Durch die Corona-Krise haben sich Arbeitsbedingungen und Aufgabenschwerpunkte der Polizei erheblich verändert. Wie geht das für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständige Polizeipräsidium Aalen mit der neuen Situation um? Holger Bienert, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, steht im Kurzinterview Rede und Antwort.

Welche Schwerpunkte setzt das Polizeipräsidium Aalen während der Corona-Krise?

Holger Bienert: Straftaten, die im öffentlichen Raum verübt werden, wirken sich auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung besonders negativ aus. Das Polizeipräsidium Aalen setzte diesbezüglich bereits im Jahr 2019 einen Handlungsschwerpunkt, der im Jahr 2020 im Wesentlichen fortgeführt wird.

Aggressionsdelikte, Sexualdelikte, Rauschgiftdelikte und Sachbeschädigungen, die im öffentlichen Raum verübt werden, stehen dabei im besonderen Fokus. Auch in Zeiten der Corona-Krise. Hier versuchen wir seit Anbeginn durch eine erhöhte sichtbare Polizeipräsenz das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken und Verstöße gegen die Corona-Verordnung möglichst gering zu halten. Die Überwachung der Corona-Einschränkungen kamen insofern als Aufgabe hinzu. Entlastung gab es dafür in anderen Bereichen, so zum Beispiel der Präventionsarbeit, die in weiten Teilen ausgesetzt werden musste.

Sind die Bürger diszipliniert, oder kommt es häufig zu Verstößen?

In der Bevölkerung nehmen wir überwiegend Verständnis für die angeordneten Einschränkungen wahr. Mit Augenmaß sorgt die Polizei gemeinsam mit den Ordnungsbehörden dafür, dass die Regeln der Corona-Verordnung eingehalten werden. Wir setzen dabei grundsätzlich auf Kommunikation und die Einsicht der Bürger.

Wer allerdings unverbesserlich und uneinsichtig ist oder die Vorschriften gravierend missachtet, muss mit einer konsequenten Sanktionierung seines Fehlverhaltens rechnen. Stand 7. Mai haben wir präsidiumsweit (Landkreise Hall, Rems-Murr und Ostalb) rund 2000 Verstöße gegen die Corona-Verordnung geahndet. Davon der überwiegende Anteil an Verstößen gegen die bestehenden Kontaktbeschränkungen und Ansammlungsverbote, nämlich rund 1700. Man muss aber auch wissen, dass nicht jeder Verstoß sofort in einer Anzeige mündet. Wir haben im Bereich der Ordnungswidrigkeiten einen Ermessensspielraum.

Können Sie genaue Zahlen für unsere Region nennen?

Im Landkreis Hall haben wir bis zum 7. Mai insgesamt rund 110 Verstöße geahndet. Davon rund 90 wegen Kontaktbeschränkungen und Ansammlungsverboten.

Machen Diebstähle und Rohheitsdelikte wegen Ladenschließungen und Veranstaltungsverboten „Pause“? Kommt es dafür zu mehr häuslicher Gewalt?

Die Einschränkungen der Sozialkontakte und nahezu des gesamten gesellschaftlichen Lebens, wie wir es kennen, hat natürlich auch Auswirkungen auf die Kriminalitätslage. Wir verfügen derzeit noch nicht über genaue Fallzahlen, die die statistischen Auswirkungen des Coronavirus auf die Kriminalitätsentwicklung valide abbilden. In einer landesweiten Gesamtbetrachtung ist aber festzustellen, dass die Zahl der erfassten Straftaten tendenziell rückläufig ist. Insbesondere Delikte, die im öffentlichen Raum begangen werden, nehmen aufgrund der Beschränkungen merklich ab. Unter anderem auch bei den Eigentumsdelikten ist ein deutlicher Rückgang feststellbar. Die Konzentration gerade des privaten Lebens auf das familiäre Umfeld und den Wohnbereich stellen einen Risikofaktor für Fälle häuslicher Gewalt dar. Eine signifikante Steigerung der Fallzahlen lässt sich hier zwar nicht belastbar feststellen, dennoch haben wir tendenziell eine Zunahme an Einsätzen bei Streitschlichtungen im privaten Bereich.

Inwieweit war die Polizei selbst von der Pandemie betroffen? Gab es unter den rund 1600 Präsidiums-Mitarbeitern Corona-Fälle?

Stand heute haben wir zwei Erkrankte, insgesamt waren es 20, also sind 18 wieder genesen. Wir haben aktuell 20 Beschäftige in Quarantäne/Freistellung, in der Spitze waren es Ende März 150.

Zahl


Anlauf steht hier, hier die Erklärung

Mann wütete in Schwäbisch Haller Supermarkt


Die vorübergehenden Engpässe bei einigen Produkten in Supermärkten sorgte in einem Fall für besonders viel Frust. Am 19. März wurde die Polizei in einen Haller Supermarkt gerufen. Dort wollte sich ein Mann über die damalige Obergrenze bestimmter Lebensmittel trotz deutlich sichtbarer Beschilderung hinwegsetzen und packte 24 statt sechs Tetrapackungen Milch ein. An der Kasse wurde der Mann auf die reglementierte Abgabe angesprochen und da­ran erinnert, nur sechs Liter Milch einkaufen zu können. Daraufhin beleidigte und bespuckte der Mann die Marktleiterin sowie weitere Mitarbeiter.