Ein Großprojekt der ENBW stößt seit Monaten auf heftigen Protest: Der Energiekonzern will zwischen Kupferzell und Rot am See eine neue 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung bauen, weil die Kapazität des bestehenden Netzes für die Unmengen an Öko-Strom aus Hohenlohe längst nicht mehr ausreicht.

Auf zwei Wegen könnte der Strom abtransportiert werden: Entweder über weithin sichtbare Freileitungen oder über verborgene Erdkabel. Gegen die Mastenlösung in der Landschaft laufen nicht nur Bürgerinitiativen und Naturschützer Sturm – auch die Bürgermeister und Gemeinderäte in den tangierten Kommunen lehnen die Freileitungen ab, deren Trassen die Täler von Jagst und Brettach queren müssten.

„Kein Hinderungsgrund“

In die Phalanx der Gegner haben sich jetzt auch die beiden AfD-Landtagsabgeordneten Udo Stein und Anton Baron eingereiht, nachdem ihre Fraktion eine umfangreiche Anfrage an die Landesregierung in Sachen Netzausbau und das Projekt in Hohenlohe gestellt hatte. Die beiden Parlamentarier fordern ebenfalls den Verzicht auf Freileitungen.

Zwar sei eine Erdverkabelung von Kupferzell nach Rot am See laut Zeitungsberichten grob geschätzt rund 30 Millionen Euro teurer als eine Freileitung. Das könne jedoch kein Hinderungsgrund für ein Erdkabel sein. Stein und Baron verweisen in einer Pressemitteilung auf die geplante Südlink-Stromtrasse vom Norden in den Süden Deutschlands.

Gegen diese Freileitung in Bayern gab es vehemente Proteste von Bürgern, Kommunen und Landkreisen. Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer forderte erfolgreich eine unterirdische Verlegung, obwohl dies Mehrkosten von rund 3 Milliarden Euro verursachte.

Thema im Ausschuss

Zudem bedauern die AfD-Abgeordneten, dass sich im Mai bei einer Sitzung des Umweltausschusses im Landtag die anderen Parteien der Forderung nach einer Erdverkabelung nicht angeschlossen hätten: „Während die FDP überhaupt keine Meinung geäußert hat, haben die umweltpolitischen Sprecher der Grünen, CDU und SPD lediglich auf das derzeit laufende Raumordnungsverfahren verwiesen, ohne sich auf eine Alternative festzulegen“, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Schwäbisch Hall

Einen gänzlich neuen Vorschlag speiste der frühere FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger in die Debatte ein: Nach seiner Ansicht könnte auf die Stromleitung komplett verzichtet werden. Bullinger argumentiert damit, dass mit dem Ende der EEG-Vergütungen der Eigenverbrauch von Strom bis zum Jahr 2025 auch in Hohenlohe „enorm steigen wird“ und private Speichermöglichkeiten auch durch den Einsatz von E-Mobilen „in erheblichem Maß installiert werden.“

Nach Ansicht des FDP-Kreisrates wäre es deshalb sinnvoller, „auf die teuere Trasse mit allen Folgen zu verzichten“ und mit den eingesparten Millionen einen regionalen Stromspeicher im nördlichen Bereich des Landkreises Schwäbisch Hall zu bauen.

„Alternative prüfen“

„Statt mit Millionen die Landschaft durch eine neue Stromtrasse zu belasten, sollte dieses Konzept den Vorzug erhalten“, wie Bullinger in einem Brief an den Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer schrieb. Ziel müsse es sein, regional produzierten Strom auch regional zu verbrauchen und zu speichern. Diese Alternative solle beim Planfeststellungsverfahren für die Stromleitung quer durch Hohenlohe ebenfalls geprüft werden.

Das könnte dich auch interessieren:

Zwei Trassen kommen in die engere Wahl


Derzeit läuft das Raumordnungsverfahren für die geplante Stromleitung. Bedenken und Anregungen von Bürgern und Behörden werden bei einem sogenannten „Erörterungstermin“ am Mittwoch, 10. Juli, ab 10 Uhr im „Forum“ in Rot am See behandelt.  Dabei sollen aus insgesamt acht Korridoren zwei möglichst umweltverträgliche Trassen herausgefiltert werden, die sich für eine Freileitung und für ein Erdkabel eignen. Der endgültige Verlauf der Stromleitung wird aber erst bei einem anschließenden Planfeststellungsverfahren festgelegt.  haz