Dienstagabend, gegen 18.15 Uhr: „53 Stimmen wurden abgegeben. 42 Jastimmen und 11 Neinstimmen. Der Bewerber hat im ersten Wahlgang die Mehrheit der Stimmen bekommen und ist gewählt“, verkündet Kurt Wackler das Ergebnis in der Mehrzweckhalle Wolpertshausen. Bei der geheimen Wahl fehlten 5 Kreisräte, denn das Gremium hat 58 Sitze. Gerhard Bauer sitzt derweil nicht am Kopf des Ratstisches, sondern neben seinen beiden Söhnen Alexander und Patrick sowie seiner Partnerin Barbara Zuhra bei den Zuschauern. Rund 50 Gäste verfolgen die Wahl. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses erhebt sich der alte und neue Landrat erleichtert von seinem Platz, genießt immer wieder lächelnd den kräftigen Applaus der Gäste und Kreisräte.

„Das Votum ist eine außerordentliche, eine tolle Bestätigung für Ihre Arbeit der vergangenen 16 Jahre“, sagt Kreisrat Kurt Wackler (Freie), der als ehrenamtlicher Landrat-Stellvertreter die geheime Wahl leitete. Er bittet Gerhard Bauer nach vorne und umarmt ihn. Der 61-jährige Jurist bedankt sich für das „entgegengebrachte Vertrauen“ bei denjenigen, die für ihn gestimmt haben. Er wolle das Vertrauen derjenigen gewinnen, die nicht für ihn votierten.

Untermünkheim

Gerhard Bauer blickt zurück und nach vorne

Vor seiner Wiederwahl hielt Bauer eine rund halbstündige Bewerbungsrede. Darin ließ der Landrat Erfolge Revue passieren, erläuterte den Ausbau der Infrastruktur, nannte Zahlen zu Schulden, Investitionsvolumen und Fördermitteln. 2012 hatte der Landkreis 49 Millionen Euro Schulden, mittlerweile sind es 71 Millionen Euro und damit sind die Verbindlichkeiten etwas höher als der Durchschnitt im Regierungsbezirk Stuttgart. „Dem stehen allerdings große Zukunftsinvestitionen gegenüber“, betonte der Landrat. In den vergangenen acht Jahren wurden knapp 167 Millionen Euro, davon knapp 129 Millionen Euro Kreismittel, in den Ausbau der beruflichen Schulzentren, der Förderschulen, den Landratsamtsneubau, die Verkehrsinfrastruktur sowie den Krankenhausneubau in Crailsheim investiert.

Sorgen bereiten die Hilfesysteme im Sozial- und Jugendbereich, denn die Sozialausgaben sind seit 2012 um über 30 Prozent auf 91 Millionen Euro gestiegen. „Das war fremdbestimmt und nicht hausgemacht. Gemeinden und Kreise sind vielfach Ersatzkassen für Bund und Land“, sagte Bauer.

Landrat ist sich der großen Aufgaben bewusst

Beim Blick in die Zukunft des Landkreises stimmt den Landrat ein erneut zu erwartender Überschuss in diesem Haushaltsjahr zuversichtlich. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Konjunkturkurve weiter abflachen und eine Richtungsänderung kommen wird“, prognostizierte der Landrat.

Bauer sprach große Aufgaben und Zukunftsthemen wie beispielsweise Gesundheitswesen, Breitband, Soziales und Bildung an. Der Landkreis werde lebenswert, attraktiv, handlungs- und zukunftsfähig bleiben, wenn der eingeschlagene Weg gemeinsam konsequent fortgesetzt werde – partnerschaftlich mit und für die Menschen. „Ich fühle mich fit und bin kein bisschen amtsmüde“, so Bauer. Er brenne nach wie vor für den Landkreis und seine Aufgaben. Der Beruf des Landrats sei für ihn der schönste der Welt.

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2003 und 2011: Blick auf vergangene Landratswahlen


„Die Wahl am 14. Oktober 2003 in Bühlertann wird bestimmt vielen noch gegenwärtig sein“, erinnert Kreisrat Kurt Wackler (Freie) in der Kreistagssitzung in Wolpertshausen an vergangene Landratswahlen. Vor rund 16 Jahren ging Landrat Ulrich Stückle in den Ruhestand. Ein Nachfolger wurde gesucht. Bei der Wahl setzte sich Gerhard Bauer, der damals noch Erster Landesbeamter im Landratsamt war, gegen zwei weitere Kandidaten durch – Klemens Izsak, Bürgermeister von Schrozberg und für die Freien im Kreistag, sowie Friedrich Bullinger, der im Landtag war und heute noch für die FDP im Kreistag sitzt. Gert Klaiber, Kandidat mit CDU-Parteibuch, hatte seine Kandidatur zurückgezogen, weil er nicht die Unterstützung der CDU-Fraktion hatte. Gerhard Bauer wurde im Kreistag mit 32 Stimmen gewählt, Klemens Iszak bekam 22 und Friedrich Bullinger 3 Stimmen.

Deutlich fiel das Ergebnis für Landrat Gerhard Bauer bei der Wahl am 4. Oktober 2011 im Kreistag in Satteldorf aus, informiert der ehrenamtliche Landrat-Stellvertreter Wackler, der Bürgermeister der Gemeinde Satteldorf ist. Jurist Bauer war auch vor acht Jahren der einzige Bewerber und bekam im ersten Wahlgang die Mehrheit. Er wurde mit 48 von 56 Stimmen für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt.

Die Amtszeit von Gerhard Bauer endet am 31. Dezember 2019, ab Januar beginnen die nächsten acht Jahre als Landrat. Bauer lud nach seiner Wiederwahl zum Stehempfang ein. Der Termin zur feierlichen Wiederverpflichtung für die dritte Amtsperiode von Landrat Gerhard Bauer ist am Freitag, 24. Januar 2020, ab 17 Uhr im Festsaal der Fassfabrik geplant – dem neuen, zweiten Landratsamtstandort auf dem Karl-Kurz-Areal in Schwäbisch Hall-Hessental. cus