Kirchberg Landkreis Hall will für Flüchtlinge dringend Gebäude mieten oder kaufen

Der Landkreis will das ehemalige Verwaltungsgebäude der Telkom in Schwäbisch Hall-Hessental kaufen. Dort sollen nach dem Umbau 68 Flüchtlinge und Asylbewerber wohnen.
Der Landkreis will das ehemalige Verwaltungsgebäude der Telkom in Schwäbisch Hall-Hessental kaufen. Dort sollen nach dem Umbau 68 Flüchtlinge und Asylbewerber wohnen. © Foto: Ufuk Arslan
JOCHEN KORTE 23.05.2015
Die Zahl der Flüchtlinge stellt den Landkreis vor immer größere Probleme. Das wird in der Kreistagssitzung deutlich. "Egal wo und wie groß, wir kaufen und mieten alles", sagt Landrat Gerhard Bauer.

Mit 70 Flüchtlingen und Asylbewerbern jeden Monat hat die Kreisverwaltung gerechnet. Doch mittlerweile ist die Zahl auf im Schnitt 88 gestiegen. Diese werden vom Land zugewiesen und müssen im Kreis Hall untergebracht werden. "Wenn die Kapazitäten nicht ausreichen, müssen wir die Menschen in Turnhallen unterbringen", malt Landrat Bauer als Alternative an die Wand.

Damit es soweit nicht kommen möge, hat der Kreistag bei zwei Enthaltungen beschlossen, Wohncontainer für 48 Personen an der Straßenmeisterei in Gerabronn aufzustellen (im Fall der Fälle könnten die auch zweistöckig für 100 Menschen gebaut werden, darüber ist aber nicht abgestimmt worden). Zwei weitere Wohngebäude werden in Crailsheim für 98 Menschen gebaut. In Hall kauf der Kreis das ehemalige Verwaltungsgebäude der Telekom in Hessental für 500000 Euro. Es soll für 300000 Euro umgebaut werden und 68 Flüchtlingen Platz bieten. Ausgegangen wird dabei von einer Fläche von sieben Quadratmetern pro Person.

Bis weitere Kapazitäten zur Verfügung stehen, kann aber eine Belegung mit 4,5 Quadratmeter je Person erforderlich werden, heißt es in der Sitzungsvorlage. Es sei davon auszugehen, dass der Kreis für lange Zeit einen hohen Unterbringungsbedarf haben werde. Ob die geplante Landeserstaufnahmestelle in Hall, die im Laufe des Jahres 2016 ihren Betrieb aufnehmen soll, Entlastung bringt, ist laut Kreisverwaltung unklar. "In welchem Umfang eine Anrechnung auf die Zuweisungen für den Landkreis erfolgen wird, steht noch nicht fest", heißt es in der Erläuterung.

In der Diskussion ging es hauptsächlich um einen Antrag der SPD-Fraktion. Demnach sollen an jedem Unterbringungsort maximal 100 Personen wohnen, Familien und Einzelpersonen sollten möglichst getrennt werden, erläutert Kreisrat Jürgen Scharch. Bisher würden nur 12 Kommunen Flüchtlinge aufnehmen, 18 aber nicht. Auf eine gleichmäßige Verteilung auf alle Gemeinden sei zu achten.

Freien-Fraktionschef Klemens Izsak nennt den Antrag "verständlich". "Keiner darf sich entziehen", führt er aus. Die Forderungen der SPD seien zwar anzustreben, aber nicht verpflichtend einzuführen. Das schränke den Kreis zu sehr ein. Deshalb würden die Freien nicht zustimmen. Kreisrat Michael Dambacher (CDU) meint, dass die Sozialarbeiter des Kreises bei einer dezentralen Unterbringung zu viel Zeit mit Fahrten zwischen den Unterkünften verbringen würden. Sein SPD-Kollege Rudolf Michl mahnt, mehr Personal einzustellen. Auch dürften die Ehrenamtlichen, die wertvolle Arbeit liefern würden, nicht überfordert werden. Grünen-Kreisrat Wilfried Kraft sieht in dem SPD-Antrag einen Appellcharakter an die Kreisverwaltung. Auch der Bau von Wohnungen in Gewerbegebieten müsse überdacht werden.

"Die FDP hat schon im Oktober ein Konzept zur Unterbringung der Flüchtlinge eingefordert", erklärt FDP-Fraktionsvorsitzender Friedrich Bullinger. "Machen Sie das Thema zur Chefsache", ruft er Landrat Bauer zu.

"Das ist schon lange Chefsache", kontert der Verwaltungschef. "Wir verteilen, so gut es geht. Personal zu bekommen ist schwierig. Das Land hat zwei Sozialarbeiter abgeworben", so Bauers Argumente. Wegen der vielen Unwägbarkeiten sei ein Gesamtkonzept nicht zu leisten.

Zur Abstimmung über den Antrag, den Bauer für unzulässig hält, kommt es nicht. SPD-Kreisrat Hermann-Josef Pelgrim: "Wenn der Landrat zusagt, dies soweit wie möglich und ernsthaft zu berücksichtigen, dann ist das in Ordnung. Kreisrat Jürgen Scharch bleibt nur der geordnete Rückzug: "Pelgrim hat mich überstimmt", sagt er.

Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber im Landkreis Hall

Gemeinschaftsunterkünfte Die in Blaufelden und Crailsheim sind in Eigentum des Kreises, Kapazität: 284, Belegung: 278

Kommunen In Schwäbisch Hall, Fichtenau, Gaildorf, Ilshofen, Blaufelden, Braunsbach, Crailsheim, Frankenhardt, Kirchberg, Langenburg, Rot am See und Schrozberg stehen in angemieteten Sammelunterkünften und Wohnungen 826 Plätze bereit. Sie sind mit 800 Personen belegt. Hinzu kommen im Juni dieses Jahres noch die Gemeinschaftsunterkünfte Adelheidstift in Kirchberg (94 Plätze) und das Telekom-Gebäude in Crailsheim (45 Plätze). In drei angemieteten Wohnungen in Kirchberg, Langenburg und Hall werden bis Mai/Juni weitere 50 Plätze entstehen.

Unterkünfte Im Juni verfügt der Kreis über 1015 Plätze, 423 eigene und 592 angemietete.

Kapazitätserweiterung Bis zum Jahresende werden laut Prognose des Landratsamtes weitere 295 Plätze notwendig werden. Die Abgänge sind bereits berücksichtigt.

Vorhaben Wohncontainer auf landkreiseigenem Grundstück der Straßenmeisterei in Gerabronn (48 Personen, Kosten: 1,2 Millionen Euro). In Crailsheim sollen zwei Wohngebäude für 98 Personen in Fertigbauweise errichtet werden (Kosten: 2,8 Millionen Euro). Gekauft wird das frühere Verwaltungsgebäude der Telekom in Hall-Hessental, Weidenhalde 1. Dort ist Platz für 68 Flüchtlinge. Kosten: 800000 Euro. Als Reserve dient die Turnhalle (über dem Schwimmbad an den Beruflichen Schulen in Hall, 50 bis 70 Plätze). Diese diente bereits nach dem Brand im Asylbewerberheim Steinbeisweg in Hall als Notquartier.

KOR