Gute Nachrichten für alle Gebäudereiniger: Seit Anfang dieses Monats gibt es einen neuen Rahmentarifvertrag für die größte deutsche Handwerkssparte. Nach monatelangem Streit, der vielerorts auch zu Streiks der Beschäftigten geführt hat, haben sich die zuständige Gewerkschaft IG BAU und die Arbeitgeber auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt.

Für Beschäftigte: mehr Zuschläge, Urlaubstage, Weihnachtsgeld und mehr

Dieser besagt, dass die Lohnzuschläge – insbesondere für die Arbeit in der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen – angehoben werden. Wer an den Weihnachtsfeiertagen, an Neujahr oder am 1. Mai arbeitet, bekommt 200 Prozent mehr Lohn. Zudem haben die Beschäftigten ab 2021 Anspruch auf 30 Urlaubstage. Bereits im kommenden Jahr wollen IG BAU und Arbeitgeber zudem ein Weihnachtsgeld vereinbaren – ein Novum. Außerdem gibt es auch eine Verbesserung für alle Teilzeitkräfte: Wer über fünf Monate hinweg kontinuierlich ein Überstundenpensum von mindestens 15 Prozent leistet, hat Anspruch darauf, dass der Arbeitsvertrag auf die tatsächlich geleistete, höhere Wochenstundenzahl angepasst wird.

„Wir als tariftreuer Betrieb können mit der Anpassung beziehungsweise Änderung des Rahmentarifvertrages gut leben“, erläutert Isabella Schäller, Niederlassungsleiterin bei RTS Gebäudemanagement in Crailsheim. Der Gebäudereinigungsdienstleister zählt zu den größten Unternehmen dieser Branche in der Region. Im Gegensatz zu anderen Betrieben gab es hier keine Warnstreiks. Der Grund hierfür ist einfach: „Wir haben uns dazu entschieden, trotz der Auflösung des alten Tarifvertrages weiter freiwillig bei den vereinbarten Löhnen zu bleiben“, erläutert Schäller. Sie begründet die Entscheidung mit der Wertschätzung der Mitarbeiter: „Wir wissen, was unsere Beschäftigten leisten müssen – und das muss fair entlohnt werden.“

Für RTS-Kunden: Preise für Dienstleistungen steigen um 1,81 Prozent

Doch diese Änderungen bringen auch negative Aspekte mit sich: „Für uns als Gebäudedienstleister steht die Erhöhung der Tarife in direktem Zusammenhang mit einer Preisanpassung unserer angebotenen Dienstleistungen. Dies ist oftmals unumgänglich, um auch zukünftig erfolgreich zu wirtschaften“, sagt Schäller. So hat das Unternehmen ein Rundschreiben an seine Kunden verschickt, in dem es ab Januar 2020 eine Preiserhöhung von 1,81 Prozent für seine Dienstleistungen ankündigt.

Zudem werden nicht alle Beschäftigten später mehr im Portemonnaie haben, meint die Niederlassungsleiterin. „Bei den Geringfügigen müssen die monatlichen Arbeitszeiten gekürzt werden, damit die 450-Euro-Grenze nicht überschritten wird. Das heißt: weniger Arbeit für mehr Stundenlohn“, erklärt Schäller. Für das Unternehmen bedeute das, dass diese Kürzungen dann durch neue Arbeitskräfte aufgefüllt werden müssen. RTS Gebäudemanagement betreibt insgesamt fünf Standorte: die Zentrale in Neuenstein, Heilbronn, Rosenberg (Neckar­-Odenwald-Kreis), Schwäbisch Hall und Crailsheim. „Damit ist es uns möglich, die ganze Region abzudecken“, erläutert Isabella Schäller und ergänzt: „Von Crailsheim aus bedienen wir auch den angrenzenden bayerischen Raum sowie Teile des Ostalbkreises.“

Unternehmen bietet viele Dienstleistungen an

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 1600 Mitarbeiter, davon sind etwa 155 in Crailsheim und 580 in Schwäbisch Hall tätig. „Die Anzahl unserer Mitarbeiter wächst stetig, da das Outsourcing für viele Firmen immer mehr an Bedeutung zunimmt“, erläutert die Fachwirtin für Facility Management.

Das Unternehmen bietet neben infrastrukturellen Diensten wie Gebäude- und Glasreinigung, Grünanlagenpflege oder Betriebsverpflegung auch Maschinenreinigungen und Hausmeisterservice an. Letzteres sei derzeit sehr gefragt, erklärt Schäller. Zudem bietet RTS Dienste in der Spülküche, bei der Frühstücksausgabe oder auch interne Umzüge an. In Schwäbisch Hall kümmert sich das Unternehmen um den Hol- und Bringservice im Diak.

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Tausend Beschäftigte arbeiten in Deutschland in der Gebäudereinigung. Damit ist sie die beschäftigungsstärkste Handwerksbranche. Jede vierte Arbeitskraft hat einen Migrationshintergrund.

Schon 30 Jahre am Markt


RTS wurde 1989 als Gebäude- und Industriereinigungs-Meisterbetrieb in Neuenstein von Günther Schmöller gegründet. 1993 tritt das Unternehmen dem Modell Hohenlohe, Gesellschaft für nachhaltiges Wirtschaften, bei.

1996 wird der Standort in Schwäbisch Hall eröffnet, im Jahr 2002 folgt die Niederlassung in Crailsheim, ein Jahr später Heilbronn. Im Jahr 2007 erhält RTS Gebäudemanagement die Zulassung für Personal-Dienstleistungen. 2008 wird der neueste Standort in Rosenberg eröffnet.