Einen „Glücksfall für unseren Kreis“ nannte Carola Merk-Rudolph den scheidenden Landrat Klaus Pavel. Die stellvertretende Vorsitzende des Kreistags blickte bei der offiziellen Verabschiedung des Kreischefs am Mittwoch in Aalen auf die Wahl von 1996 zurück. Das Los musste die Entscheidung zwischen zwei Kandidaten um den Posten des neuen Landrats bringen. Die Kreisrätin Uschi Barth zog das Döschen mit dem Namen „Pavel“. Merk-Rudolph: „Das war kein glückliches Händchen, das war der Jackpot.“
„Mit Herz, Hand und Verstand“, so habe das Versprechen von Pavel gelautet. „Er hat es eingelöst“, so Merk-Rudolph. Er sei stets eine Anlaufstelle für die Bürger des Ostalbkreises gewesen. Sie bezeichnet Pavel als „menschlich und pragmatisch“. Als einen, „der Probleme erkennt und mutig angeht – mit Herz und scharfem Verstand“. Pavel habe dem Ostalbkreis ein zukunftsweisendes Image gegeben und auf Platz 2 im Ranking der Kreise im Land geführt. „Jugendarbeitslosigkeit ist ein Fremdwort geworden.“ Und sie lobte die gelungene Neuordnung der Krankenhäuser. „Sie übergeben einen gut aufgestellten Landkreis.“

„Ein Problemlöser“

Voll des Lobes war auch Innenminister Thomas Strobl. „Sie haben als Problemlöser gewirkt“, sagte er an die Adresse von Klaus Pavel, dem er besonders für seinen Einsatz in der Flüchtlingskrise bei der Einrichtung der Landes-Erstaufnahmestelle (LEA) in Ellwangen dankte. „Sie sind aufgestanden und Sie sind hingestanden.“ Damals gab es viele Anfeindungen gegen Pavel. „Ich habe mich immer auf Sie verlassen können“, dankte Strobl dem scheidenden Landrat in einer sehr persönlichen Ansprache.
Auch Wolfgang Reimer ging in seiner Rede auf die LEA ein. „Sie haben Führungsstärke gezeigt“, bescheinigte der Regierungspräsident dem Landrat, „aber auch alle einbezogen“. Reimer hatte noch eine seltene Urkunde für den 67-jährigen Pavel im Gepäck: für 50 Jahre Tätigkeit im öffentlichen Dienst.
Nach Dekan Robert Kloker (für die Kirchen) und Durlangens Bürgermeister Dieter Gerstenlauer (für die Kommunen) betrat der scheidende Landrat Klaus Pavel als letzter Redner die Bühne. Und er hatte jenes Döschen dabei, darin das kleine Stück Papier mit dem Namen „Pavel“. 24 Jahre stand es auf seinem Schreibtisch. Pavel ging kurz auf seine Wahl per Losentscheid im Jahr 1996 ein.

„Wunderbare Zusammenarbeit“

Doch trotz dieses nicht einfachen Starts als Landrat „wurden es 24 Jahre mit einer wunderbaren Zusammenarbeit“. Pavel dankte den Bürgern im Ostalbkreis „für die Unterstützung, die ich erfahren habe“. Er dankte den Unternehmern, den Arbeitnehmern und den Gewerkschaften für die Zusammenarbeit besonders in seiner ersten Amtszeit, als es darum ging, Auswege aus der Jugendarbeitslosigkeit zu finden. „1600 Arbeitsgelegenheiten wurden dabei geschaffen.“ Und er dankte den Einrichtungen für Kinder, Schulen und Ausbildungsstätten: „Wo Hochschulen nachfragegerecht aufgestellt werden, findet Zukunft statt.“
Pavel sprach die vielen anwesenden Landräte mit Namen an. „Ich habe mich im Kreis der Landräte immer wohlgefühlt. Das ist eine starke Gemeinschaft.“ Ein Grund dafür sei, es gebe nur wenige. „Und zweitens sind diese auch noch weit genug auseinander, sodass man auch voreinander abkupfern kann.“ Wenn Richard Sigel, Landrat im Rems-Murr-Kreis, eine gute Idee habe und diese erfolgreich umsetzt – und „ich mache das auch, dann merkt im Ostalbkreis niemand, dass ich das abgekupfert habe“. Und wenn Landrat Detlef Piepenburg eine gute Idee habe: „Heilbronn ist noch viel weiter weg. Kein Mensch merkt das Abkupfern und alle im Ostalbkreis denken, der Pavel hat eine gute Idee gehabt.“ Der scheidende Landrat zeigte einmal mehr und nicht nur an dieser Stelle, dass er über viel Humor verfügt – um dann auch wieder zur Sachlichkeit zurückzukehren. Er dankte den Landräten für die gute Zusammenarbeit, besonders in der Hochphase der Corona-Pandemie.

„Ein starkes Team“

Pavel dankte auch seinen Mitarbeitern im Landratsamt: „Es ist ein starkes Team.“ Und zum Abschluss seiner Rede: Immer wieder sei er gefragt worden, was er seinem Nachfolger für Ratschläge gebe: „Ich gebe ihm keine Ratschläge.“ Dem neuen Landrat Joachim Blässe gab Pavel mit auf den Weg: „Glück auf. Ich wünsche Ihnen die Unterstützung, die ich von vielen erhalten habe.“ Am Freitag endet die Amtszeit von Pavel als Landrat. Dann will er seinen Schlüssel abgeben. Ab Samstag ist er Vorsitzender der Härtefallkommission und damit ein Mitarbeiter vom Innenminister. „Ich habe schon einen Generalschlüssel, wissen Sie das“, fragte er Innenminister Strobl. „Ich mache die Arbeit gerne“, versicherte Pavel, ehe es dann in der Aalener Stadthalle zum geselligen Teil der Verabschiedung ging – mit Mund-Nasen-Schutz und genügend Abstand.