es nach eigenen Angaben, "benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern und durch den fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern". Transfair handelt nicht mit Waren, sondern fördert deren Absatz durch das Fairtrade-Siegel, das auf der Grundlage von Lizenzverträgen vergeben wird.

ERZ

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