Rot am See Kurt Klawitter kommt heim

„Haamkumma“: gemeinsamer Auftritt mit Gedichten und Liedern von Kurt Klawitter und Bildern von Wildis Streng im Rathaus von Rot am See.
„Haamkumma“: gemeinsamer Auftritt mit Gedichten und Liedern von Kurt Klawitter und Bildern von Wildis Streng im Rathaus von Rot am See. © Foto: Ralf Snurawa
Rot am See / Ralf Snurawa 11.09.2018
Gedichte, Lieder und Bilder stehen im Rathaus von Rot am See im Mittelpunkt eines gemeinsamen Abends des Hohenloher Barden und der Malerin Wildis Streng.

Hammkumma“ hat der Wiesenbacher Barde Kurt Klawitter seinen Gedichtband genannt. Die Crailsheimerin Wildis Streng, die ihre Begeisterung für den Sänger und Dichter gern auch in ihren Krimis kundtut, hat dazu Zeichnungen angefertigt, die ebenfalls im Gedichtband zu finden sind: als ergänzende oder übers Thema auch hinausweisende Deutungen einiger Gedichte.

Diese Zeichnungen waren und sind nun in Originalgröße und koloriert im Bürgerhaus von Rot am See zu sehen. Einige greifen Inhalte wie etwa „Du bischt mei Traum“ auf und führen sie – als Aktmalerei – fort. Am See auf einer hölzernen Bootsanlegestelle liegt die Schönheit unter einer über ihr schwebenden Libelle und mit Fischen neben ihr im Wasser.

Zwischen Rabe und Weinbergschnecke ist ihr Kopf „Auf der Terrasse“ fast als Teil eines Blütenstängels zu sehen. Auch „Am Strand“ wird sie von Blüten sowie einer Eidechse flankiert, und auf einem weiteren Bild erscheint sie als „Traum von früher“ zum herbstlichen Baum.

Die Schönheit weitergeführt

In den Bildern hat Wildis Streng die Schönheit weitergeführt. Da verbindet sich ihr Haar in „Das Frauenbrünnlein“ mit dem Wasser des Brunnens oder taucht ihr Kopf am Ende der „Versunkenen Treppe“ überdimensional groß wieder auf. Und zum „Lauen Summerobend“ sind nur noch Haare und Lippen übrig. Die hat Streng mit anderen Elementen des Gedichts – nicht nur hier – zu einem symbolreichen Bild mit Grille, Motorradvorderrad und Weizenähren zusammengefügt. Klawitter ließ es am Freitagabend vor etlichen Zuhörern mit seiner Vertonung zu einem kleinen hohenlohischen Gesamtkunstwerk werden und schickte voraus: „I war früher a weng verdraamt – des hat sich a net verändert.“

Als Kontrapunkt hatte er seine „schamanische hohenlohische Klangperformance“ vorweggeschickt und mit Genuss und Sinn für Witz zelebriert. Mit der „Bitte um äußerste Ruhe und Andacht“ wurden eine Glocke, Schellen, ein Kochtopf samt Deckel und eine vergoldete Gasflasche in stoischer Gelassenheit zum Klingen gebracht. „Das sind Klänge, die man früher gehört hat, etwa auf dem Bauernhof“, hatte Kurt Klawitter vorausgeschickt und zur Gasflasche noch hinzugefügt: „Nein, es ist kein Atomreaktor, und: Ja, die Flasche ist leer.“

Auch andere Gedichte hat Klawitter zum Klingen gebracht. Auf dem Klavier machte er mit dem Rücken zum Publikum zu „Da ganza Dooch lang“ Hohenlohe zum positiven Blues. Das „Frauenbrünnlein“ ergoss sich später über die Tasten. Und natürlich musste auch „Hammkumma“ besungen werden – mit Hut, weil in seiner Kindheit sei man noch mit Hut aus dem Haus gegangen.

Wildis Streng hatte genau dieses Gedicht und Lied auf ihrem Bild dazu mit einem Jungen in Lederhosen, den Weihnachtsplätzchen der Mutter und dem Aufwärmen der Füße nach dem Schlittenfahren draußen in ein Ensemble gebracht.

In Traumwelten entführt

Streng ergänzte die gesungenen Gedichte mit kurzen Rezitationen der nicht vertonten. Von der „Linda“ im „Haamadort drunda im Dool“, die heute nur den Ausbau des Ortes „hindra“ würde, war da zu hören. Früher war sie Stelldicheinort des Urgroßvaters und seiner Pauline.

„Versunka de Dooch“ entführte in Traumwelten und die „Keltenschanze“ wie „Die versunkene Treppe“ in sagenhafte Zeiten. Am Ende war das Publikum hingerissen und forderte seine Zugaben ein – bis hin zu „Uff dr Muswies“ als Einstimmung.

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